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Fröhlicher Smiley – für eine saubere Küche. In Dänemark gibt es dieses Konzept bereits.

Ein Lächeln für die Hygiene

Berlin/München - Ein neues Bewertungssystem in der Gastronomie soll für mehr Transparenz in Sachen Sauberkeit sorgen. Der Hotel- und Gaststättenverband befürchtet Nachteile - ausgerechnet für die einwandfreien Betriebe.

Dieses gelbe Lächel-Gesicht - weist es dem Gast schon bald den Weg zu hygienisch einwandfreien Schweinshaxen, Pizzen und Eisbechern? Die Einführung eines „Smileys“ für die Gastronomie ist eine Idee mehrerer Bundesländer. Die Nord-Staaten Hamburg und Niedersachsen haben sich das Modell aus Dänemark abgeschaut, um hygienische Zustände in Restaurants öffentlich zu bewerten. Sie fordern von Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner (CSU), so etwas bundeseinheitlich zu regeln. In der Diskussion ist folgende Variante: Ein positiv bewerteter Betrieb bekommt den „Smiley“, ein beanstandeter nicht.

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband warnt ausdrücklich vor der Regelung. „Das ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt Sprecher Frank-Ulrich John. In Deutschland gebe es nicht annähernd so viele Kontrolleure wie in Dänemark. Mitunter vergehen Jahre, bis ein Lokal kontrolliert wird. Die Folge: „Sie bestrafen den guten Betrieb, der nur deshalb keinen Smiley an der Tür hängen hat, weil er schon länger nicht mehr überprüft worden ist.“

Ministerin Aigner ist nicht abgeneigt gegenüber „Smiley“ oder anderen Symbolen - ob es dazu kommt, ist aber fraglich. Umsetzen müssten die Vorgaben nämlich die Länder - sie müssten auch die Kontrolleure stellen. Der Bund will nicht mitzahlen: „Ich bin offen für jede Kennzeichnung. Aber ich habe kein Geld“, sagte Aigner kurz vor dem zweitägigen Treffen mit ihren Kollegen aus den Ländern in Potsdam. Die Landesminister „müssen sich untereinander unterhalten, wie sie das organisieren und was sie stemmen können“.

Tatsächlich lauern in einer Offenlegung der Kontrollen Fallstricke. Wenn kontrolliert wird, dann muss das regelmäßig sein. „Alle fünf Jahre ist zu wenig“, sagt Aigner. Wer von den Beamten erwischt und öffentlich gebrandmarkt wird, dürfte auf eine schnelle Wiedergutmachungs-Chance dringen, um einen Schmach-Smiley - auch negative Symbole sind im Gespräch - wieder loszuwerden. Notfalls müsse ein gerügter Betreiber die nächste Kontrolle dann selber zahlen, regt die CSU-Politikerin an.

Schon bisher werden Gaststätten (und andere Lebensmittelbetriebe) regelmäßig kontrolliert - in Bayern sind pro 1000 Einwohner jährlich fünf Inspektionen vorgeschrieben, es gibt rund 470 staatliche und kommunale Lebensmittelüberwachungsbeamte. Die Kontrollen werden nach einem Mehr-Ebenen-System angeordnet. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erstellt grobe Pläne, die den Prüfern in den Landratsämtern vorgeben, welche Betriebe sie besuchen sollen. Ein Kriterium ist zum Beispiel die Ware, mit der gearbeitet wird. „Wer Hackfleisch im Sortiment hat, wird sicher öfter überprüft als einer, der nur verpackte Lebensmittel verkauft“, erklärt Claudia Schuller vom LGL. Auch der Lebensmittelüberwacher vor Ort kann entscheiden, welchen Wirten er auf die Finger schaut. Dazu kommen Tests nach Beschwerden von Gästen.

Selten ziehen die Prüfer die Notbremse und machen Lokale dicht. Ende August erwischte es das „Lamm’s“ am Sendlinger Tor in München - die hygienischen Mängel waren zu gravierend. Aber nur bei Schließungen erfährt die Öffentlichkeit von den Ergebnissen. Ausnahme: Regional, etwa in Berlin-Pankow, landen die Berichte über Schaben, Schmutz und Schimmel im Internet.

Doch die öffentliche Diffamierung - sei es über das Internet oder über grimmig dreinschauende Smiley-Piktogramme - sieht der Hotel- und Gaststättenverband kritisch: „Oft wechselt dann der Pächter - und der muss unter Umständen monatelang warten, bis der Prüfer wieder vorbeikommt und ein neues Urteil abgibt.“ Diese Verzögerung bedeute oft das Aus für die neuen Betreiber.

Von Carina Lechner und Christian Deutschländer

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