Kurzfristige Absage vor Ausbildung: Lehrstellen werden zu Leerstellen

- München - Viele junge Menschen haben keine Lehrstelle bekommen. Andere dagegen unterschreiben einen Lehrvertrag, sagen dann aber kurzfristig ab, weil sie etwas für sie besseres gefunden haben. Es kommt auch vor, dass sich der Lehrling in spe gar nicht mehr meldet. Konsequenzen hat dieses unfaire Verhalten Lehrherrn wie Mitbewerbern gegenüber für die Jugendlichen kaum.

<P>Der Sattlerwarenfabrik Kieffer in München sind fast die Hälfte der Kandidaten abgesprungen. Die 1848 vom Sattlermeister Johann M. Mayer in der Münchner Innenstadt eröffnete Sattlerwerkstätte befindet sich heute in Daglfing, wo für sie 85 Menschen arbeiten. <BR><BR>"Unser Unternehmen bildet seit Jahren fünf technische und drei bis vier kaufmännische Auszubildende aus", sagt Geschäftsführer Hjalmar Conzet. Nun haben in diesem Jahr vier junge Leute abgesagt, zwei für die technische und zwei für die kaufmännische Lehre. Die Lehrverträge waren schon gegengezeichnet und von der Kammer registriert worden. Die Jugendlichen, die ihre Lehrstelle trotz Unterschrift nicht antreten, haben kaum etwas zu befüchten. Zwar begehen sie rein rechtlich Vertragsbruch, doch der Arbeitgeber habe kaum eine Möglichkeit, dagegen vorzugehen, erklärte der Arbeitsrechtsexperte Thomas Müller-Bonanni. Es sei sehr schwierig, solche Ansprüche einzuklagen.<BR><BR>Es komme häufig vor, dass sich Jugendliche bei vielen Firmen bewerben und mehrere Verträge unterschreiben. Später werde dann die Lehrstelle ausgewählt, die am attraktivsten erscheint. "Das ist zwar aus Sicht der Arbeitgeber ärgerlich, aus Sicht der Bewerber aber nachvollziehbar", sagte Müller-Bonanni. Mit Lehrbeginn gilt eine Probezeit von ein bis drei Monaten. In dieser Zeit können beide Seiten den Vertrag frei kündigen. <BR><BR>Bei Kieffer legt man Wert auf Qualität. Um geeignete Lehrlinge zu finden, veranstaltet der überschaubare Betrieb jedes Jahr einen Einstellungstest, in dem neben Rechenaufgaben auch Fragen zu Allgemeinwissen und Politik gestellt werden. "An der diesjährigen Aufnahmeprüfung nahmen 20 Personen teil", sagte Conzet. Für einen kleinen Mittelständler ein beachtenswerter Aufwand: "Das können wir nicht wiederholen." Also werden die vier Lehrstellen am 1. September nicht besetzt. Enttäuscht sei man vom Arbeitsamt. Auf einen Anruf hin, seien 30 Zuschriften von "ausgesuchten" Bewerbern gekommen - überwiegend mit schlechten Noten und teils mit bereits abgebrochenen Lehren.<BR><BR>Kieffer stellt Zubehör für den Reitsport her und vertreibt ihn. "Die Lehrstelle ist gerade bei jungen Mädchen, die Pferde mögen, sehr gefragt", sagte Conzet. In der Regel werden die Lehrlinge auch übernommen. Die Praxis, Zusagen zu horten, um in letzter Minute den besten Vertrag auszuwählen, scheine Schule zu machen. "Besonders bedauerlich ist dies, da anderen Ausbildungswilligen damit die Chance auf einen sicheren Ausbildungsplatz genommen wird", ärgert sich Conzet.</P>

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