Lage auf Lehrstellenmarkt schwierig

- Nürnberg/Frankfurt - Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bleibt stark angespannt. Im August suchten noch 195 300 Jugendliche eine Lehrstelle, das waren acht Prozent mehr als im vergangenen Jahr. 50 700 Stellen waren unbesetzt, ein Plus von nur einem Prozent. Die rechnerische Differenz zwischen unbesetzten Ausbildungsplätzen und nicht vermittelten Bewerbern sei weiterhin signifikant größer als vor einem Jahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mit. Gewerkschaftler sprachen von einer "dramatischen Lage" auf dem Ausbildungsmarkt.

Zwischen Oktober 2004 und August 2005 wurden 427 500 Ausbildungsplätze gemeldet, das waren elf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der weitaus größte Teil des Rückgangs betreffe betriebliche Lehrstellen, teilte die BA mit. Die Zahl der Bewerbermeldungen lag dagegen mit 704 500 nur um 0,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt hält dennoch das angepeilte Ziel des Ausbildungspaktes für nach wie vor erreichbar. "Dazu müssen die Paktpartner aber eine Fülle von Anstrengungen unternehmen", fügte er hinzu. Zudem seien in den aktuellen Lehrstellenzahlen noch nicht die Zahlen der so genannten Optionskommunen enthalten, die seit Jahresanfang die Arbeitslosen ihrer Region in eigener Regie verwalten. Außerdem liege der Zählstichtag in diesem August deutlich vor dem im August 2005.

Nach Ansicht der IG Metall hat der Ausbildungspakt von Wirtschaft und Bundesregierung auch im zweiten Jahr nicht das gehalten, was versprochen worden war. In den Betrieben sei er nicht angekommen. Erneut würden mehr als 100 000 Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer ausgehen und sich auf Ersatzmaßnahmen einlassen müssen, heißt es in einer Analyse der Gewerkschaft. "Noch immer werden zu viele Jugendliche in Praktika und Berufsvorbereitungskursen geparkt, anstatt eine Lehrstelle zu erhalten." Derzeit gebe es für insgesamt eine Million junger Menschen unter 25 Jahren in Deutschland keine beruflichen Perspektiven.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nannte die Situation dramatisch. Zahlreiche Jugendliche erwarte eine düstere Zukunft, sagte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. "Sie werden keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten." Die Unternehmen hielten ihre Zusagen nicht ein. Bislang bildeten nur 23 Prozent der Betriebe aus. Nach Wernekes Ansicht würde eine Ausbildungsumlage helfen, die Verantwortung gerechter zu verteilen.

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