Langfristig sind Aktien unschlagbar

München - Der Montag war nicht der erste schwarze Tag an den Börsen und ganz sicher nicht der letzte. Doch trotz der zyklischen Einbrüche werfen Aktien über Jahre gesehen die höchste Rendite ab. Gerade jüngere Leute sollten das beim Aufbau von Vermögen berücksichtigen.

Die Börsengeschichte besteht aus tiefen Tälern und hohen Gipfeln. Legendäre Kellerstürze wie am 25. Oktober 1929 oder dem 11. September 2001 gehören ebenso zu ihr wie immer wiederkehrende Phasen des Aufschwungs. Vielen Kleinanlegern sind die Aktienmärkte deswegen nicht geheuer, sie gelten als unberechenbares Terrain für waghalsige Spekulanten. Dabei könnte sich ein prüfender Blick auf die Börse für jeden lohnen. Denn trotz aller Hungerjahre zeigen historische Vergleiche: Aktien bringen die höchste Rendite.

Richard Stehle von der Berliner Humboldt Universität hat ausgerechnet, dass Anteilsscheine deutscher Unternehmen von 1955 bis 2006 um durchschnittlich fast zehn Prozent pro Jahr an Wert gewonnen haben. Bundeswertpapiere, die wegen ihres festen Zinssatzes als sichere Alternative gelten, kamen hingegen nur auf 6,7 Prozent, stellte der Wirtschaftsforscher fest. Finanzexperten wie Carsten Klude vom Bankhaus M. M. Warburg in Hamburg kommen deswegen zu dem Schluss: "Aktien oder Aktienfonds machen in fast jedem Depot Sinn."

Verlustfreie 25 Jahre

Das gilt für wenig börsenerfahrene Menschen jedoch nur, wenn sie die Wertpapiere längere Zeit halten. Denn während Renten einen stabilen Ertrag bringen, ist bei Aktien auf kurze Sicht betrachtet gar nichts sicher: 1987 verloren deutsche Titel im Jahresverlauf laut Forscher Stehle fast 34 Prozent, während sie 1997 um 40 Prozent zulegten. Die im Schnitt höhere Jahresrendite müssen sich Anleger also mit einer höheren Risikobereitschaft verdienen.

"Aktien sind nichts für drei bis sechs Monate", sagt Carsten Klude. Wer jedoch über mehrere Jahre in solche Titel investiert, minimiert das Verlustrisiko von Jahr zu Jahr. So gab es nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt seit 1949 keinen 25-Jahres-Zeitraum, in dem die 30 Werte aus dem Deutschen Aktienindex im Durchschnitt nicht mindestens 4,8 Prozent pro Jahr (1959 bis 1984) gewannen. Am profitabelsten war die Zeit von 1974 bis 1999 mit plus 13,5 Prozent.

Finanzberater folgern daraus, dass sich Aktien vor allem für Leute mit einem langen Anlagehorizont eignen. Sie muss es nicht stören, wenn die Kurse vorübergehend sinken, da die Chance gut stehen, dass es wieder nach oben geht - das zeigt zumindest die Vergangenheit. Mit steigendem Alter ist es jedoch ratsam, die Aktienquote im Depot zu senken und auf sichere Vermögensklassen umzuschichten. Sie sollte "100 minus das Anleger Alter" in Prozent betragen, lautet eine Faustregel.

Risiken streuen

Fachleute empfehlen, den Aktienanteil vor allem von der persönlichen Risikoneigung und den finanziellen Möglichkeiten abhängig zu machen. "Wer sich nicht wohlfühlt, muss keine Aktien haben", sagt Herman-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest", die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird. Zugleich spricht nach seiner Ansicht nichts dagegen, im Alter Aktien zu kaufen: "Das ist durchaus vertretbar, wenn man sonst genug hat, um sicher über die Runden zu kommen."

Wer in Aktien investieren will, braucht nicht nur den nötigen Überblick, sondern auch genug Kapital. Erst ab einer Summe von 10 000 Euro macht es Sinn, in einzelne Titel zu investieren. Denn Anleger sollten niemals nur auf ein Pferd setzen, sondern mindestens Anteile an sechs bis sieben Firmen erwerben. "Oberstes Gebot ist es, das Geld über Märkte und Branchen breit zu streuen, um das Risiko zu senken", sagt Carsten Klude. Empfehlenswert sind große Gesellschaften, die zur Dax- oder M-Dax-Familie gehören.

Alternative Fonds

Anleger, die nicht ausreichend Kapital besitzen, können über Fonds von Kursgewinnen am Aktienmarkt profitieren. Dabei handelt es sich - vereinfacht gesagt - um große Depots mit Aktien, an dem sich Kleinanleger gegen Gebühren beteiligen können. Verwaltet werden solche Wertpapier-Pools von Banken. Bei der Auswahl empfehlen Anlegerschützer breit gestreute Fonds, die welt- oder europaweit investieren. Eine Liste mit guten Angeboten findet sich jeden Monat in der "Finanztest".

Trotz aller Renditechancen raten die meisten Beobachter derzeit davon ab, in den Aktienmarkt einzusteigen. "Ich glaube nicht, dass noch viel passiert", sagt Wirtschaftsprofessor Stehle. "Aber die Anleger sollten erst mal abwarten, wie es weitergeht."

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