Der lange Weg zur Bahn-Card

Panne bei der Bahn: - Die Bahn hat massive Probleme mit dem Vertrieb ihrer Bahn-Cards. Bis die Kunden die Plastikkarte in Händen halten, dauert es derzeit statt zwei bis vier Wochen schon mal ein Vierteljahr. Das bringt einen Haufen Ärger mit sich.

Ursache für die Verzögerung ist laut der Bahn eine System-Umstellung. Die Bahn-Card-Produktion wurde aus dem friesischen Schortens nach Bamberg verlagert. Doch die Organisation verläuft noch nicht reibungslos: Wer eine neue Karte beantragt und sie sofort nutzen will, bekommt einen Fahrkartenvordruck als Provisorium, das normalerweise zwei Monate gilt. Das reicht aber wegen der Liefer-Probleme derzeit nicht aus.

Auch Kunden, die bereits eine Bahncard hatten und die alljährliche Verlängerung brauchten, mussten sich plötzlich mit dem Zugpersonal auseinander setzen, weil die Nachfolgekarte nicht zeitgerecht geliefert wurde und sie noch keine Pappkarte hatten. Dabei sichert die Bahn vertraglich zu: "Ihre neue Bahn-Card erhalten Sie jeweils ca. drei Wochen vor Ablauf der alten Karte zugeschickt."

Die Provisorien mussten etwa seit Jahresanfang um einen Monat verlängert werden, weil die fotobestückte Plastikkarte nicht rechtzeitig ausgeliefert wurde. Lästig für Kunden: Für den Verlängerungsstempel mussten sie sich im Reisezentrum anstellen, was gerade zu den Hauptreisezeiten Geduld erfordert.

Inzwischen sind Bahn und Reisebüros dazu übergegangen, die Provisorien gleich auf drei Monate auszustellen. Doch das löst längst nicht alle Probleme. Denn mit den Papier-Karten kann man nicht im Internet buchen, weil sie keine passende Nummer haben, die man auf dem Web-Formular eingeben muss. Kunden erhielten die Auskunft, sie müssten entweder im Reisebüro einen Fahrschein kaufen, plus Service-Gebühr zwischen drei und zehn Euro, oder zum Reisezentrum der Bahn gehen und sich anstellen.

Ein Berliner Reisebüro erklärte auf Anfrage, es gebe wegen der Umstellung auf ein neues Computersystem bei der Bahn-Card-Stelle "ganz viele Schwierigkeiten, aktuell neue Bahn-Cards auszudrucken". Die Bahn-Card-Stelle, bei der die Anträge offenbar wochenlang vor sich hin dümpeln, hat eine Adresse unter der DB-Tochter DB Fernverkehr AG in Frankfurt am Main.

Der neue Direktmarketing-Dienstleister GHP in Bamberg, wo sie tatsächlich gedruckt werden, ist ein Tochterunternehmen der Schweizerischen Post. GHP hat sich vertraglich verpflichtet, zur Herstellung einer Bahn-Card nicht länger als 24 Stunden zu benötigen. "Das garantieren wir", sagt die Pressesprecherin des Unternehmens, Emily Mühlfeld, auf Anfrage. Mühlfeld kennt das Problem, aber: "Es ist uns selber unerklärlich."

Die Anträge benötigten manchmal einen Monat vom Ausfülldatum bis zum GHP-Briefkasten, sagt sie. Wenn sie dort angekommen seien, würden die Daten geprüft, der Auftrag werde an die Fabrik am Ort gegeben, die Rohlinge würden mit Daten und Foto bedruckt, die Bahn-Card werde auf das Anschreiben geklebt und zum Versand direkt zum Kunden gegeben - alles in 24 Stunden. "Wir produzieren zurzeit täglich bis zu 22 000 Bahn-Cards", lässt sich GHP-Geschäftsführer Bernd Reichert im Branchen-Informationsdienst "One-to-one" zitieren. Das reicht rein rechnerisch gut aus, um den Erneuerungsbedarf der 3,5 Millionen Bahn-Cards umgehend zu befriedigen.

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