Im Fokus: Der Angeklagte Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky (2.v.r.) mit seinen Verteidigern Daniel Amelung, Dirk Petri und Rainer Brüssow (v.l.) am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht München. Foto: dapd

Die Landesbanker und die Boni

München - Im Korruptionsprozess gegen den Ex-BayernLB-Manager Gribkowsky hat jetzt ein Ex-Kollege ausgesagt. Er berichtet, dass es bei der Landesbank keine hohen Boni gab. Doch ein geheimer Brief enthüllt: Gribkowsky forderte acht Millionen Euro Prämie.

Ein einziges Mal haben sich die beiden Männer, die früher Kollegen waren, außerhalb der Bayerischen Landesbank getroffen. Im Sommer 2008 saßen Gerhard Gribkowsky und Dieter Burgmer beim Mittagessen und beratschlagten, was sie nun beruflich tun könnten. Beide hatten kurz zuvor ihre Jobs im Vorstand der BayernLB verloren, Burgmer war 47, Gribkowsky 50, eigentlich zu jung, um von den Ersparnissen eines Berufslebens bei der Landesbank zu leben. Doch Gribkowsky schien wenig besorgt. Er werde sich jetzt „um wohltätige Zwecke kümmern“, habe er gesagt, erinnert sich Burgmer vor dem Landgericht München. Dort sagte er gestern gegen seinen ehemaligen Kollegen aus, der sich wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verantworten muss. 44 Millionen Dollar soll Gribkowsky von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und der Stiftung Bambino beim Verkauf der Rennserienanteile der Landesbank erhalten haben. Genug, um sich wohltätigen Zwecken zuzuwenden.

Zuvor hatte der ehemalige Risikovorstand der Bank aber versucht, auf legalem Weg an ein Millionenhonorar für den Formel-1-Verkauf zu kommen. Im Prozess wurde gestern ein geheimer Brief an den damaligen Vorstandschef Werner Schmidt bekannt, in dem Gribkowsky für sich 1 bis 1,5 Prozent der Kaufsumme als Erfolgsbonus verlangt. Gribkowsky bittet in dem Brief ausdrücklich um Verschwiegenheit seines Chefs. Pikanterweise schickte der Banker das Schreiben ausgerechnet am 7. September 2005 ab, nur zwei Tage bevor das erste Angebot des späteren Käufers, dem Finanzinvestor CVC, auf dem Tisch lag. CVC zahlte später 839 Millionen Dollar für die Formel-1-Anteile der BayernLB, das hätte rund acht Millionen Euro für Gribkowsky bedeutet. Vielleicht wusste er das zu diesem Zeitpunkt bereits. Doch Schmidt lehnte ab.

Wohl auch, weil hohe Boni bei der Landesbank unüblich waren. Kollege Burgmer sagte gestern aus, der Verwaltungsrat der Landesbank habe den Vorständen in guten Jahren maximal rund 75 000 Euro zugebilligt - in Bankenkreisen kaum der Rede wert. Harald G., ein enger Mitarbeiter Gribkowskys, hatte ausgesagt, dass er „sehr enttäuscht“ über eine Sonderprämie von 27 000 Euro gewesen sei.

Burgmer bestätigte, dass die Vorstände zufrieden mit dem Verkauf und dem erzielten Preis waren. Es sei „ausgesprochen schwierig“ gewesen, einen Käufer zu finden, die Angebote seien bis zum tatsächlichen Verkauf „sehr bescheiden“ ausgefallen. „Wir hatten uns schon darauf eingestellt, dass die Anteile vielleicht ganz wertlos sind“, erinnert sich Burgmer. Der von CVC bezahlte Preis „war deutlich mehr als wir uns am Anfang erhofft hatten“. Der Vorstand der BayernLB habe den Kauf deshalb einstimmig beschlossen.

Auch eine Fünf-Prozent-Provision für Ecclestone habe daran nichts geändert. „Für uns war das eine lästige Randerscheinung, die aber nicht den Verkauf beeinflusst“, sagte Burgmer. „Wenn Sie privat ein Haus kaufen, ärgern Sie sich auch, wenn Sie eine Provision zahlen müssen, aber daran lassen Sie den Kauf nicht scheitern.“ Die Staatsanwaltschaft wirft Gribkowsky hingegen vor, dass die Provision für Ecclestone überflüssig gewesen sei und der Landesbanker so sein eigenes Bestechungsgeld veruntreut habe.

Für Ecclestone könnte Burgmers Aussage problematischer werden. Der Ex-Vorstand sagte, bei ihm sei der Eindruck entstanden, „dass Ecclestone weitgehende Einflussmöglichkeiten auf Bambino hatte“. Etwas, das der Formel-1-Impresario aus steuerlichen Gründen stets bestreitet. Er erklärt die Zahlungen an Gribkowsky damit, dass der ihn versucht habe zu erpressen, indem er drohte, sein Wissen über Ecclestones Verbindungen zu Bambino weiterzugeben. Die gebe es natürlich gar nicht, sagt Ecclestone - und zahlte trotzdem Millionen. Wie das zusammenpasst, kann der Formel-1-Boss am 9. November erklären. Dann muss er selbst in den Zeugenstand.

Philipp Vetter

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