Landesbanken unter Dauerfeuer

- München - In der Ferne packt die Herren der Tatendrang. Seit die weltweite Finanzelite in Dubai aufeinander sitzt und tagt, wird massiv am deutschen öffentlichen Bankensystem gerüttelt. Den Landesbanken droht Gefahr: Der Internationale Währungsfonds spricht von Zerschlagung, einzelne Bank-Chefs von Fusionen. Losgehen soll's im Süden.

<P>IWF-Chef Horst Köhler eröffnete das Gefecht. Er fordert die Fusion aller Landesbanken zu einem Institut und einen radikalen Umbau. Auch Manfred Bodin, Boss der NordLB, lehnte sich aus dem Fenster. "Gute Idee", sekundierte er Köhler. In den nächsten Jahren könne es losgehen, und zwar in Süddeutschland.<BR><BR>Dort hält sich die Begeisterung in engen Grenzen. Die Bayerische Landesbank soll eigenständig bleiben, fordert deren Chef Werner Schmidt, derzeit ebenfalls in Dubai: Das Synergiepotenzial sei begrenzt, "die Reibungsverluste überwiegen". Schon über die Frage nach dem Hauptsitz würde es "ohne Not" keine Einigung der Eigentümer geben, warnt Schmidt.<BR><BR>Wesentliche Gesellschafter der Institute sind die Länder - Bayern würde seine Bank kaum freiwillig hergeben. "Dieser Dubai-Rat ist nicht zielführend", sagte Finanzminister Kurt Faltlhauser unserer Zeitung. Köhlers Forderung widerspreche eklatant dem neuen regionaleren Kurs der Bank. Mit der BayernLB hatte Faltlhauser zwar politisch reichlich Ärger, ein Verkauf steht aber nicht zur Debatte. Auch der Sparkassenverband will seinen 50-%-Anteil nicht hergeben und hält offenbar wenig von der Fusionitis. Das neue Geschäftsmodell der BayernLB werde man "konsequent umsetzen", sagt Präsident Siegfried Naser: "Die Fusion von Landesbanken ist dabei kein Thema."<BR><BR>Die Herren möchten doch bitte ihre Aussagen an Dubais Hotelbars etwas sorgfältiger abwägen, grummeln hochrangige Bayern. Auch der Bundesverband öffentlicher Banken schäumt. Köhlers Forderung sei "fehlgeleitet, naiv und absurd". Der Chef des Währungsfonds solle sich statt dieses "Störfeuers" besser auf seine Aufgaben besinnen.<BR><BR>Tatsächlich sind die einzelnen Landesbanken hinreichend mit sich selbst beschäftigt. Mit dem Wegfall der Gewährträgerhaftung droht den elf Spitzeninstituten ein rabiater Innen-Umbau. Nur noch bis Sommer 2005 haftet der Staat unbegrenzt für Verluste. Ohne diese finanzielle Hängematte müssen die Landesbanken ihre Strategie grundlegend überarbeiten. Weil sie von Rating-Agenturen spätestens ab 2005 als weniger kreditwürdig eingestuft werden, steigen ihre Refinanzierungskosten; fatal für die Zinsspanne. Das drückt die Erträge und schadet wiederum dem Rating - ein Teufelskreis.<BR><BR>Eben deshalb rechnen Experten mit Fusionen. Und zwar, anders als Nordbanker Bodin, in dessen eigenem Haus. So munkelt die Branche von Zusammenschlüssen zwischen NordLB, HSH Nordbank und der torkelnden Bankgesellschaft Berlin.<BR>Dem Landesbank-Eintopf stehen bisher aber Ländergesetze entgegen. Das sieht auch Bodin ein: Bisher mache das föderale System die totale Fusion unrealistisch, sagte er. Ein Satz, bei dem seine zehn Kollegen an der Hotelbar aufgeatmet haben dürften.-</P>

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