Lage am Lehrstellenmarkt auch 2006 schwierig

- München - Der Lehrstellenmarkt in Bayern bleibt angespannt. Zwar konnte im vergangenen Jahr rein rechnerisch jedem Jugendlichen ein Ausbildungsangebot gemacht werden. Allerdings waren die regionalen Unterschiede enorm. So kamen auf 100 Bewerber in Oberfranken gerade 16 freie Lehrstellen. In Oberbayern hatte jeder Jugendliche statistisch drei Stellen zur Auswahl.

Die Lücke auf dem Lehrstellenmarkt ließ sich allerdings nur mit staatlicher Förderung, dem engagierten Einsatz von Ausbildungs-Akquisiteuren und den neuen Einstiegsqualifizierungen (EQJ) schließen. So waren Ende Dezember noch 4164 Jugendliche in Bayern auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dem gegenüber standen 2024 freie Lehrstellen und 3800 Plätze für Einstiegsqualifizierungen. Damit Jugendliche aus strukturschwachen Bezirken einen Anreiz haben, auch eine Lehrstelle außerhalb ihres Heimatortes anzunehmen, stellte der Freistaat 2,3 Millionen Euro für Mobilitätshilfen zur Verfügung. Insgesamt investierte das Sozialministerium im Rahmen des Programms "Fit for Work" rund 15 Millionen Euro.

Auch 2006 werde ein schwieriges Jahr auf dem Ausbildungsstellenmarkt, sagte Bayerns Arbeitsstaatssekretär Jürgen Heike (CSU). Denn die Zahl der Schulabgänger von Haupt- und Realschulen werde heuer nochmals ansteigen. Erst 2007 erwartet Heike einen Rückgang der Schulabgänger. Dann werde es für einige Betriebe schwierig, geeignete Auszubildende zu finden, so Heike.

Als Erfolg entpuppten sich die Einstiegsqualifizierungen. "Das ist keine Schmalspurausbildung wie oft behauptet", bekräftigte Christof Prechtl, Geschäftsführer der Abteilung Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen, die an einer EQJ-Maßnahme teilnahmen, erhielten im Anschluss einen Ausbildungsplatz.

Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) forderte die Jugendlichen auf, sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht auf einen Traumberuf zu versteifen. "Rund 60 Prozent der Schulabgänger bewerben sich auf die zehn beliebtesten Berufe", so Dörfler. Dazu gehören Bürokaufmann oder Friseurin. "In Bayern stehen jedoch mehr als 300 Ausbildungsberufe zur Auswahl."

Enttäuscht zeigten sich die Vertreter aus Politik und Wirtschaft über das geringe Interesse an Nachvermittlungsaktionen. Teils würde nur gut die Hälfte der angeschriebenen Jugendlichen kommen. "Da fragt man sich, ob die wirklich auf der Suche nach einer Lehrstelle sind", sagte Prechtl.

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