Landesbank-Löwe wetzt Krallen: Sparkassen als leckere Häppchen

- München - Bank-typisch ist die Wortwahl der Schreiben nicht. Von Enteignung ist die Rede, Bedrohung, Dramen, Deckmänteln, Einverleiben und Versilbern. Hinter den Schaltern der bayerischen Sparkassen kracht es gewaltig. Mehrere Institute wehren sich vehement gegen den Plan ihres Verbandes, die angeschlagene Landesbank und die Sparkassen enger aneinander zu binden.

<P>Der Idee ist einfach. Mitte 2005 fallen die staatlichen Garantien für öffentlich-rechtliche Banken weg. Den Sparkassen und der Landesbank drohen ein viel schlechteres Rating (das ist die Bewertung der Kreditwürdigkeit) und damit höhere Kapitalkosten. Das soll aufgefangen werden, indem die Institute noch stärker füreinander einstehen und als wirtschaftliche Einheit auftreten. Am Ende könnte ein neuer Bankkonzern stehen - das Ende der Sparkassenlandschaft, der Anfang von Stellenabbau in großem Stil.</P><P>Das zumindest fürchten die Vorstände und die Träger größerer Sparkassen in der Region. Obwohl der Vorstand des Sparkassenverbands die vorerst geplante engere Kooperation mit 23:1 Stimmen absegnete, formiert sich Protest. In Schreiben, die unserer Zeitung vorliegen, werden massive Warnungen geäußert.</P><P>"Die Auswirkungen dieses<BR>Modells sind für die Spar-<BR>kassen und ihre Träger<BR>dramatisch und existenziell."<BR>Max Gimple, Rosenheimer Landrat (CSU)</P><P>Einen "Angriff auf die Selbstständigkeit der bayerischen Sparkassen" sieht Rosenheims Landrat Max Gimple. Schlimmste Befürchtungen seien übertroffen worden. Es drohe eine Konzernierung: "Die Sparkassen werden zu Vertriebsstellen herabgestuft." Die kommunalen Träger würden faktisch enteignet. Das gefährde die Existenz der Sparkassen und führe "zwingend zum Verlust von Arbeitsplätzen", prophezeit Gimple düster. Er ruft unter dem Briefkopf des Landkreistags alle Sparkassen-Träger auf, sich zu wehren.</P><P>Auch die Landeshauptstadt München, Träger der kerngesunden Stadtsparkasse, will die Vorschläge vom Verband so nicht hinnehmen. Verstärkte freiwillige Kooperation ja, argumentieren die Münchner, aber keine konzernähnlichen Strukturen. Drang nach Größe sei nicht alles. "Wir haben weiterhin Vorbehalte", bestätigt ein Sprecher. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es auch Vorwürfe gegen den Verband, der - als 50 %-Eigner der halbstaatlichen Landesbank - durch ungeschicktes Vorgehen die Institute und ihre Träger verunsichert habe.</P><P>Man fürchte eine Konzernierung durch die Hintertür, heißt es in Bankenkreisen - schrittweise solle der Einfluss der Landesbank ausgebaut werden. "Das Misstrauen ist groß", sagt ein erfahrener Banker: "Die Landesbank ist im Moment eine Blackbox."<BR>Der Sparkassenverband weist solche Pläne weit von sich. Ein enger Verbund, wie er etwa in Hessen beschlossen wurde, werde "derzeit nicht angestrebt", heißt es unisono mit der Landesbank. Man werde aber prüfen, ob nach 2005 Gruppenrating sinnvoll sei.</P><P>Mit einem neunseitigen Brief an alle Träger und Vorstände versuchte Verbandschef Siegfried Naser, alle Bedenken zu zerstreuen. Er sehe keine dramatischen Auswirkungen. Es bestehe zwar "keine heile Welt" in der Sparkassenszene, ernsthafte Probleme einzelner Sparkassen habe man aber bisher immer nachbarschaftlich per Notfusion gelöst: "Es droht keine Konzernierung. Das wäre rechtlich unzulässig." Das Thema sei vom Tisch.</P><P>Wie lange? Konzernierung "in Reinkultur" wittert man auch bei der profitablen Stadtsparkasse Rosenheim. Die einzelnen Maßnahmen seien nur geschickt verpackt und "etwas schwerer lesbar präsentiert" worden, rügt Vorstandschef Ludwig Holnburger. Von Konsens in der Sparkassengruppe könne jedenfalls keine Rede sein: "Andere Bundesländer wundern sich, was sich bei uns abspielt."</P><P>Holnburger hat bereits Rechtsgutachten eingeholt, unter anderem von Münchner Experten, und will den Vorgang der Finanzaufsicht zur Prüfung vorlegen. "Die rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit geben wir nicht auf", sagt der Vorstand entschieden: "Sonst gehen wir im Kollektiv unter."</P><P> </P>

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