Die Landesbank verleiht Flügel

- München - Vom Südzipfel Bayerns zum Nordzipfel sind es annähernd 400 Kilometer. Die Bayerische Landesbank könnte den Weg durch ihr Zielgebiet nun in 25 Minuten zurücklegen. Bei Tempo 890 kann der Vorstand noch 280 Freunde mitnehmen und muss erst nach 18 Reisen tanken - Air Canada sei Dank. Die Freude in der halbstaatlichen Bank über den schönen Airbus 340-300 und die anderen Flieger will dennoch enden. Ärger winkt.

<P>Das Institut hat die stattlichen Flieger (Kaufpreis für einen A 340: 85 Mio. Euro) am Hals, weil die kanadische Airline finanziell in schweren Turbulenzen ist. Das Geld für die Leasingraten wird knapp, etliche Flieger stehen am Boden. Der Leasing-Geber der weißen Airbusse zog nach Informationen unserer Zeitung vor sechs Wochen die Landesbank zur Verantwortung: Vor knapp sieben Jahren hatte sie zugesagt, im Notfall einzuspringen - also jetzt. Laut "Mieteintrittsverpflichtung" muss die halbstaatliche Bank nun "alle zukünftig entstehenden Verpflichtungen unter dem Leasingvertrag" übernehmen und kann sich darum kümmern, die Flugzeuge bis 2007 unterzuvermieten. Wenn die Bank keine Mieter findet, kann sie den Leasingvertrag außerordentlich kündigen und erwirbt das Eigentum an den teuren Brummern. Das dürfte kaum lohnend sein. Weil wegen der Luftfahrtkrise weltweit dutzende Maschinen am Boden bleiben, lassen die Preise stark nach.</P><P>Finanziert worden waren die Airbusse über Steuerspar-Fonds, Mindesteinsatz 51 000 Euro. Die Fondsgesellschaft verleaste die 63-Meter-Flieger über komplizierte Wege an Air Canada. Die Landesbank, die jeweils zur Hälfte dem Freistaat und dem Sparkassenverband gehört, sicherte gegen Gebühr die Bonität ab. "Die Landesbank übernimmt nun die Zahlung der laufenden Mieten", bestätigte ein Bank-Sprecher unserer Zeitung. Es soll sich, heißt es aus dem Institut, um mindestens drei Flieger handeln, andere Quellen sprechen von zwei. Neun dieser Airbusse flog Air Canada.</P><P>Bayern, das schnellste Bundesland der Welt, darf sich via Landesbank also nicht nur mit der Formel 1, sondern auch mit Flugzeugen herumschlagen. Heinz Kaiser, wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtags-SPD, schreibt nun an Finanzminister und Verwaltungsratschef Kurt Faltlhauser. Der Vorgang sei "auch ein Beispiel, wie sich die Landesbank mit ihrer von Faltlhauser verteidigten Strategie in fremden Geschäftsfeldern verzettelt hat". Kaiser rechnet mit stattlichen Verlusten.</P>

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