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Die lahmgelegten Krankenkassen: Was beim Wechsel zu beachten ist

- Wer zu einer der preisgünstigsten Krankenkassen im Land wechseln will, braucht derzeit Nerven wie Drahtseile. Der Ansturm hunderttausender Neu-Kunden auf günstige Betriebskrankenkassen (BKK) hat diese inzwischen fast lahmgelegt.

<P> Bei den Verbraucherzentralen häufen sich die Beschwerden von Versicherten, die ihre alte Kasse kündigten, den Aufnahmeantrag zur neuen schickten und dann wochenlang nichts mehr hörten. Andere bekamen zwar die Aufnahmebestätigung geschickt, nicht aber die wichtige Chipkarte. Eine Versicherungslücke kann nicht entstehen, beruhigt Wolfgang Schuldzinski, Jurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.<BR><BR>Keine Versicherungslücke</P><P>Wer noch nicht offiziell in der neuen Kasse angenommen wurde, fällt automatisch in seine alte Mitgliedschaft zurück. Er kann seine bisherige Chipkarte erst einmal weiter benutzen. Und wer von seinem neuen Anbieter bereits ein schriftliches Okay zum Wechsel in der Tasche hat, braucht sich zunächst auch noch keine Sorgen zu machen, meint Schuldzinski. Die neue Kasse ist in der Pflicht.<BR><BR>Querelen beim Arzt</P><P>Ärger kann es aber trotzdem geben - und das nicht nur, weil die Telefonnummern der günstigen Kassen ständig belegt, das Personal überlastet und ein Service für Versicherte so gut wie unmöglich sind. Was für Patienten viel folgenreicher sein kann, sind mögliche Querelen beim Arztbesuch. Kann er keine Chipkarte präsentieren, steht der Betroffene immer wieder dumm da, weiß Schuldzinski aus der Praxis. Manche Mediziner verweigerten die Behandlung, auch wenn das gegen geltendes Recht verstoße. Andere versuchten, zu erhöhten Sätzen abzurechnen.<BR><BR>Dabei gilt: Ein Patient hat das Recht, innerhalb von zehn Tagen die Karte nachzureichen. Erst wenn das nicht passiert ist, darf der Arzt eine Rechnung ausstellen. Er muss sich dabei an den Kassensätzen orientieren. Solange der Patient die Chipkarte nicht in den Händen hält, sollte er in den sauren Apfel beißen und zunächst einmal zahlen. </P><P>Das Geld kann er sich vom Arzt wieder erstatten lassen, wenn er den Behandlungsausweis im laufenden Quartal noch nachträglich vorlegen kann. Schafft es die neue Kasse nicht, die Quartalsfrist einzuhalten, guckt der Patient in die Röhre: Der Arzt muss ihm dann das Geld nicht mehr zurückbezahlen. Allerdings ist die Kasse schadenersatzpflichtig, betont der Jurist. Die Rückforderung muss dann an die Kasse adressiert werden. Ein längeres juristisches Hin und Her kann allerdings folgen.<BR><BR>Kostenanstieg</P><P>Wer den Absprung zu günstigen Anbietern wagt, kann nach Berechnungen von Stiftung Warentest maximal 60 Euro pro Monat sparen. Günstige Beiträge sind prima, sollten aber nicht das einzige Kriterium für einen Kassenwechsel sein, wie die momentane Lage zeigt, berichtet Schuldzinski. </P><P>Denn der Wettbewerbsvorteil hält oft nicht lang an: Der Kostendruck auf die Kassen ist momentan so groß, dass Erhöhungen quer durch die Branche zu erwarten sind. Erst zum 1. Januar hatten 71 Kassen ihre Sätze angehoben und den Ansturm auf die Billiganbieter verstärkt. Beim Kassenwechsel und Leistungsvergleich hilft der so genannte Beratungsbrief der Verbraucherzentralen. Er kann für 10,20 Euro bei der Verbraucherzentrale Bayern (Mozartstraße 9, 80336 München, Telefon: 089 / 53 98 70) abgeholt werden.</P>

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