Kurs fällt, Rendite steigt - wie sich Staatspapiere auszahlen

- Immer höher wird der Schuldenberg, den Bund, Länder und Kommunen anhäufen. Um die fehlenden Steuereinnahmen zu kompensieren, legt die öffentliche Hand Anleihen und andere Wertpapiere auf. Das kann sich für Anleger auszahlen.

<P>Zuletzt sind die Börsenkurse festverzinslicher Wertpapiere, auch Renten genannt, stark unter Druck geraten. Die meisten Länder leiden unter ähnlicher Finanznot wie die Bundesrepublik und werfen fleißig Anleihen auf den Markt. Umgekehrt haben optimistische Konjunkturprognosen wieder zur Rückkehr vieler Anleger an die Aktienmärkte geführt. Dem gestiegenen Angebot an Anleihen steht also eine gesunkene Nachfrage gegenüber.<BR><BR>So funktioniert's</P><P>Wenn die Kurse fallen, steigen die Renditen. Hinter diesem für Laien zunächst verwirrenden Branchengesetz steckt eine einfache Logik: Wer jetzt Anleihen kauft, zahlt dafür weniger und profitiert insgesamt von höheren Gewinnen. Was Anleger tatsächlich für ihr Geld bekommen, hängt nicht vom Nominalzins ab, dem so genannten Coupon, sondern von der Rendite. Dieser Wert berücksichtigt neben dem Zinssatz auch den Börsenkurs und die Laufzeit. Die aktuelle zehnjährige Anleihe des Bundes bringt zwar jährlich nur 3,75 Prozent Zinsen. Da der Börsenkurs aber unter dem Rückzahlungswert notiert, liegt die Rendite höher: derzeit deutlich über 4 Prozent.<BR><BR>Die ein halbes Jahr vorher aufgelegte ebenfalls zehnjährige Bundesanleihe erreicht ein ähnliches Niveau, obwohl ihr Nominalzins noch 4,5 Prozent betragen hatte. Der höhere Börsenkurs wirkt ausgleichend. Manche Anleger suchen sogar gezielt nach Anleihen mit niedrigen jährlichen Zinszahlungen. "Versteuert wird nur der Coupon, nicht die Rendite", erläutert Stefan Grothaus von der WGZ-Bank.<BR><BR>Angesichts des neuerlichen Aufschwungs der Aktienmärkte liegen diese Erträge nicht auf spektakulärem Niveau. "Für defensive Anleger sind festverzinsliche Wertpapiere eine Überlegung wert", sagt Elke Speidel-Walz von der Deutschen Bank.<BR><BR>Schatzbrief und Co.</P><P>Der Bund gibt unterschiedliche Arten von Wertpapieren aus. Die wichtigsten heißen Bundesanleihe, Bundesobligation und Bundesschatzbrief. Nur Anleihen und Obligationen sind an der Börse notiert. Im Rahmen einer Auktion unter Banken, des so genannten Tenderverfahrens, wird ihr Emissionskurs ermittelt. Der Nennwert zählt erst wieder bei der Rückzahlung. Bundesanleihen haben eine Laufzeit von 10 oder 30 Jahren. Bundesobligationen kommen als mittelfristige Geldanlage auf 5 Jahre und bringen entsprechend niedrigere Renditen.<BR><BR>Als nicht börsennotiertes Wertpapier mit mäßiger Rendite leidet der Schatzbrief unter einem betulichen Image - zu Unrecht. "Er ist sogar eines unserer Lieblingspapiere", sagt Uwe Döhler von der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest. Bundesschatzbriefe gibt es als Typ A mit sechsjähriger Laufzeit und jährlicher Zinszahlung oder als Typ B mit Zinsansammlung und siebenjähriger Laufzeit. Der besondere Charme dieses Wertpapiers besteht darin, dass es nach einem Jahr zum Nennwert zurückgegeben werden kann: im Umfang von bis zu 5000 Euro alle 30 Tage. Der Vorteil liegt gerade in unsicheren Zeiten wie diesen auf der Hand: "Der Anleger bleibt hochflexibel", so Döhler. Wenn mit anziehender Wirtschaft auch das Zinsniveau steigt, dürften die Kurse der jüngsten Bundesanleihen und -obligationen weiter fallen - ein Risiko, das es bei Schatzbriefen nicht gibt.<BR><BR>Gebührenfrei deponieren</P><P>Schatzbriefe können wie die anderen Bundeswertpapiere ohne Gebühren bei der Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg (BWpV) deponiert werden. Dies geschieht freilich virtuell, da es sich um bloße Wertrechte, nicht um kunstvoll gestaltete "Urkunden" wie bei manchen Aktien handelt. Bei Schatzbriefen und der jeweils zuletzt eingeführten Bundesobligation, nicht aber bei Bundesanleihen, kann auch der Kauf provisionsfrei über die BWpV abgewickelt werden. Beim Verkauf werden 0,4 Prozent des Erlöses berechnet - weniger als bei den meisten Banken.<BR><BR>Weitere Informationen: www.bundeswertpapiere.com<BR></P>

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