Kurvenlicht und Klappdach: Wie alte Ideen neu entdeckt werden

- München - Innovation ist eines der beliebtesten Worte, wenn es um die Beschreibung von Vorzügen neuer Automodelle geht. Der Begriff wurde wohl noch nie so häufig verwendet wie in den vergangenen Jahren, seit die Ingenieure die Fahrzeuge mit immer neuen Eigenschaften versehen. Doch nicht alles, was so angepriesen wird, ist wirklich neu. Hinter mancher vermeintlich neuen Idee steckt ein jahrzehntealter Geniestreich, der fast vergessen worden wäre und mit aktuellen technischen Mitteln fit für die Zukunft gemacht wurde.

<P>Auf dem Weg zum großen Durchbruch ist derzeit das Prinzip des Kurvenlichts: Die Scheinwerfer strahlen dabei in der Kurve nicht stur geradeaus, sondern leuchten in die vom Fahrer am Lenkrad gewählte Richtung. Tatsächlich ist das Grundprinzip dahinter alles andere als neu. Vor mehr als 30 Jahren konnten bereits Fahrer eines Citroë¨n DS darauf vertrauen, dass der Wagen ihnen den richtigen Weg leuchtet. Allerdings war die Sache noch nicht so ausgeklügelt wie heute - außerdem hatten die Konstrukteure mit den Gesetzen zu kämpfen. "Das Kurvenlicht gab es damals ausschließlich als Fernlicht", erklärt Citroë¨n-Sprecher Thomas Albrecht. "Erst kürzlich wurde die Gesetzgebung so gelockert, dass es beim Abblendlicht erlaubt ist."</P><P>Direkteinspritzung funktionierte mechanisch</P><P>In den Siebzigerjahren machte das Citroën-Prinzip noch Sinn. Damals war die Verkehrsdichte geringer, man konnte viel mit Fernlicht fahren, so Albrecht. Später kamen immer mehr Fahrzeuge auf die Straße, sodass das Fern-Kurvenlicht nur wenig genutzt werden konnte - und in späteren Modellen verschwand. Aktuelles Kurvenlicht arbeitet laut dem Scheinwerferhersteller Hella sowohl mit Abblend- als auch mit Fernlicht.</P><P>"Innovation bedeutet nicht, immer etwas gänzlich Neues zu entdecken", sagt Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer vom Prognoseinstitut B&D Forecast. "Der Rückblick ist ein Teil der Innovation." Laut Dudenhöffer haben viele Entwickler bekannte ältere Techniken im Hinterkopf, die sie weiter entwickeln, wenn die nötigen Technologien vorhanden sind. Als Mercedes mit dem SLK den Klappdach-Trend begründete, konnte man gleich auf mehrere Vorbilder schauen. Eine erste Umsetzung eines Cabrios mit festem Dach stammt von Peugeot aus den Dreißigerjahren. Wesentlich aktuelleres Anschauungsmaterial lieferte jedoch ein gewisser Walter Treser. Der plante 1987 in Berlin die Produktion seines Treser-Roadster mit entsprechendem Dachprinzip - was allerdings an finanziellen Problemen scheiterte.</P><P>Ein weiteres Beispiel für Zukunftstechnologie von gestern ist die Benzin-Direkteinspritzung. Denn was heute als Weg in Richtung von viel Leistung bei gleichzeitig geringem Verbrauch gilt, hat bereits Jahrzehnte auf dem Buckel. Schon der legendäre Flügeltüren-Sportwagen 300 SL von Mercedes hatte Mitte der Fünfzigerjahre ein Aggregat mit Direkteinspritzung unter der Haube. Die Einspritzung funktionierte damals noch rein mechanisch, so Richard Backhaus von Bosch. Erst jetzt mit Hilfe der Elektronik kann die Einspritzung ihre kompletten Fähigkeiten entwickeln.</P><P>Steht Allradlenkung vor dem Comeback?</P><P>Manchmal allerdings gibt es auch echte Innovationen. So führte Honda 1987 den ersten Personenwagen mit Allradlenkung ein. Der größte Vorteil war der extrem kleine Wendekreis, so Alexander Heintzel von Honda. Auch beim Spurwechsel wurde Schlingern oder Aufschaukeln verhindert. Nur konnten sich die Kunden nicht mit dem ungewohnten - wenn auch vorteilhaften - Verhalten des Wagens anfreunden. So verschwand die Allradlenkung Ende der Neunzigerjahre aus dem Programm. Möglicherweise steht diese Technik aber bereits vor einem Comeback: Der amerikanische Zulieferer Delphi hat im Herbst 2003 eine neue Hinterradlenkung vorgestellt.</P>

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