Landesbank droht der erste Jahresverlust

München - Die BayernLB fasst nach dem fatalen Einbruch zum Jahresauftakt wieder Tritt. Doch die Lage bleibt schwierig: Es droht der erste Jahresverlust, nötige Ausfallgarantien sind noch nicht bewilligt, und wem die Bank künftig gehört, ist völlig offen.

Die von der Finanzkrise stark beeinträchtigte Bayerische Landesbank hat im zweiten Quartal 2008 wieder einen Gewinn eingefahren. Das größte Kreditinstitut im Freistaat verdiente laut den am Mittwoch veröffentlichten Geschäftszahlen von April bis Juni 140 Millionen Euro vor Steuern. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte die Bank wegen Abschreibungen und massiven Kurseinbußen in ihrem Wertpapierportfolio einen Rekordverlust von 770 Millionen Euro einstecken müssen.

"Die akute Krise bei der BayernLB ist überwunden", sagte Vorstandschef Markus Kemmer bei der Präsentation der Halbjahresbilanz in München. Eine Prognose für das Gesamtjahr wollte er mit Verweis auf die unruhigen Märkte aber nicht wagen. Zumal sich die Lage im Juli und August nach Kemmers Worten wieder eingetrübt hat, droht der zweitgrößten deutschen Landesbank heuer erstmals seit ihrem Bestehen ein Fehlbetrag. Für den müssten auch die Steuerzahler geradestehen, weil das Geldhaus je zur Hälfte den Sparkassen und dem Freistaat gehört. Das es dazu kommt, ist nicht unwahrscheinlich: Nach dem ersten Halbjahr steht - trotz der schwarzen Zahlen im zweiten Quartal - ein Minus von 630 Millionen Euro vor Steuern zu Buche.

Sorgen bereitet Vorstand und Eigentümern weiterhin ein Anleihen-Paket im Volumen von 20 Milliarden Euro, auf dem die BayernLB sitzt. Seit dem Kollaps des US-Immobilienmarktes meiden Investoren solche mit Krediten besicherten ABS-Papiere, deren Kurse deswegen abgestürzt sind. Als Folge musste die Landesbank die in ihren Büchern angesetzten Werte um bislang fast fünf Milliarden Euro nach unten korrigieren, davon 600 Millionen Euro im zweiten Quartal. Sollten die Marktpreise wieder anziehen, würde das allerdings als Ertrag verbucht. Unwiederbringlich verloren hat die BayernLB mit den Anleihen bisher 100 Millionen Euro, weil tatsächlich Darlehen ausgefallen sind. Allerdings wird es dabei nicht bleiben: "Wir müssen davon ausgehen, dass es mehr wird", sagt Kemmer. Er plant Abschreibungen von bis zu 1,2 Milliarden Euro ein.

Die Wertpapiere belasten nicht nur die Bilanz der Landesbank, sondern beeinträchtigen auch die Urteile der Ratingagenturen. Der Freistaat und die Sparkassen haben sich deswegen dazu durchgerungen, eine Bürgschaft für mögliche Zahlungsausfälle in Höhe von 4,8 Milliarden Euro zu schultern. Da die EU-Wettbewerbshüter solche Garantien als unzulässige "Beihilfe" einstufen könnte, soll sich ein privater Investor an dem Risikoschirm beteiligen. Nach Kemmers Aussagen sind die Gespräche mit einem Kandidaten weit fortgeschritten. Mutmaßlich handelt es sich dabei um die US-Beteiligungsgesellschaft J.C. Flowers, der schon Anteile der Hypo Real Estate (siehe Artikel unten) und der HSH Nordbank gehören. In den nächsten Tagen will die Landesbank Brüssel ein Konzept präsentieren.

Zu den Spekulationen über die künftige Eigentümerstruktur der BayernLB äußerte sich Kemmer am Mittwoch nicht. Der Bankenchef verwies auf die Eigentümer, "die derzeit alle Optionen prüfen". Einig sind sie sich noch nicht: Die Sparkassen drängen auf die Fusion mit der größten deutschen Landesbank, der LBBW in Stuttgart. Der Freistaat, vertreten durch die CSU-Regierung, liebäugelt hingegen mit einem Teilverkauf an einen privaten Investor, wie aus dem Verwaltungsrat zu hören ist.

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