So lässt sich altes Geld versilbern

13,7 Milliarden D-Mark sind knapp acht Jahre nach der Einführung des Euro als Zahlungsmittel noch im Umlauf. Wir erklären, wo Sie die alte Währung heute noch loswerden und woran Sie erkennen, ob sich in Ihrem Sparstrumpf wertvolle Schätze verbergen.

Unter der Matratze, auf Omas Dachboden oder im längst vergessenen Sparschwein – statistisch gesehen besitzt jeder Deutsche noch etwa 170 D-Mark. Es kann sich lohnen, die alten Scheine und Münzen genau anzuschauen, denn einige Exemplare sind Sammlern weit mehr wert als der Umtausch in Euro einbringt.

Falsche Fuchzgerl

Richtig viel Geld lässt sich mit einem 50-Pfennig-Stück aus dem Jahr 1950 machen, falls es als Prägung den Schriftzug „Bank deutscher Länder“ und den Buchstaben G aufweist. Eigentlich hätte auf dem Fuchzgerl – wie auf allen ab dem Jahr 1950 hergestellten westdeutschen Münzen – Bundesrepublik Deutschland stehen müssen. „Aber in Karlsruhe wurden 30 000 Münzen falsch geprägt“, berichtet Wolfgang Erzinger, Chefredakteur des „Deutschen Münzen Magazins“. Sammler zahlen dafür seiner Einschätzung nach bis zu 1800 Euro, wenn das Fuchzgerl Stempelglanz-Qualität aufweist, also makellos erhalten ist. Für erkennbar gebrauchte Münzen gebe es immerhin noch 600 Euro. Für alle anderen 50-Pfennig-Stücke mit der Prägung „Bank deutscher Länder“ in Stempelglanz-Qualität lassen sich laut Erzinger 80 bis 100 Euro erzielen. Weisen sie Gebrauchsspuren auf, sinkt der Wert bis auf zwei Euro.

Fünfer für 4500 Euro

Noch teurer als die falschen Fuchzgerl wird ein Fünfmarkstück aus dem Jahr 1958 gehandelt. Mit dem Prägebuchstaben J ist es in Stempelglanz-Qualität nach Erzingers Erfahrung rund 4500 Euro wert. Der Grund: „Die Auflage ist sehr gering. Mit dem Buchstaben J wurden nur 60 000 Stück geprägt, mit anderen Buchstaben bis zu 1,6 Millionen“, erklärt der Münzen-Fachmann. Komplett ist die Liste damit nicht. „Es gibt etliche Münzen, die ein Vielfaches ihres Ausgabepreises wert sind“, sagt Erzinger.

Teure Andenken

Neben Raritäten, die als sogenannte Kursmünzen – also als ganz normales Zahlungsmittel – in Umlauf waren, sind einige Gedenkmünzen unter Sammlern sehr beliebt. Besonders wertvoll sind laut Erzinger die fünf ersten Fünfmark-Gedenkmünzen. Das Stück mit dem Motiv „Germanisches Museum“ von 1952 werde für bis zu 1200 Euro gehandelt, die Münze „Friedrich von Schiller“ von 1955 sei 800 Euro wert. Etwa 750 gibt es für „Markgraf von Baden“ (1955) und „Joseph Freiherr von Eichendorff“ (1957). „Johann Gottlieb Fichte“ von 1964 bringt immerhin noch 160 Euro. Auch wer 2001 die zum Abschied von der D-Mark geprägte Goldmark gekauft hat, kann ein gutes Geschäft machen. Der Ausgabepreis lag damals bei 250 Mark, heute ist die Münze trotz der relativ hohen Auflage von einer Million Stück etwa 300 Euro wert.

Fehler schaffen Wert

Bei den Scheinen sind es laut Hans-Ludwig Grabowski, Redakteur beim auf Sammlerkataloge spezialisierten Gietl-Verlag, vor allem Fehldrucke und Ersatznoten, die richtig Geld bringen können. Fehldrucke sind oft leicht zu erkennen, weil der Druck sichtbar verrutscht ist oder die Rückseite nur teilweise bedruckt wurde. Dennoch ist Vorsicht geboten. So warnt Grabowski vor Fälschungen: „Es war lange Zeit sehr beliebt, Hunderter in die Mikrowelle zu schieben. Dann war das Hologramm nicht mehr silbern, sondern golden – und Sammler zahlten 1000 Euro.“

Eindeutig zu identifizieren sind dagegen die sogenannten Ersatznoten, die nachgedruckt wurden, um aussortierte Fehldrucke zu ersetzen. „Fängt die Seriennummer eines Scheins mit Y oder Z an, handelt es sich um eine Ersatznote“, erklärt Grabowski.

Aber auch ganz normale D-Mark-Scheine können deutlich mehr einbringen als beim Umtausch in Euro – wenn sie vollkommen ungebraucht aussehen. Als Faustregel gilt laut dem Schein-Experten: „Alle druckfrischen D-Mark-Noten sind inzwischen mehr als das Doppelte wert.“ Für einen druckfrischen 100-Mark-Schein gibt’s also mehr als 100 Euro.

Deutlich mehr bringen einige Scheine aus der Zeit der Währungsreform 1948/49. Die Spitzenposition nimmt hier der „Rote Hunderter“ ein, für den nach Grabowskis Erfahrung etwa 3000 Euro bezahlt werden.

Um einen reellen Preis für alte Scheine und Münzen zu erhalten, rät Grabowski zum Gang ins Auktionshaus. In einer Auktion bestimme das Interesse der Bieter, was das alte Geld wert ist, wodurch gleichsam ein Marktpreis gebildet werde.

Unbegrenzter Tausch

Wer seine D-Mark-Scheine und Münzen einfach in Euro umtauschen möchte, kann dies in jeder Filiale der Deutschen Bundesbank gebührenfrei tun. Die für Oberbayern zuständige Filiale in der Münchner Leopoldstraße 234 hat montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Der Umtausch kann auch per Post abgewickelt werden. Dafür muss das Geld an die Deutsche Bundesbank, Filiale Mainz, Hegelstraße 65, 55122 Mainz, geschickt werden. Beigelegt werden muss ein Formular, das sich unter http://www.bundesbank.de/download/bargeld/umtausch_dm_formular.pdf im Internet findet.

Eine zeitliche Frist für den Umtausch gibt es nicht – und es steht zu erwarten, dass die Bundesbank damit noch eine ganze Weile zu tun hat. Derzeit sind noch 13,7 Milliarden D-Mark im Umlauf, 6,7 Milliarden in Banknoten und sieben Milliarden in Münzen.

Einzelhandel & Wiesn

In einigen Geschäften kann noch immer mit D-Mark bezahlt werden. Möglich ist dies beispielsweise in allen deutschen Filialen von C & A. Außerdem bietet die Firma Securicoin auf dem Oktoberfest einen Umtausch-Service. Ihr Stand liegt am Haupteingang hinter dem Wiesn-Postamt.

Andreas Zimniok

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