Ladenöffnung: Einkaufen bald auch an den Adventssonntagen?

- München - Politiker von FDP und Grünen haben sich für eine Aussetzung des Ladenschlussgesetzes an den kommenden vier Adventssonntagen ausgesprochen. Damit wollten sie die Konjunkturerholung in Deutschland unterstützen: Der grün-gelbe Vorschlag erntete Unterstützung aber auch entschiedenen Widerspruch.

<P>Die Städte und Gemeinden können bereits bisher vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr bestimmen, einschließlich der Adventssonntage. Nach der bisherigen Regelung wäre das Kontingent mit vier offenen Sonntagen vor Weihnachten aber verbraucht. An den meisten Orten wurden aber übers Jahr verteilt so genannte Marktsonntage eingerichtet.<BR><BR>Der stellvertretende FDP-Vorsitzende und Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle sagte: "Jede Maßnahme, die das Weihnachtsgeschäft belebt, ist gerade dieses Jahr mehr als notwendig." Der Wirtschaftsexperte der Grünen im Bundestag, Hubert Ulrich, erwartet durch die verkaufsoffenen Adventssonntage ebenfalls einen positiven "Impuls für den Einzelhandel".<BR><BR>Beim Handel stieß die Anregung auf Zustimmung - zumindest von offizieller Seite. Der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels Hubertus Pellengahr, sagte: "Wir würden das begrüßen im Rahmen der zulässigen Ausnahmen für Sonntagsverkäufe."</P><P> Der HDE befürworte aber keinesfalls eine generelle Sonntagsöffnung, sagte Pellengahr. Obwohl der Verbandssprecher damit keine zusätzlichen offenen Sonntage fordert, hat er sich auf vermintes Gelände begeben: Die Händler sind gespalten: Große Kaufhausketten haben sich bereits in der Vergangenheit für längere Öffnungszeiten ausgesprochen. </P><P>Verband betritt vermintes Terrain</P><P>Doch viele, überwiegend kleinere Betriebe, sehen sich bereits durch die jüngsten Liberalisierungen bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten belastet.<BR><BR>Pellengahr jedenfalls bekommt Ärger mit der eigenen Klientel. Bereits am Wochenende faxte ein Münchner Juwelier ein wütendes Schreiben an den bayerischen Einzelhandelsverband, das dem Verband die Legitimation zu derartigen Äußerungen absprach. Es handle sich "erneut um einen Verdrängungswettbewerb der Großbetriebe gegen den tatsächlichen Einzelhandel".<BR><BR>Doch auch die politischen Urheber der neuen Diskussion sind sich keineswegs einig. Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, widersprach ihrem Parteifreund Ulrich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Vorschlag sei "kinder- und familienfeindlich und wirtschaftspolitischer Unsinn". Die Belebung der Konjunktur hänge nicht von vier verkaufsoffenen Sonntagen ab.<BR><BR>Traditionell zu den Verfechtern des arbeitsfreien Sonntags gehören die Kirchen. Der Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland, Hans-Christof Vetter, sagte der Zeitung, die Adventszeit diene nicht dem Konsumrausch. "Es muss Zeit bleiben, sich in der Familie auf das Weihnachtsfest vorzubereiten."<BR></P>

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