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Die Zukunft vieler Opel-Arbeiter in Deutschland ist ungewiss.

Autobauer Opel in der Krise:

Wie lange sind wir noch Opel?

Rüsselsheim - “Wir sind Opel“ - fragt sich nur, wie lange noch. Viele Opelaner können ihre knallgelben T-Shirts mit dieser klaren Solidaritätsbekundung zu “ihrer Marke“ möglicherweise bald an den Nagel hängen.

Glaubt man Betriebsräten, Gewerkschaften und Autoexperten, drohen bei dem Autobauer mit dem Verbleib bei der ungeliebten Mutter General Motors (GM) Massenentlassungen in ganz Europa. Vor genau einem Jahr hatte Opel nach einem Absatzeinbruch und massiven Verlusten den Staat zur Hilfe gerufen.

Alle Details:

Schock für die Opelaner: GM will Opel doch nicht verkaufen

Seither wurde zwar wie wild um die Zukunft des maroden Autobauers verhandelt, doch saniert wurde Opel nicht. Das könnte sich nun bitter rächen. Das Jahr Stillstand hat die Situation bei der Marke mit dem Blitz wohl eher verschlechtert - und das trotz des Achtungserfolgs mit dem Mittelklassewagen Insignia und trotz der Abwrackprämie, die den Absatz steigerte. Jeden Monat setzte der Hersteller laut Opel- Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster 100 Millionen Euro in den Sand.

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IG Metall traut GM keine Sanierung zu

Dass die Traditionsmarke überhaupt noch lebt, hat sie nur dem staatlichen Überbrückungskredit zu verdanken. Aber die Entwicklung neuer Antriebstechniken ging nicht recht voran und der dringend erforderliche Abbau von Überkapazitäten lässt auf sich warten. Und was noch schlimmer sein könnte: Das Tischtuch zwischen den Opelanern und dem GM-Management im fernen Detroit wurde in dem ganzen Hick-Hack mit dem überraschenden Ausgang zerrissen. Opel bleibt das, was es seit 80 Jahren ist: Eine große GM-Tochter. Der US-Konzern hat den Rückwärtsgang eingelegt und bei Opel alles wieder auf Anfang gedreht. Die Amerikaner sehen sich als globalen Konzerne mit dem integralen Bestandteil Opel - und dabei soll es bleiben. Warum auch nicht? Nur die Insolvenz und die Angst vor dem Bankrott sowie der massive politische Druck brachten GM dazu, einen Verkauf überhaupt ins Auge zu fassen. Die Bundesregierung versuchte, dem zögernden GM-Management mit 4,5 Milliarden Euro Staatshilfen den Verkauf an den Zulieferer Magna schmackhaft zu machen.

Dabei ist klar: GM braucht Opel und Opel braucht GM. Die Argumente liegen auf der Hand: GM fürchtet um seine globale Wettbewerbsfähigkeit, wenn man Opel davonfahren lässt. Die deutsche Tochter bietet den Zugang zum europäischen Markt - auch in Russland, wo GM sich in Zukunft gute Chancen erhofft.

Die Hauptdarsteller im Opel-Drama

Die Hauptdarsteller im Opel-Drama

Die Amerikaner benötigen die volle Kontrolle über die Technologie von Opel, zumal derzeit auch amerikanische Verbraucher mehr und mehr sparsame Autos kaufen, wie Opel sie produziert. “Der US-Markt gleicht sich dem europäischen Markt an“, sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. “Unter dem Dach von GM ist Opel am besten aufgehoben.“ Doch wie will GM die Sanierung alleine stemmen? Opel braucht Geld, viel Geld. Das muss sich GM über teure Kredite besorgen.

Mindestens sechs Milliarden Euro muss der Mutterkonzern nach Betriebsratsangaben in Opel investieren. Der Konzern selbst plant nur die Hälfte der Summe ein. Um zu sparen, werden massenhaft Stellen verschwinden müssen. Über eine genaue Zahl schweigt GM sich aus. Nach dem Konzept des Bieters Magna sollte jeder fünfte der 55 000 Arbeitsplätze in Europa verschwinden - jetzt dürften es eher noch mehr werden. Und vielleicht wird es ja doch noch Geld vom deutschen Staat geben. Die Bundesregierung hat sich bereits so weit aus dem Fenster gelehnt, dass sie jetzt keinen Rückzieher mehr machen kann. Bei der Option “Rettung oder Untergang“ wird sie sicher einen Weg finden, finanziell zu helfen.

„GM wird die Regierungen erpressen“

“GM wird die Regierungen mit der Androhung von Werksschließungen erpressen“, erwartet der Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) Bamberg, Wolfgang Meinig. Überhaupt liegt das Sanierungskonzept von GM, auch “Plan B“ genannt, noch im Dunkeln. Durchgesickert ist nur, dass GM Entlassungen plant und das Aus für einige Werke ins Auge fasst.

Darunter sind die Motorenfertigung in Kaiserslautern, aber auch das Werk in Eisenach. Noch stehen viele Details aber einfach nicht fest. “Bisher verdaut die Organisation das Thema erst“, sagte ein ranghoher Manager aus dem US-Konzern. So oder so: Der Poker hat auch einen Sieger.

Während der deutsche Autobauer mit Staatshilfen am Leben gehalten wurde, schrumpfte sich GM auf Kosten seiner Aktionäre und Gläubiger gesund. “Die Amerikaner strotzen nach ihrer Insolvenz schon wieder vor Selbstbewusstsein“, sagt Autoexperte Meinig. Er vermutet, dass GM Opel nie verkaufen wollte: “GM hat wohl nur auf Zeit gespielt.“

Die Befürchtungen an diesem “Schwarzen Tag für Opel“, wie der Betriebsrat sagt, sind groß. “Mit Magna wäre es ein Spaziergang geworden“, hieß es am Mittwoch in Rüsselsheim voller Bedauern. Schon im Mai hatte der damalige Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ausgesprochen, was sich nun bewahrheiten könnte: “Es wäre unredlich, ja fahrlässig, wenn man den Mitarbeitern von Opel und deren Familien vorgaukelte, bei Opel könne alles so bleiben wie es ist“. Bei Opel wird es jetzt erst so richtig rund gehen.

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