Landesbank schrumpft sich schwarz

- München - Die Landesbank schrumpft sich gesund. Im ersten Halbjahr hat das halbstaatliche Institut dank heftigen Sparens die roten Zahlen hinter sich gelassen. 705 Millionen Euro erwirtschaftete die BayernLB bis Juni, höchstens 400 Millionen davon wurden bisher in Risikovorsorge gesteckt. Für das Gesamtjahr peilt Vorstandschef Werner Schmidt 1,4 Milliarden Überschuss an, von dem bis zu eine Milliarde für faule Engagements zurückgelegt werden soll.

<P>"Bemerkenswert" findet Schmidt seine Zahlen. Seit Jahresbeginn sank die Mitarbeiterzahl von rund 9600 auf gut 9200. Insgesamt sollen laut Schmidt 1000 Jobs gestrichen werden, die Hälfte davon im Freistaat. Alle außerbayerischen Niederlassungen wurden bis Ende Juli dicht gemacht. Nur die China-Filiale darf bleiben, um bisherige Kunden in den boomenden Markt zu begleiten.</P><P>Für 100 Millionen Euro will Schmidt in den nächsten Monaten Beteiligungen verkaufen: Alle, die er "strategisch uninteressant" findet und die nicht rentabel sind, also "nachhaltig 12 % abwerfen".</P><P>Der Chefbanker will trotz "Unruhe intern" nicht von der Schrumpfkur lassen. Plangemäß sank die Bilanzsumme im ersten Halbjahr auf 328 Milliarden Euro. Vor allem die Kredite im Ausland werden gekappt. Schmidt spricht von "risikobewusster Ausrichtung des Hauses".</P><P>Statt sich international die Finger zu verbrennen, will die Bayernbank vor allem im Freistaat aktiv sein. Kunden ab 50 Millionen Euro Jahresumsatz sind die Zielgruppe. Ab dem Zehnfachen werde man deutschlandweit ins Geschäft kommen, sagt Schmidt. In den Nachbarländern will man sich erst ab zwei Milliarden engagieren.</P><P>Der Rückendeckung der Politik ist sich der konservative Banker sicher. Der Freistaat (wie die Sparkassen mit 50 Prozent dabei) werde nicht verkaufen. Beide Besitzer stünden "voll und ganz hinter uns. Voll und ganz."</P><P>Das fällt inzwischen etwas leichter: Weil der französische Staat den Industriekonzern Alstom in diesen Tagen vor der Pleite rettet, muss die BayernLB keine zusätzlichen Kreditausfälle verkraften. Das Aufatmen der Landesbanker und vor allem -politiker kurz vor der Wahl soll bis Paris zu hören gewesen sein, erzählt man in CSU-Kreisen.</P><P>Auch eine der spektakulären Altlasten glaubt Schmidt in diesen Tagen loszuwerden. Der Verkauf des von Schuldner Leo Kirch unfreiwillig geerbten Anteils am TV-Konzern Pro-Sieben-Sat.1 an den Amerikaner Haim Saban sei "eigentlich gelaufen" und "Kirch für uns Vergangenheit". Weitere Millionen müssen demnach nicht in die Wertberichtigung gepumpt werden: Der Handel belaste das operative Ergebnis nicht.</P><P>Der Abschluss mit Saban sei nicht der beste Fall und nicht der schlimmste, sondern, so Schmidt im Banker-Deutsch, der "normal case". Wobei er die Millionen-Pleite der Landesbank mit Kirch bestimmt nicht als Normal-Fall übersetzt wissen wollte.</P>

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