Lange Schlangen bei Lidl: Tickets der Bahn nur für wenige Minuten

- München - Nach 14 Minuten durfte man bei Lidl am Donnerstagmorgen wieder Gemüse kaufen. Denn knapp eine Viertelstunde nach Kassenstart waren die Billig-Tickets der Deutschen Bahn schon weg. "Wir haben mit viel gerechnet, aber damit nicht", erklärte ein Verkäufer einer süddeutschen Filiale. Rund 200 Tickets gab es in dem Laden zu kaufen. Zu wenig für die vielen Bahnfahrer, die im Morgengrauen aufgestanden waren, um eines der Fahrkartenheftchen für zwei beliebig lange Fahrten innerhalb Deutschlands für 49,90 Euro zu ergattern.

<P>Vor einer Filiale in München stehen bereits vor Ladenöffnung mehrere hundert Menschen Schlange. Viele der Wartenden packen ihre Brotzeitdosen aus und kauen müde ihr Frühstück. Marianne Petzold ist um 6 Uhr aufgestanden, um sich drei Tickets zu kaufen - an die Ostsee will sie. "Das habe ich so geplant, als ich das Angebot gelesen hatte." Lidl-Schlangen schrecken sie nicht: "Als es Billig-Staubsauger gab, war auch so viel los."<BR><BR>Die Erfahrung haben Lisa und Katharina Grözinger nicht. Mit verquollenen Augen rauchen die Mädchen eine Morgenkippe und nippen an einem Pappbecher Kaffee. "Wir machen zum ersten Mal so eine Aktion", erzählt Lisa. "Das ist die erste gute Idee, die die Bahn hatte", meint ihre Schwester. "Wir haben extra überlegt, welchen Lidl wir von den drei Läden in der Nachbarschaft nehmen. So billig kommen wir sonst nie nach Berlin." Es ist ein fröhlicher, bunter Haufen, der sich vor dem Discounter versammelt: Studenten, Männer mit Anzug und ältere Damen mit Einkaufskorb plaudern und lachen. Ein Jugendlicher knipst mit der Digitalkamera Fotos von der immer länger werdenden Schlange.<BR><BR>Erst kurz bevor die Filiale um 8 Uhr öffnet, beginnen die ersten zu drängeln. An der Tür hat sich ein junger Kunde mit finsterem Gesichtsausdruck aufgebaut. Als sich die Türen aufschieben, stürmt er hinein, ein Pulk johlender Menschen hinterher.<BR><BR>Von allen Seiten strömt die Masse zu den Kassen. Die meisten Kunden kaufen gleich fünf Tickets - so viel ist höchstens erlaubt. "Jetzt holt die Bahn die Leute endlich von der Straße", meint eine Frau zufrieden mit ihren Karten wedelnd. Hinter ihr werfen die Leute bange Blicke auf die kleine Papierschachtel, in der ein Häuflein Tickets liegt. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei. Den Enttäuschten bleibt nur übrig, sich mit ihren Telefonnummern in eine der ausgelegten Wartelisten einzutragen. Daran, dass sie angerufen werden, wenn Nachschub kommt, wollen die meisten aber nicht glauben.<BR></P>

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