Kurshoch: Firmen stark genug für die Euro-Last

München - Seit seiner Einführung 1999 war der Euro noch nie so stark wie heute. Dadurch verteuern sich Exporte in Länder außerhalb des Euro-Raumes. Doch die heimische Wirtschaft steckt diese Belastung weg.

Auch gestern hat sich die europäische Gemeinschaftswährung über der Rekordmarke von 1,37 Dollar gehalten. Experten gehen davon aus, dass der Euro seinen Höhenflug zunächst fortsetzen wird - steigende Zinsen und eine schwächelnde US-Wirtschaft sprechen für den Euro. Klagen von Unternehmern und Politikern über die Lasten der starken Währung sind jedoch rar. Europa hat offensichtlich gelernt, mit einem harten Euro zu leben.

Der steigende Kurs belastet zwar die Erträge der heimischen Konzerne, doch die negativen Folgen sind viel geringer als früher. Die boomende Wirtschaft in Deutschland und Europa steckt den Währungshöhenflug weg. Der Bundesverband der Deutschen Industrie sieht daher "keinen Grund zur Sorge".

Aus Sicht der Ökonomen kommt das Euro-Hoch zu einem idealen Zeitpunkt. "Noch nie konnte die europäische Wirtschaft eine Euro-Aufwertung so leicht verkraften wie jetzt", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Denn Europa ist einfach nicht zu bremsen und könnte in diesem Jahr beim Wirtschaftswachstum die Nase vor den USA haben. Die EU-Kommission sagt für die Euro-Zone ein Wachstum von 2,6 Prozent voraus, während die USA über 2,5 Prozent wohl nicht hinauskommen. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Greenback reflektiert die verbesserte politische und ökonomische Stellung Europas in der Welt. Als Reservewährung der Zentralbanken ist der Euro gefragt und gewinnt hinter dem Dollar an Bedeutung.

In einer neuen Studie kommt die EU-Kommission zu dem Schluss, dass der starke Euro in Europa wenig Schaden anrichtet. Die Aufwertung seit dem Jahr 2000, als der Euro von seinem Tief von 0,82 Dollar nach oben kletterte, "hat nur einen geringen Tribut von der Exportwirtschaft gefordert", bilanziert die Kommission in dem Papier und gibt Entwarnung.

In Europa weckt der starke Euro dennoch gemischte Gefühle. Der Euro-Rekord gibt Befürwortern einer Intervention durch die Europäische Zentralbank (EZB) neue Munition. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat die Notenbank mehrfach aufgefordert, gegen den hohen Wechselkurs einzuschreiten, da dieser angeblich die Exportchancen der Eurozone belastet. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und die Euro-Finanzminister lehnten Sarkozys Forderung als "Angriff auf die Unabhängigkeit der EZB" ab. Experten halten eine Aktion für ökonomisch unsinnig. "Die EZB könnte mit Zinssenkungen oder Devisenkäufen den Euro runterprügeln, aber zum Preis hoher Inflation und steigender Arbeitslosigkeit", sagt der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer.

Der Euro verteuert Exporte in den Dollarraum. "Das wird Spuren in der Konjunktur hinterlassen", sagt Mayer, sichtbar würde dies erst 2008. Als Faustregel gilt, dass eine zehnprozentige Euro-Aufwertung innerhalb eines Jahres das Wirtschaftswachstum um 0,6 Prozent-Punkte bremst. Allerdings findet ein großer Teil des Außenhandels in Europa statt - und der Löwenanteil davon wiederum innerhalb der Eurozone. Der gemeinsame Währungsraum schützt vor den früher innerhalb Europas üblichen Währungsschwankungen.

Doch nicht jeder kann darauf bauen. Der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS betrachtet einen weiteren Verfall des US-Dollar etwa als Gefahr für die Flugzeugproduktion in Europa. Jeder Anstieg des Euro zum Dollar um 10 Cent belaste das operative Ergebnis des Unternehmens mit einer Milliarde Euro, sagte EADS-Co-Chef Louis Gallois dem Wirtschaftsmagazin "Challenges". Sollte die US-Währung über einen längeren Zeitraum weiter an Wert verlieren, "müssten wir uns fragen, ob wir die Herstellung von Flugzeugen in Europa fortsetzen können".

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