Max lässt Münchens Börse brummen

- Im Börsensaal handeln die Handwerker. Reißen die Einrichtung raus, sägen, klopfen, hämmern. Am Münchner Lenbachplatz wird längst nicht mehr auf Zuruf gehandelt, das Parkett ist leer, grau und aus Plastik. Max-One heißt das neue Handelssystem. Die digitalen Deals mit dem revolutionären System bescherten der Börse München schon im ersten Monat eine Verdoppelung der Aktien-Umsätze. Das neue Marktmodell verhindert Teilausführungen, soll effizienter und Privatanleger-freundlicher sein als das Frankfurter Xetra. Heute ist sein 100. Tag - eine Bilanz mit Börsenchefin Christine Bortenlänger.

<P>"Max soll Xetra ärgern", titelte unsere Zeitung vor 100 Tagen. Ärgern Sie die Frankfurter schon?<BR>Bortenlänger: Wir hätten selbst nicht erwartet, dass wir innerhalb eines Monats mit Max-One unsere Umsätze verdoppeln, während der Markt kaum wächst. Sogar jetzt im August haben wir keinen Einbruch. Frankfurt hatte trotz der Xetra-Schwächen mal quasi das Monopol. Jetzt holen wir auf, auch der Abstand zur zweitgrößten deutschen Börse Stuttgart schrumpft.</P><P>Kommen die Privatanleger, die nach 2001 die Börsen fluchtartig verlassen hatten, in Scharen zurück?<BR>Bortenlänger: In Scharen nicht, aber sie kommen. Da sehen wir noch Potenzial.</P><P>Die Umsätze in München sanken bis zum Max-One-Start. War das Ihre letzte Chance?<BR>Bortenlänger: Es war zumindest eine wesentliche Chance. Wir haben sie genutzt.</P><P>Durchatmen im Überlebenskampf der Regionalbörsen?<BR>Bortenlänger: Es muss verschiedene Börsen geben für verschiedene Anleger. Die Zukunft wird nicht so aussehen, dass europa- oder weltweit nur noch an einer großen Computerbörse gehandelt wird. Die Marktteilnehmer wollen Wettbewerb.</P><P>Zwei Monate vor Ihnen startete die Nasdaq in Berlin. Wer hat das bessere Modell?<BR>Bortenlänger: Wir, weil wir ein faires, neutrales System ohne Bevorzugung bestimmter Banken haben. Die Internalisierungsmodelle sind tot, die braucht kein Mensch. Das hat der Markt bewiesen.</P><P>Monat für Monat Wachstum: Wo wollen Sie mit Max-One hin?<BR>Bortenlänger: Wir wollen jeden Monat zulegen und in ein paar Jahren zehn Prozent Marktanteil haben. Das wird harte Arbeit.</P><P>Wann zahlt sich die Millioneninvestition Max aus?<BR>Bortenlänger: Finanziell hat sich die Investition noch nicht rentiert. Aber es war massiv die richtige Entscheidung.</P><P>Das Gespräch führte Christian Deutschländer</P>

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