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Ex-Landesbanker Gerhard Gribkowsky und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Ecclestone-Prozess

Gribkowskys frühe 80-Millionen-Beichte

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München - Der Richter reagierte überrascht, als er hörte, dass Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Gerhard Gribkowsky sogar 80 Millionen Dollar geboten haben soll. Doch ein geheimes Protokoll belegt, dass die Ermittler das seit Jahren wussten.

Es ist ein seltsames Dokument, dieses Protokoll des ersten Gesprächs von Gerhard Gribkowsky mit drei Münchner Staatsanwältinnen im Dezember 2010. Eines das im Gedächtnis bleibt – sollte man meinen. Und doch, so scheint es, kann der Inhalt auch dreieinhalb Jahre später selbst Verfahrensbeteiligte noch überraschen. Als Gerhard Gribkowsky am Freitagabend wie berichtet im Korruptionsprozess gegen Bernie Ecclestone aussagt, dass ihm der Formel-1-Boss nicht nur 44 Millionen Dollar zahlte, sondern zuvor sogar schon 80 Millionen angeboten hatte, reagiert der Vorsitzende Richter Peter Noll verärgert. „Und damit kommen Sie jetzt?“, fragt er Gribkowsky.

Doch das kann man dem Ex-Landesbanker nun wirklich nicht vorwerfen. Gleich bei seinem ersten Gespräch mit den Ermittlern erzählte er freimütig von Ecclestones angeblichem Angebot. Das Protokoll dieses Gesprächs, das dem "Münchner Merkur" vorliegt, ist das erste Dokument der inzwischen tausende Seiten langen Verfahrensakte und beginnt auf Seite „00001“. Gribkowsky war an diesem 29. Dezember 2010 freiwillig zur Staatsanwaltschaft gekommen, weil ihm ein Journalist zusetzte. Der hatte erfahren, dass der Ex-Landesbanker Millionen in einer österreichischen Stiftung geparkt hatte und vermutete einen Zusammenhang mit dem Kauf der Hypo Group Alpe Adria.

Ermittlerinnen konnten ihr Glück kaum fassen

Gribkowsky wollte diesen Verdacht entkräften. Er fühlte sich sicher, weil er glaubte, dass zwei Schein-Beraterverträge, für die er die Millionen bekommen sollte, wasserdicht seien. Deshalb ging er von sich aus zur Staatsanwaltschaft und nahm im Anschluss sogar zwei Ermittlerinnen in seinem Auto mit zu seiner Grünwalder Villa. Dort durften sie Daten von seinem Computer kopieren. Die Ermittlerinnen konnten ihr Glück kaum fassen: „Dabei wurde Dr. Gribkowsky mehrmals darauf hingewiesen, dass er keine Angaben zu machen brauchte und auch nicht verpflichtet sei, den Staatsanwältinnen irgendetwas in irgendeiner Form zu geben“, notierten sie später in ihrem Vermerk.

Doch Gribkowsky redete und redete: „Ecclestone habe ihm zu Beginn sogar 80 Mio. USD angeboten“, heißt es im Protokoll. „Diese wollte er für Dr. Gribkowsky auf einem Konto in Singapur bereitstellen, damit Dr. Gribkowsky sich bedienen könnte. Das habe er, Dr. Gribkowsky, aber abgelehnt, da er nicht sein ganzes Leben lang ,Steuerhinterzieher‘ sein und auch kein Schwarzgeld haben wolle.“

Wenn der Prozess gegen Ecclestone am Dienstag fortgesetzt wird, dürfte weniger Gribkowsky in Erklärungsnot sein. Vielmehr müssen sich Richter und Staatsanwälte fragen lassen, warum sie von dieser Aussage Gribkowskys überrascht werden konnten.

Philipp Vetter

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