Kursfeuerwerk am Aktienmarkt

Frankfurt/Main - Mit einem Kursfeuerwerk haben die europäischen Aktienmärkte am Montag den beispiellosen Rettungsschirm der EU für angeschlagene Länder der Eurozone gefeiert.

Der Dax eroberte kurz vor Handelsschluss die Marke von 6000 Punkten zurück. Mit seinem Plus von 5,30 Prozent auf 6017,91 Punkten machte der deutsche Leitindex damit einen Großteil seiner kräftigen Verluste der Vorwoche wett und verzeichnete den deutlichsten Anstieg seit 13 Monaten. Am 2. April 2009 hatten starke US-Konjunkturdaten dem US- Leitindex Dow Jones zeitweise über die 8000-Punkte-Marke geholfen und europaweit kräftige Marktreaktionen ausgelöst. Der Dax war damals sogar um etwas mehr als sechs Prozent in die Höhe geschossen.

Der MDax gewann am Montag 6,98 Prozent auf 8169,78 Punkte und der TecDax rückte um 4,50 Prozent auf 780,10 Punkte vor. Da vor allem Finanzwerte die Liste der Gewinner anführten, profitierten europaweit der EuroStoxx 50 und der CAC 40 besonders kräftig. Der Leitindex der Eurozone schloss mit einem Aufschlag von 10,35 Prozent auf 2758,89 Punkte und in Paris kletterte der CAC 40 um 9,66 Prozent.

In London legte zudem der FTSE 100 um 5,16 Prozent zu. Die wichtigsten US-Indizes profitierten ebenfalls kräftig mit jeweils etwas mehr als vier Prozent. In Madrid schoss der IBEX um 14,43 Prozent auf 10 351,90 Punkte hoch - das war der bisher steilste Anstieg des spanischen Börsenbarometers.

Gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds hatte die EU am Wochenende ein Euro-Rettungspaket von 750 Milliarden Euro geschnürt. “Ein eindeutigerer Schritt ist kaum vorstellbar. Es war die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit, die vielen Spekulanten den Wind aus den Segeln genommen und eine blutige Nase beschert hat“, sagte Fondsmanager Thilo Müller von MB Fund Advisory. Doch die Regierungen hätten sich damit nur Zeit erkauft und müssten nun ihre Hausaufgaben machen, um ihre Haushaltslage in den Griff zu bekommen.

Der Analyst Patrick Pflüger vom Marketmaker IG Markets meinte ebenfalls: “Es sollte nicht vergessen werden, dass sich ein solch großer finanzieller Aufwand für die starken Volkswirtschaften der EU als Wachstumsbremse für die komplette Eurozone auswirken dürfte.“

Am stärksten legten Aktien von Banken, Finanzdienstleistern und Versicherungen zu: Gepaart mit der Ankündigung, dass die europäischen Notenbanken nun doch Anleihen hochverschuldeter Staaten ankaufen wollen, katapultierte das Hilfspaket die Aktien der Deutschen Bank um 12,86 Prozent auf 51,690 Euro nach oben. Im MDax waren die Titel der Aareal Bank mit 14,25 Prozent auf 16,120 Euro Favorit. Die Aktien der Commerzbank, der Postbank und der Allianz gehörten ebenfalls zu den am meisten bevorzugten Werten und legten allesamt jeweils um etwas mehr als acht Prozent zu.

Die Anteilsscheine der Versorger RWE und Eon hingegen legten mit jeweils etwas mehr als zwei Prozent Plus nur unterdurchschnittlich zu. Sie litten unter dem Ausgang der Wahl in Nordrhein-Westfalen. Die Abwahl der schwarz-gelben Koalition und der Verlust der Regierungsmehrheit im Bundesrat führte laut Händlern zu Unsicherheiten bezüglich geplanter Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,54 (Freitag: 2,29) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,90 Prozent auf 125,86 Punkt. Der Bund Future fiel um 1,14 Prozent auf 125,52 Punkte. Der Kurs des Euro konnte nur zeitweise kräftig vom Rettungspaket profitieren. Nachdem er bis auf 1,3093 US-Dollar gestiegen war, fiel er zuletzt auf 1,2840 Dollar zurück. Die EZB hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,2969 (1,2746) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7711 (0,7846) Euro.

dpa

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