Lächelnd und mit Leibwächtern tritt Ackermann vors Landgericht

- Düsseldorf - Drei breitschultrige Leibwächter machen Deutschlands mächtigstem Banker den Weg frei. Mit siegessicherem Lächeln auf den Lippen marschiert Josef Ackermann schnurstracks durch das Heer von Reportern in den Fluren des Düsseldorfer Landgerichts. Den alten Weggefährten Klaus Esser begrüßt der Chef der Deutschen Bank mit zum Siegeszeichen gespreizten Fingern.

<P>"Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen", sagt der Schweizer knapp am Tag eins des spektakulären Mannesmann-Prozesses.</P><P>Der schmallippige Esser beweist schon vor Prozessbeginn Finesse. Der Ex-Mannesmann-Chef hatte sich bereits zwei Tage zuvor die Zugänge zeigen lassen und wählte den Journalisteneingang, um den vor dem Saal wartenden Reportern zu entgehen - mit Erfolg. Nur ein Wachmann stoppt ihn kurz, um sich die Papiere zeigen zu lassen. Ein anderer hat unterdessen kurzzeitig die Orientierung verloren. Der einst mächtigste Gewerkschaftsboss Europas, Klaus Zwickel, sucht in den verwinkelten Gängen den Weg zur Anklagebank. "Mir geht es gut", versichert der frühere IG-Metall-Chef und verschwindet im Gerichtssaal.</P><P>Danach wird es ernst. Staatsanwalt Johannes Puls verliest die Anklage, wirft Esser und dem damaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk vor, bereits früh den Entschluss gefasst zu haben, sich unrechtmäßig zu bereichern. Vier Jahre nach der Übernahme des traditionsreichen Konzerns Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone werden</P><P>"Mir geht es gut", sagt Klaus Zwickel und verschwindet</P><P>die Millionen-Prämien an deutsche Spitzenmanager jetzt vor einem Gericht verhandelt. Die Frage lautet: Waren der goldene Handschlag für Esser und den damaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk sowie die Bonuszahlungen an die Ruheständler von Mannesmann legal? Immerhin hat Esser insgesamt 62 Millionen Mark erhalten, Funk neun Millionen. Deswegen müssen sie sich nun gemeinsam vor Gericht verantworten.</P><P>Die Mischung aus Managern und Gewerkschaftern auf der Anklagebank spiegelt auch ein Stück Deutschland AG mit ihren engen Verflechtungen in der Wirtschaft wider. Mit der Übernahme von Mannesmann durch ein ausländisches Unternehmen wurde die einst sicher geglaubte Festung Deutschland geknackt. Ein Betrag von 111 Millionen DM sei zu Unrecht geflossen, argumentiert die Staatsanwaltschaft: 48 Millionen an Vorstände und 63,5 Millionen DM an ehemalige Vorstände des Konzerns.</P><P>Puls berichtet von Petitessen wie der eines Managers, der sich mit dem Argument, seine Frau sei doch 20 Jahre jünger als er, zu dem Pensionsanspruch in Millionenhöhe noch einen Nachschlag von 750 000 Mark habe zusichern lassen.</P><P>Einmal unterbricht die Richterin den Vortrag: "Geht es ihnen nicht gut, Herr Zwickel?", fragt sie besorgt. Der Ex-Gewerkschaftsboss, der sich bei der Abstimmung im Aufsichtsrat über den Geldregen der Stimme enthalten hatte, winkt ab. Der Prozess geht weiter.<BR>Der Ex-Aufsichtsratschef Funk beteuert seine Unschuld. 42 Jahre habe er für Mannesmann gearbeitet und dabei keine Straftat gesehen - geschweige denn selbst eine begangen. Der heutige Tag sei eine Zäsur in seinem Leben. Für den nächsten Verhandlungstag hat Ackermann eine 20-minütige Erklärung angekündigt. Esser gibt sich auskunftsfreudiger - für seine erste Stellungnahme benötige er etwa fünf Stunden.</P><P>Vor der Tür stehen ein Dutzend Kameras, Moderatoren berichten live vom Geschehen. Auf den Monitoren flimmern zu den Bildern die aktuellen Aktienkurse von der Börse. Im Laufband dabei die Deutsche Bank mit einem Minus. Konzernchef Ackermann wird viel Zeit im Landgericht verbringen müssen. Wie viel? Die große Wanduhr über dem Saaleingang hilft ihm in dieser Frage nicht weiter. Auf dem Zifferblatt fehlen die Zeiger.</P>

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