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Bestes Ergebnis der 185-jährigen Geschichte: In der Zentrale der Stadtsparkasse München kann man zufrieden sein. Nur die Landesbank bleibt eine Last.

Stadtsparkasse München

Landesbank trübt die Rekordbilanz

München – Inmitten der historischen Wirtschaftskrise hat die Stadtsparkasse München das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt – vorausgesetzt, man sieht über Millionenabschreibungen auf ihren Anteil an der Bayerischen Landesbank hinweg. Deren neues Geschäftsmodell hält man bei Bayerns größter Sparkasse für unzureichend.

Harald Strötgen, Vorstandschef der Stadtsparkasse München, bemüht sich mehrfach zu lächeln, während er über die Bayerische Landesbank spricht. Doch man muss nicht lange zuhören, um sicher zu sein, dass ihn dieses Thema in etwa so belustigt wie Hautausschlag.

Während einige der größten Banken der Welt zusammengebrochen sind oder vom Staat im künstlichen Koma gehalten werden, könnte man bei der Stadtsparkasse für sich in Anspruch nehmen: Alles richtig gemacht. Vorbei sind die Zeiten der 25-Prozent-Renditeziele im Finanzgewerbe. Die konservativen Sparkassen mit ihren bescheidenen Gewinnen erleben in der Krise eine Renaissance, schwärmt Strötgen. Keine Abschreibungen auf riskante Wertpapiere, keine Verluste in Übersee, als sicherer Hort bei Sparern beliebt und trotz Börsencrash ein paar Millionen mit den eigenen Anlagen verdient.

So hat die Stadtsparkasse 2008 in ihrem eigenen Geschäft ein Betriebsergebnis von 141,4 Millionen Euro erreicht, wie das Institut am Donnerstagabend mitteilte. Das sind gut 13 Prozent mehr als im Vorjahr. „In einem Umfeld, in dem viele Banken weltweit vor dem Abgrund stehen, hat sich unsere Sparkasse behauptet“, sagt Strötgen. „Wir sind stolz, mit solchen Zahlen aufwarten zu können.“ Es ist das beste Ergenis seit Gründung des Instituts vor 185 Jahren. Aber es hat einen Haken. Es klammert den gravierendsten Effekt des vergangenen Jahres aus: die Misere der Bayerischen Landesbank.

Bis zur Rettung der BayernLB durch den Freistaat waren Bayerns Sparkassen zur Hälfte an dem Institut beteiligt. Auf ihre Bilanzen verteilte sich ein Milliardenwert. Doch der ist mittlerweile zusammengeschrumpelt. Nur ein Drittel der ursprünglich verbuchten Summe ist einem vorläufigen Gutachten zufolge noch übrig. Dementsprechend müssen die Sparkassen den Wert ihrer Beteiligung reduzieren und Abschreibungen vornehmen. Das trifft die Stadtsparkasse München mit 36 Millionen Euro. Und so bleiben vom Betriebsergebnis am Ende nur 105 Millionen Euro übrig – ein Minus von rund 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nur dank niedrigerer Körperschafts- und Gewerbesteuern stehe trotz BayernLB-Lasten unter dem Strich ein um 20 Prozent erhöhter Überschuss von rund 50 Millionen Euro, wie Sparkassen-Vorstand Thomas Grützemacher erklärte. Davon stärkt der Großteil das Eigenkapital der Sparkasse. Vier Millionen Euro gehen für soziale Zwecke an die Stadt München. Die Sparkassen-Mitarbeiter erhielten einen Bonus von jeweils 1000 Euro.

Wegen der Milliardennachschüsse des Freistaats bei der Landesbank verlieren die Sparkassen als Anteilseigner des Instituts an Gewicht. Während die Münchner als größte Sparkasse bislang mit 4,33 Prozent beteiligt waren, bleiben ihnen künftig nur noch etwa 0,51 Prozent. „Ein Rückzug auf Raten“, wie Strötgen ankündigte. Doch Sparkassen und Landesbank bilden noch über Jahre eine Schicksalsgemeinschaft.

Die verbliebene Beteiligung an der Landesbank ist in den Büchern der Stadtsparkasse mit 82 Millionen Euro bewertet. Sollte das Institut weiter in Bedrängnis geraten, wären neue Abschreibungen fällig. Bislang gebe es allerdings „keine Anhaltspunkte dafür“, stellte Strötgen klar. Doch auch aus einem anderen Grund muss er über die BayernLB, die so vieles so anders gemacht hat als sein eigenes Haus, sagen: „Wir sind sehr daran interessiert, dass die BayernLB die Situation bewältigen kann.“ Denn die Sparkassen haften nach wie vor für frühere Geschäfte der Landesbank. Dies sei noch bis 2015 relevant, sagte Strötgen und betonte den Willen zur Kooperation mit dem inzwischen fast vollständig in Staatsbesitz befindlichen Institut.

Die neue Strategie der BayernLB sieht vor, sich aus internationalen Geschäften zurückzuziehen und sich auf den Mittelstand in Bayern zu konzentrieren – gerade das, was die Sparkassen selbst machen. Er habe „keine Angst vor Konkurrenz“ durch die BayernLB, betonte Strötgen. Doch mit den bislang angekündigten Schritten der Landesbank sei es nicht getan. „Ich bin skeptisch, dass das ausreicht“, kritisierte der Sparkassenchef. „Ich glaube, dass der Trend zu einer Verringerung der Zahl der Landesbanken anhalten muss.“

Von Dominik Müller

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