Es läuft nicht mehr bei VW: Autoverkauf bringt keinen Gewinn

- Wolfsburg - Mitten im festgefahrenen Tarifkonflikt um drastische Kostensenkungen hat Europas größter Autobauer, Volkswagen, erneut einen Gewinneinbruch gemeldet. Nur die ertragreiche Sparte Finanzdienstleistungen bewahrte den Konzern in den ersten neun Monaten unter dem Strich vor einem Sturz in die roten Zahlen. Mit dem reinen Verkauf von Autos verdiente VW nach Steuern kein Geld mehr, sondern schrieb Verluste.

<P>Bei den Tarifverhandlungen für die 103 000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke, die in fünfter Runde fortgesetzt wurden, gab es bis zum Abend keine Annäherung. Die IG Metall kündigte mit Ablauf der Friedenspflicht, die gestern um Mitternacht endete, Warnstreiks an, falls eine Einigung ausbliebe.</P><P>Hauptgründe für den Gewinneinbruch bei VW sind Absatzprobleme vor allem auf den wichtigen Märkten Deutschland und USA sowie die weiterhin ungünstige Wechselkurssituation wegen des starken Euro. Volkswagen hielt dennoch an seinem im Juli gesenkten Ergebnisziel für das Gesamtjahr von 1,9 Milliarden Euro beim operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen fest.</P><P>Im Konzernbereich Automobile verzeichnete VW in den ersten neun Monaten beim Ergebnis nach Steuern einen Verlust von 38 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Plus von 344 Millionen Euro. Die Sparte Finanzdienstleistungen dagegen erwirtschaftete ein Nachsteuer-Ergebnis von 497 (469) Millionen Euro, sodass insgesamt ein Sturz in die roten Zahlen vermieden wurde. Die VW-Aktie notierte am Nachmittag mit plus 0,93 Prozent bei 34,67 Euro.</P><P>Bei den Tarifverhandlungen blieben die Fronten zunächst verhärtet. VW bewege sich nicht, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine. Er deutete bei einer Kundgebung vor dem Verhandlungsort vor mehr als 4000 VW-Beschäftigten aber weitere Kompromissbereitschaft beim Thema Lohnerhöhungen an. </P><P>Die Verhandlungen würden nicht nach dem Muster verlaufen, dass die IG Metall vier Prozent mehr Geld fordere und am Ende kämen zwei Prozent heraus. In der vierten Tarifrunde hatte die IG Metall ihre ursprüngliche Forderung nach Einkommenserhöhungen bereits auf rund zwei Prozent halbiert. Die von VW geforderte Nullrunde lehnt die IG Metall bisher aber strikt ab.</P><P>Meine warnte die Beschäftigten allerdings vor Illusionen. Bei den Tarifverhandlungen "wachsen die Bäume nicht in den Himmel". Der Druck auf die IG Metall sei "sehr groß", das Ergebnis werde am Ende "keine Jubelstürme" auslösen.</P><P>VW-Personalvorstand Peter Hartz sagte den "Wolfsburger Nachrichten", das Unternehmen werde in der fünften Tarifrunde weiter gehende Vorschläge für eine langfristige Beschäftigungssicherung in den sechs westdeutschen Werken präsentieren. Voraussetzung dafür sei aber eine deutliche Reduzierung der Personalkosten. Zuvor hatte Hartz mit einem massiven Personalabbau gedroht, falls der Konzern sein Kostensenkungskonzept nicht durchsetzen könne.</P><P>Eine tarifvertraglich geregelte Absicherung der rund 103 000 Arbeitsplätze in den westdeutschen Werken zählt zu den Kernforderungen der IG Metall. Diese soll nach dem Willen der Gewerkschaft mit konkreten Produktionsentscheidungen untermauert werden.</P><P>VW will die Arbeitskosten bis 2011 um 30 Prozent oder 2 Milliarden Euro senken. Dazu hat der Konzern ein Sieben-Punkte-Programm mit Forderungen vorgelegt, das unter anderem zwei Jahre ohne Lohnerhöhungen vorsieht und niedrigere Einstiegsgehälter. Im Gegenzug verspricht der Konzern, dass in Deutschland keine Jobs abgebaut werden.</P>

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