Lagerfeuer im Jurtencamp: Asiatische Länder locken Reisende

- München - Honig auf dem Rücken, Schokolade im Gesicht und Knabberfische an Armen und Beinen: Was sich anhört wie ein exotisches Märchen aus Tausendundeiner Nacht, ist in Wirklichkeit der neue Trend auf dem Wellness-Markt. 08/15-Massage war gestern, jetzt kommt Entspannung deluxe: "Unsere Kunden setzen auf extravagante Angebote", sagte Simone Krispel von der Wellness-Vereinigung "European Spa World". Zwar läge der Altersdurchschnitt der Entspannungssuchenden derzeit noch bei 47 Jahren, aber der Anteil der jungen Wellnessurlauber (25 bis 30 Jahre) steige stetig. Motto: Vorbeugen statt nachbehandeln.

Ausgefallenes haben auch die 1449 anderen Anbieter auf der Münchner Freizeit- und Reisemesse C-B-R im Gepäck. Noch bis zum morgigen Mittwoch können die Besucher sich nicht nur über Traumurlaube zu solch klassischen Reisezielen wie Spanien, Italien und Österreich informieren. Individualtouristen setzen zunehmend auf ungewöhnliche Destinationen im asiatischen Raum. Neben den Philippinen, Bangladesch und Brunei ist die Mongolei in diesem Jahr zum ersten Mal in München vertreten.

Zwar könne sein Land "keine großen Attraktionen" bieten, gibt Olzod Bhum-Yalagch von "Explore Mongolia" freimütig zu Protokoll. Was Reisende aus aller Welt beeindrucke, sei vielmehr die authentische nomadische Kultur der Mongolen und ihre außergewöhnliche Gastfreundschaft: "Der schamanische Glaube lehrt uns, dass ein unzufriedener Gast Unheil bringt", erklärt der Mann in der roten Weste. "Das mögen die Hausgeister gar nicht." 2700 Euro kostet eine dreiwöchige Reise ins Land von Dschingis Khan, inklusive Jurtencamp, Lagerfeuer und Kamelreiten.

Ökotourismus pur verspricht eine Reise nach Kirgisistan. Gerade mal 100 Besucher im Jahr bringt der Veranstalter "Irbis Reisen" in das mittelasiatische Land, das Rückzugsraum für viele bedrohte Arten, den Schneeleoparden oder das Marco-Polo-Schaf, bietet. Die meisten Besucher wollten lernen, "mit der Natur umzugehen", sagt Veranstalterin Elke Mahlke: "Die kirgisische Minute dauert eine halbe Stunde. Aber drei Wochen Urlaub im Tien-Shan-Gebirge wirken wie drei Monate Erholung."

Das Comeback des Jahres könnte die Südstaaten-Metropole New Orleans feiern. Zumindest die Amerikaner wagten sich nach dem Hurrikan Katrina wieder in die Kneipen und Clubs des legendären French Quarters, weiß Südstaaten-Expertin Karen Gilsdorf. "Der Schlamm ist weg, die Geschäfte haben geöffnet." Auch die günstigen Preise machten die Stadt zu einem empfehlenswerten Reiseziel.

Wer - wie rund 5,5 Millionen Bundesbürger - auch auf Reisen die eigenen vier Wände nicht missen will, wird in der Abteilung Camping und Caravaning fündig. Von der selbstaufblasenden Isomatte bis hin zum familientauglichen Wohnmobil für schlappe 31 000 Euro ist für jeden Geldbeutel und Geschmack etwas dabei. Auch Wasserratten bleiben nicht auf dem Trockenen sitzen: Die C-B-R Marina präsentiert zahlreiche Kanusport-Neuheiten.

Heimische Reiseziele schmücken sich derzeit nicht nur mit der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Auch vom geplanten Papst-Besuch in Deutschland hat die Branche sich inspirieren lassen. Auf dem Benediktweg zwischen Inn und Salzach spüren Radfahrer den Lebensstationen des Kirchenoberhauptes nach.

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