Kursfeuerwerk: Börsianer hellauf begeistert über Pharma-Fusion

- Darmstadt - Strahlender Sonnenschein über Darmstadt und strahlende Gesichter bei der Führungsmannschaft des Chemie- und Pharmakonzerns Merck. "Heute ist ein historischer Tag für Merck" betonte Jon Baumhauer, der Sprecher der Merck-Familie. Ziel der geplanten Übernahme des Berliner Konkurrenten Schering für insgesamt 14,6 Milliarden Euro sei die Schaffung eines global agierenden Unternehmens mit Sitz in Deutschland.

"Es ist die richtige Transaktion zum richtigen Zeitpunkt", sagte der Vorsitzende der Merck-Geschäftsführung, Michael Römer. Die Führung des Darmstädter Traditionsunternehmens machte klar, dass sie gewillt ist, Schering auch gegen Widerstände zu schlucken. Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen hatte die Offerte kategorisch zurückgewiesen: "Das Angebot ist nicht im Interesse unserer Aktinäre und reflektiert nicht den wahren Wert von Schering." Auch der Aufsichtsrat will die Offerte ablehnen, berichtet die "Welt". Damit wäre der Übernahmeplan offiziell ein feindlicher.

"Wir wollen 100 Prozent", betonte indes Finanzchef Michael Becker. Die Schering-Aktie werde vom Markt verschwinden. Gestern explodierte der Kurs regelrecht, nachdem Merck am Vortag bekannt gegeben hatte, für Schering 77 Euro je Aktie in bar zu bieten. Die Schering-Aktie legte um sagenhafte 26 Prozent auf über 84 Euro zu. Die oberste deutsche Finanzaufsicht Bafin will nun die auffälligen Kursbewegungen der vergangenen Tage routinemäßig prüfen. Die Aktien von Schering hatten schon in der vergangenen Woche um neun Prozent zugelegt. Dies könne, muss aber nicht, auf verbotene Insidergeschäfte hinweisen, hieß es von der Bafin.

Ein Zusammenschluss von Merck und Schering hat vor allem aus Sicht des Darmstädter Konzerns einen großen Reiz. Denn Schering ist anders als Merck in den beiden wichtigsten Pharmamärkten, USA und Japan, stark präsent. Merck hat in den USA seit der Enteignung ihrer US-Tochter keine starke Stellung mehr erringen können. Weltweit können beide Unternehmen ein Heer von insgesamt 9000 Vertriebsmitarbeitern aufbieten. Auch die Produktpalette ergänzt sich hervorragend.

"Mit der größeren Merck werden wir in der Lage sein, auf dem Weltmarkt im Wettbewerb mit anderen Firmen bestehen zu können", erklärte Merck-Pharmachef Elmar Schnee. Als Paradedisziplin gilt dabei die Onkologie. Schnee verweist darauf, dass allein der Umsatz mit Krebsmedikamenten bei Merck zwischen 2003 und 2005 um 19,5 Prozent auf 650 Millionen Euro zugenommen hat.

Mit der Übernahme von Schering könnte Merck in den Dax aufsteigen. Vom Olymp der internationalen Pharmabranche ist das neue Unternehmen aber noch weit entfernt. Beim Umsatz kommen beide auf insgesamt 11,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Wer weltgrößte Pharmakonzern Pfizer macht 51,3 Mrd. Dollar Umsatz.

Trotz der ablehnenden Reaktion des Schering-Vorstands gab sich die Merck-Führung zuversichtlich, den Milliardendeal zu stemmen. Die beteiligten Banken sind offenbar gewillt, Merck die erforderlichen Summen zu leihen. Nach Einschätzung von Alexander Groschke, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, müsste Merck rund 11 Milliarden Euro aufnehmen. Den Rest der benötigten 14,6 Milliarden Euro könnte eine Kapitalerhöhung von bis zu vier Milliarden Euro bereitstellen. Auch nach dieser Kapitalerhöhung würde die Merck-Familie eine Anteilsmehrheit von rund 60 Prozent an dem Traditionsunternehmen halten.

Auch wenn die geplante Fusion mangels Überschneidungen nur geringe Gefahren für die Arbeitsplätze birgt, ist Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit dennoch "besorgt". Sollte die Übernahme gelingen, verlöre die Hauptstadt ihre einziges im Leitindex Dax notiertes Unternehmen.

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