Die Kunst, Menschen an der Nase herumzuführen

- München - Tief im Wald jenseits der Stadtgrenzen Münchens wird das Geheimnis gehütet, wie man Menschen manipuliert. Das Unternehmen Voitino nahe Krailling (Landkreis Starnberg) produziert Entspannung, Konzentration und Kauflust. Jahr für Jahr erwirtschaftet der Betrieb mit seinen geheimen Rezepten zweistellige Wachstumsraten. Voitino ist Weltmarktführer im Duftmarketing.

<P>"Am Anfang wurden wir belächelt", sagt Hans Voit, Gründer und Chef des Unternehmens. Heute lächelt er. Adidas, BMW, Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Ferrari, Rewe und Volkswagen haben die Nase voll von Voitino - im wörtlichen und positiven Sinn. Auf der Referenzliste stehen der Flughafen München, Modegeschäfte, Möbelhäuser und die US Army. Sie lassen ihre Büros mit Zitrus- und Minzaromen beduften, damit die Mitarbeiter konzentriert bleiben. </P><P>Sie setzen auf Vanille-Düfte, um eine stressabbauende Atmosphäre zu schaffen. Und sie heuern Voitino an, um in ihren Kunden die Konsumlust zu wecken, etwa indem es an der Bäcker-Theke nach frischen Semmeln riecht. Die "verkaufsfördernden Düfte" machen 70 Prozent des Voitino-Umsatzes aus.<BR><BR>"Die Geschäfte sind sich so ähnlich und der Kunde wird so mit Werbung überschüttet wie nie zuvor. Mit Duftmarketing kann man sich von Konkurrenten positiv unterscheiden", erklärt Voit. Durch den richtigen Geruch lasse sich im Geschäft eine angenehme Atmosphäre schaffen, die die Verweildauer des Kunden und somit seine Kaufbereitschaft steigert. Es entstünde ein neues Einkaufserlebnis. "Wie will ich in einem Geschäft eine italienische Woche veranstalten, wenn es nach Stachus riecht?", fragt Voit. Duftmarketing könne Träume des Kunden wecken. Will ein Autohaus Cabrios absetzen, "muss es im Januar schon nach Frühling riechen".<BR><BR>Die Düfte werden dabei so dezent verbreitet, dass sie kaum wahrnehmbar sind. "Es ist auch keine andere Manipulation als Hintergrundmusik, angenehme Farben oder eine freundliche Verkäuferin", argumentiert der Unternehmer. Und sie ist nicht minder wirksam.<BR><BR>In einer Studie der Universität Paderborn wurde durch den Einsatz von Duftmarketing ein Umsatzwachstum von sechs Prozent ermittelt. "Wir erreichen zwischen drei und zehn Prozent Umsatzsteigerung", sagt Voit - allerdings mit Einschränkung. "Es ist kein Zaubermittel. Wenn ein Laden schlecht ist, erreichen wir überhaupt nichts. </P><P>Und wir werden es auch nicht schaffen, dass sich plötzlich eine Oma einen Porsche kauft." Kritik muss Voit von Verbraucherschützern hinnehmen. Sie befürchten eine Belastung für Allergiker und Asthmatiker. "Es gibt keinen Test, der einen Einfluss nachweist", widerspricht Voit. Seine Aromasäulen verbreiteten weniger Duftmoleküle als eine parfümierte Frau in der S-Bahn. Zudem verwende man "reine Düfte ohne chemische Duftträger, die über Verdampfung in den Räumen verteilt werden".<BR><BR>Die Ergebnisse des Duftmarketings überzeugen offenbar. Seit der Unternehmensgründung verzeichne Voitino jedes Jahr zweistellige Umsatz-Zuwachsraten, berichtet Voit. So ist Voitino seiner Konkurrenz eine Nasenlänge voraus.<BR></P><P>Das Unternehmen im Internet: www.voitino.de<BR></P>

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