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Stephan Götzl empfiehlt die Volks- und Raiffeisenbanken als Vorbild für die Branche.

Lagebericht der Genossenschaftsbanken

Als ehrbarer Kaufmann durch die Krise

Grainau - Die Genossenschaftsbanken kamen vergleichsweise gut durch die Krise. Ihr Verband kritisiert nun die Rückkehr der Casino-Mentalität in der Finanzbranche.

Der Ort passt zur Botschaft. Uns geht’s gut, wir sind obenauf, will der Genossenschaftsverband Bayern vermitteln - und hat ganz nach oben geladen, ins Tagungszentrum "Sonn Alpin" auf der Zugspitze.

In spätsommerlich goldener Gipfelstimmung verbreitet Verbandspräsident Stephan Götzl die frohe Kunde: "Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken erwarten ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2009." Trotz Finanzkrise stehen die Genossenschaftsbanken besser da als im vergangenen Jahr. Das Gesamtbetriebsergebnis werde deutlich zulegen, erklärt Götzl.

Die im Verband organisierten Banken würden beim Betriebsergebnis vor Steuern und Bewertung wieder die Marke von einer Milliarde Euro überspringen. Böse Überraschungen verbergen sich laut Götzl nicht in den Büchern der Volks- und Raiffeisenbanken. Anders als deutsche Großbanken, in deren Bilanzen nach einer aktuellen Analyse noch Giftpapiere im Wert von 93 Milliarden Euro schlummern, hätten die bayerischen Genossenschaftsbanken "nach ehrbarer Kaufmannsart hart und aufrichtig abgeschrieben".

So mussten die Banken seines Verbands im vergangenen Jahr zwar netto gut 400 Millionen Euro Abschreibungen bei Wertpapieren vornehmen, in diesem Jahr erwartet der Präsident in diesem Bereich aber ein Plus in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Auch ein weiteres typisches Krisensympton, die extreme Zaghaftigkeit vieler Banken bei der Kreditvergabe, kann Götzl bei den Volks- und Raiffeisenbanken nicht ausmachen. Allein in den vergangenen sechs Monaten hätten die Firmenkundenkredite um 600 Millionen Euro zugelegt, sagt Götzl.

"Kreditklemme" tabu

Das Wort Kreditklemme will er nicht mal in den Mund nehmen: "Bei fast 93 Prozent unserer Banken ist die Kreditablehnungsquote im Firmenkundengeschäft in den vergangenen Monaten nicht gestiegen." Allerdings hat auch der Genossenschaftspräsident nicht nur Positives zu verkünden. So rechnen die Banken seines Verbands als Folge steigender Unternehmensinsolvenzen damit, dass die Zahl der Firmen, die ihre Kredite nicht zurückzahlen können, leicht zunehmen wird.

Laut Götzl wird das die Genossenschaftsbanken knapp 90 Millionen Euro kosten. Es sind aber nicht diese Abschreibungen, die Götzl die Laune verderben. Ihn entzürnt vielmehr, dass große Teile der Finanzbranche aus der Krise kaum Lehren zögen. "Man hat das Gefühl, dass das Casino wieder offen hat", schimpft der Diplom-Kaufmann - und liefert gleich ein paar Vorschläge mit, wie dem Finanzsystem zu größerer Stabilität verholfen werden könnte.

Eine seiner zentralen Forderungen: Die Branche müsse in der Lage sein, sich selbst zu helfen. Dabei sieht er die Volks- und Raiffeisenbanken als Vorbild für den gesamten Finanzsektor. Denn bei den Genossen gilt: Gerät eine Bank in Not , helfen ihr die anderen über die Sicherungseinrichtung des gemeinsamen Bundesverbands.

Ein solches System des gegenseitigen Beistands auch für Privatbanken einzuführen, hält der Genossenschaftspräsident nicht zuletzt aus politischen Gründen für notwendig. Denn dass Banken hohe Risiken eingehen und sich dann vom Staat retten lassen, meint Götzl, "schwächt die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft in unserer Gesellschaft".

Andreas Zimniok

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