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Bulle und Bär repräsentieren gute und schlechte Phasen an der Börse. Die Symbolik geht angeblich auf Schaukämpfe zurück, bei denen einst kalifornische Goldgräber einen Bären und einen Stier aufeinander losließen. Der Bulle attackiert den Gegner mit den Hörnern von unten nach oben stoßend (Bullenmarkt = steigende Kurse), der Bär drückt den Gegner von oben zu Boden (Bärenmarkt = fallende Kurse).

Halbjahresbilanz an den Börsen

Von Kurs-Feuerwerken und Aktien-Flops

München – Trotz Finanzkrise hat sich der Aktienmarkt seit Jahresbeginn wacker geschlagen. Eine Bilanz zur Jahresmitte.

Obwohl über die Finanzkrise auch in den vergangenen Monaten immer neue Hiobsbotschaften zu lesen waren, fiel die Halbjahresbilanz für viele Börsen positiv aus. In Deutschland steht der Dax aktuell ungefähr da, wo er zu Jahresbeginn startete. Erfreulicher entwickelten sich die Technologiewerte im Tec-Dax, die knapp 20 Prozent zulegen konnten. Partystimmung gab es in einigen Schwellenländern. In Brasilien , Indien und Indonesien haussierten die Börsen. Die russische Börse feierte mit einem Indexplus von 50 Prozent ein Comeback.

An den europäischen Finanzplätzen erlebten die Anleger seit Neujahr ein Wechselbad der Gefühle. Negativmeldungen über die Finanzkrise, die weltweite Wirtschaftsschwäche sowie unerfreuliche Quartalszahlen schickten die Märkte auf Talfahrt. Der Dax brach bis Anfang März um knapp 30 Prozent auf 3700 Punkte ein. Erfreuliche Nachrichten aus dem Bankensektor und wieder hoffnungsvollere Frühindikatoren gaben dann aber den Anstoß zu einer bis Juni andauernden Kursrally. Der Dax stieg kurzfristig sogar über die 5000er-Marke. Obwohl die konjunkturellen Unsicherheiten immer noch sehr groß, die Unternehmensdaten zum Teil wenig hoffnungsvoll und die Probleme im Bankensektor noch nicht vollständig gelöst sind, träumt man an den Börsen schon wieder von besseren Zeiten.

Etwa ein Drittel der Dax-Werte kann zur Jahresmitte eine positive Bilanz vorweisen. Am besten entwickelte sich mit einem Plus von 60 Prozent die Aktie der Deutschen Bank. Glänzende Quartalszahlen und ein hoffnungsvoller Ausblick ließen den Branchenprimus haussieren. Sehr gut startete auch die Metro-Aktie (+25%): Trotz Konsumflaute ist der Umsatz des Handelsriesen geklettert. Investoren setzen auch darauf, dass Metro von der Arcandor-Pleite profitiert. Ebenfalls mehr als 20 Prozent legten die Papiere von BMW zu. Der Autobauer überraschte Anleger und Analysten mit wieder besseren Zahlen. Sehr schwach hingegen sieht die Bilanz für die Commerzbank-Aktie aus, die ein Drittel ihres Wertes verlor. Strenge Auflagen der EU -Kommission und steigende Kreditausfälle im Firmenkundengeschäft drückten auf den Kurs. Ebenfalls schwach präsentieren sich zur Jahresmitte auch die Aktien der Post, der Telekom und der Lufthansa, die jeweils etwa 20 Prozent nachgaben.

Sehr erfreulich entwickelte sich mit einem Plus von 17 Prozent der Technologiewerte-Index Tec-Dax. Mit Aixtron, IDS Scheer und Freenet konnten gleich drei Werte mehr als 70 Prozent zulegen. Beim Spezialmaschinenbauer Aixtron setzen die Anleger auf einen erwarteten Boom im LED-Geschäft, ein gutes Startquartal beflügelte den IT -Dienstleister IDS-Scheer und beim Telekommunikationsanbieter Freenet war die neue strategische Ausrichtung Grund für den Kursanstieg. Die größten Tec-Dax-Flops waren die Solarwerte Conergy (-44%), Q-Cells (-42%) und Solon (-38%).

Turbulente Kursbewegungen gab es auch bei einigen Werten aus dem M-Dax der mittelgroßen Unternehmen. Von den 50 Aktien konnten 16 zweistellig zulegen. Die Top-Gewinner waren mit einem Plus von jeweils knapp 70 Prozent Elringklinger und ProSiebenSat1. Beim Automobilzulieferer Elringklinger gab ein zuversichtlicher Ausblick den Anstoß zum Kauf. Eine Achterbahnfahrt machte der Kurs der ProSiebenSat1-Aktie. Millionenverluste und das Streichen der Dividende drückten den Kurs bis Anfang März unter die Ein-Euro-Marke. Besser als erwartete Quartalszahlen führten dann aber zu einem wahren Kaufrausch und katapultierten die Aktie in der Spitze auf 4,80 Euro (ein Drei-Monats-Plus von 480%). Mehr als ein Drittel legten Gagfah, MTU , Südzucker und Rheinmetall zu. Die M-Dax-Verliererliste führt mit einem Minus von 80 Prozent das insolvente Handelsunternehmen Arcandor an. Auf Platz zwei folgt die krisengeschüttelte Hypo Real Estate mit einem Kursverlust von 50 Prozent. Wenig erfreulich war auch die Entwicklung der Tui-Aktie: Der Konzern leidet unter der krisenbedingten Reiseflaute (-38%).

Einige der weltweiten Handelsplätze konnten im ersten Halbjahr deutliche Gewinne präsentieren. Wer auf die sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China gesetzt hat, kann sich über ein Kursplus von knapp 50 Prozent freuen (China 30%). Auch die Börse in Indonesien bescherte den Anlegern eine reiche Ernte (+47%). Ein Kursfeuerwerk erlebte mit einem Plus von 130% der Handelsplatz in Sri Lanka. Während die Börsen in Japan gut fünf Prozent zulegen konnten, setzte sich bei US-Aktien mit einem Minus von sechs Prozent (Dow) die Kursschwäche fort. Im Schnitt gewannen die Börsen im ersten Halbjahr weltweit drei Prozent.

Von Florian Öhnbeck

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