Geldanlage

Mit langem Atem zum Vermögen

Nur langfristig entstehen Vermögen. Dabei sind auch mit geringen monatlichen Beträgen Renditen von über fünf Prozent zu erzielen. Mit börsengehandelten Indexfonds lassen sich die Erträge aber noch steigern.

Sparzinsen nahe am Nullpunkt, Lebensversicherer mit Minizinsen, überteuerte Immobilien – langfristige Vermögensbildung scheint derzeit mühsam. Aber es gibt Alternativen: „Fondssparpläne sind eine gute Variante“, sagt ein Sprecher des Fondsverbandes BVI. Viele Gesellschaften bieten Sparpläne an, bei denen ein Einstieg schon mit einem monatlichen Betrag von 25 Euro möglich ist. Da keine hohen Summen gezahlt werden müssen, ist Fondssparen auch für die Anlage vermögenswirksamer Leistungen, die der Arbeitgeber zahlt, gut geeignet.

Fonds haben grundsätzlich viele Vorzüge. So können Anleger die Auswahl von Wertpapieren, kurz auch Papiere oder Titel genannt, einem Investment-Profi überlassen. Da der Fondsmanager ein erheblich größeres Vermögen zur Verfügung hat als ein Privatanleger, kann er in viele, unterschiedliche Papiere investieren. Die breite Streuung reduziert das Verlustrisiko des Anteileigners im Vergleich zum Kauf einzelner Titel deutlich. „Fondsanleger sind zudem gut abgesichert“, erklärt der BVI-Sprecher. Fonds gelten rechtlich als Sondervermögen. Im Falle einer Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft (KAG) haben Gläubiger auf das Fondskapital daher keinen Zugriff.

Wer über einen Sparplan Vermögen aufbauen möchte, hat bei der Vielzahl von Fondskonzepten allerdings die Qual der Wahl: Aktienfonds vollziehen die Schwankungen an den Börsen stärker mit als alle anderen Fondstypen. Rentenfonds, die etwa in Staats- und Bankanleihen investieren, legen das Geld des Sparers sicher an, hinsichtlich der Erträge rangieren sie aber unter den Aktienfonds. Mischfonds versuchen, einen Mittelweg zwischen Risiko und Sicherheit zu finden (siehe Tabelle).

Kosten zehren an der Rendite

Mit ein bisschen Geschick lassen sich die Kosten der Fonds reduzieren und die Renditen für jede Anlageart deutlich steigern. Da die Fondskosten stark variieren, ist ein Blick auf Ausgabeaufschläge und Gebühren daher genauso wichtig wie die Wahl der Anlageform. „Die Vertriebskosten, die sogenannten Ausgabeaufschläge also, bewegen sich je nach Fondstyp zwischen 0 und 6,5 Prozent“, sagt der Münchner Finanzexperte German Reng. Dazu kommen noch die Verwaltungsgebühren. Und die schwanken zwischen 0,6 und 2,5 Prozent pro Jahr. Wer beispielsweise bei jeder Einzahlung 5 Prozent des Sparbeitrags verliert und am Jahresende auch noch zwei Prozent des Vermögens für die Verwaltung zahlen muss, kommt nur schwer auf eine vorzeigbare Rendite.

Es geht aber auch anders. Wer es richtig kostengünstig möchte, wählt Sparpläne auf börsengehandelte, passiv gemanagte Indexfonds. Solche Exchange Traded Funds (ETF) werden als passiv gemanagt bezeichnet, weil es keinen Fondsmanager gibt, der aktiv Anlageentscheidungen trifft. ETF bilden stattdessen einfach einen Börsenindex, zum Beispiel den Dax, nach. Dabei schneiden sie nicht schlechter ab als gemanagte Fonds. Weil sie nahezu automatisch laufen, sind sie kaum mit Kosten belastet, was die Rendite enorm aufpoliert.

Eine Vergleichsrechnung der Union Investment Asset Management Holding AG für den Zeitraum vom 31. März 1988 bis zum 31. März 2013 zeigt die Wirkung: Mit einer monatlichen Sparrate von 100 Euro in den UniFonds, einen weit verbreiteten Fonds von Union Investment, der in deutsche Aktien investiert, hätte ein Anleger nach Abzug aller Kosten nach 25 Jahren 67 025,10 Euro erzielt. Die jährliche Rendite hätte sich auf 5,9 Prozent belaufen. Mit einem Sparplan auf ein Dax-ETF wären es 77 584,21 Euro und eine Rendite von 6,9 Prozent pro Jahr gewesen. Das sind über 10 000 Euro mehr, ohne jedes zusätzliche Risiko. Einfach nur durch geringe Kosten.

Die Rechnung ist allerdings ein Modell, da es die kostengünstigen ETF erst seit einigen Jahren gibt. Zudem sind so gute Ergebnisse nur dann zu erzielen, wenn ein Anleger einen entsprechenden Sparplan ohne Ausgabeaufschlag – und damit ohne Beratung – über eine Direktbank oder einen Fondsbroker bezieht. „Dann lassen sich Renditen in ähnlicher Höhe aber durchaus erwirtschaften“, sagt Experte Reng.

ETF sind transparent, denn sie vollziehen immer die Entwicklung des zugrundliegenden Index nach. Mit einer Einschränkung: Das Lob auf ETF gilt nur für sogenannte „voll replizierende“ ETF. Diese Fonds kaufen tatsächlich die Papiere aus dem entsprechenden Index und gewichten sie identisch. Wo Dax draufsteht, ist dann auch Dax drin. Es gibt aber auch ETF, die den Dax abbilden, ohne dass auch nur eine Dax-Aktie im Fonds stecken muss. Diese künstlichen Indexfonds werden „synthetische ETF“ oder „Swap-ETF“ genannt. Sie beruhen auf komplizierten Tauschgeschäften, die für Privatanleger nicht zu durchschauen sind. Zudem sind sie nicht so gut abgesichert wie voll replizierende ETF. Der Grund: Die Tauschgeschäfte macht die Fondsgesellschaft mit einer Bank. Ist diese insolvent, kann ein Teil des Fondsvermögens aufgezehrt werden. Allerdings legen gesetzliche Vorschriften fest, dass dieses Verlustrisiko nicht höher als zehn Prozent sein darf. In der Praxis ist das nicht so leicht zu kontrollieren. Verwechseln kann man die ETF aber nicht. Jede Bank und jeder Broker sagt genau, ob ein ETF „synthetisch“ oder „replizierend“ ist.

Andrea Martens

Rubriklistenbild: © dpa

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