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Das vergangene Jahr war für MAN wenig erfreulich - und 2015 dürfte kaum besser werden.

Nutzfahrzeuge

Lastwagenbauer MAN erwartet schwaches Jahr

München - Nach einer halben Milliarde Verlust 2013 schreibt MAN wieder schwarze Zahlen. Doch der Sprung täuscht: Die VW-Tochter hat an vielen Fronten zu kämpfen.

Der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN richtet sich nach einem durchwachsenen Jahr auf eine weitere Durststrecke  ein und verschärft seine Sparanstrengungen. Vor allem die weiter schlecht laufenden Geschäfte in Brasilien  werden der Volkswagen-Tochter weiter zu schaffen machen - und zwar so stark, dass auch eine leichte Erholung auf den europäischen Lkw-Märkten das kaum ausgleichen wird, wie Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen am Mittwoch in München sagte.

Wie viel Geld der Konzern einsparen will, verriet Pachta-Reyhofen aber nicht. Bisher schon gab es ein Sparprogramm in der Sparte Truck & Bus, das die Kosten bis 2017 um 600 Millionen Euro drücken sollte. Das Programm sei nun auf die gesamte Gruppe ausgedehnt worden. Truck & Bus steht für knapp 60 Prozent des MAN-Umsatzes. Werksschließungen seien aber kein Thema, sagte Spartenchef Anders Nielsen.

Einen möglichen Abbau von Arbeitsplätzen wollte Nielsen zwar nicht ausschließen. Es sei aber das Ziel, ohne auszukommen. Aber: „Wir schauen uns alle Lösungsmöglichkeiten an.“ Konkrete Pläne gebe es aber nicht. „Zielsetzung ist, eine Zukunftsperspektive für alle Mitarbeiter zu finden.“ Noch immer werde etwa im Werk Salzgitter kurz gearbeitet. Derzeit werde mit dem Betriebsrat über viele verschiedene Lösungen gesprochen.

Einen Beitrag soll zudem die engere Zusammenarbeit mit der VW-Schwester Scania leisten. Bei den Schweden lief es 2014 allerdings erheblich besser als bei MAN. Die Zugehörigkeit beider Lkw-Hersteller zum VW-Konzern bringe bereits Vorteile. „Auf diesem Weg wollen wir weiter gehen und nehmen, nach einer ersten Phase der Sondierung, nun ganz konkret die nächste Stufe der Zusammenarbeit mit Scania und Volkswagen Nutzfahrzeuge in Angriff“, heißt es in dem Bilanzbuch.

Im vergangenen Jahr machte dem Nutzfahrzeuggeschäft vor allem Brasilien zu schaffen. Das Land ist für MAN ein wichtiger Markt. Doch der rutschte 2014 in die Krise, das Unternehmen verkaufte deutlich weniger Lastwagen und verdiente vor allem viel weniger Geld. Der operative Gewinn der Sparte Latin America schrumpfte von 220 Millionen Euro auf noch 65 Millionen Euro zusammen. Und auch 2015 dürfte es noch weiter nach unten gehen. Auch die Sparte Truck & Bus, in der das vor allem in Europa tätige Lkw- und Bus-Geschäft gebündelt ist, musste herbe Rückgänge hinnehmen.

Dort sank der operative Gewinn von 244 auf 152 Millionen Euro. Ein Grund: Vor der Einführung der teuren Euro-6-Motoren hatten viele Spediteure noch 2013 günstigere Euro-5-Lastwagen geordert und bestellten 2014 kaum. Spartenchef Anders Nielsen will mittelfristig allerdings rund 800 Millionen Euro operativ verdienen. Ohne weitere Kostensenkungen dürfte dieses Ziel in den kommenden Jahre allerdings nur schwerlich zu erreichen sein. Angesichts der Umstände habe MAN „ein passables Ergebnis erzielt“, sagte Pachta-Reyhofen.

Konzernweit sank der Umsatz bei MAN 2014 um 10 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn hingegen stieg von 309 auf 384 Millionen Euro, allerdings vor allem wegen wegfallender Sonderlasten, die 2013 die Bilanz erheblich belastet hatten. Unter dem Strich stehen mit einem Gewinn von 267 Millionen Euro wieder schwarze Zahlen. 2013 hatten die Sondereffekte MAN einen Verlust von 513 Millionen Euro eingebrockt.

MAN-Chef verdient weniger

Georg Pachta-Reyhofen.

Georg Pachta-Reyhofen, Vorstandssprecher des Lastwagen- und Maschinenbauers MAN, hat 2014 deutlich weniger Geld verdient. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, betrug die Vergütung des Managers 2014 insgesamt knapp 1,2 Millionen Euro, rund ein Viertel weniger als im Vorjahr. Bereits damals hatte er einen Rückgang hinnehmen müssen. Pachta-Reyhofen ist aber nicht der Spitzenverdiener bei der VW-Tochter. Das ist der im Herbst 2012 zu MAN gewechselte frühere Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen, der bei MAN die Beschaffung verantwortet. Er bekam mit rund 3 Millionen Euro zwar gut 5 Prozent weniger, verdiente aber mehr als das Doppelte von Pachta-Reyhofen.

Alter Industriekonzern MAN ist eine junge VW-Tochter

Der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN ist eines der ältesten deutschen Industrieunternehmen und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Wurzeln des Konzerns reichen zurück bis zur 1758 gegründeten Eisenhütte St. Antony in Oberhausen.

1897 baute der Ingenieur Rudolf Diesel den ersten Dieselmotor für die damalige Maschinenfabrik Augsburg AG. 2011 übernahm Volkswagen die Aktienmehrheit, im Jahr darauf erhöhten die Wolfsburger ihren Anteil auf mehr als 75 Prozent. Damit ist MAN eine der vielen Töchter des VW-Konzerns. Weltweit beschäftigen die Münchner, die neben Lkw auch Schiffsdiesel und Kraftwerksturbinen fertigen, gut 52.000 Menschen, davon gut 32.000 in Deutschland.

2014 lag der Umsatz bei knapp 14,3 Milliarden Euro. MAN ist nach der Kernmarke Volkswagen und Audi die drittgrößte Marke im VW-Konzern.

Hintergrund: Der europäische Lastwagenmarkt

Leichte und schwere Lastwagen sind in Europa für viele Unternehmen das Transportmittel der Wahl. 75 Prozent der Waren und Güter, die auf dem Kontinent von A nach B geschafft werden, fahren auf der Ladefläche von Lkw - insgesamt rund 18 Milliarden Tonnen pro Jahr. Und die Tendenz weist nach oben.

Für die Hersteller der Nutzfahrzeuge eigentlich gute Aussichten: Der Bedarf an modernen, sparsamen und umweltfreundlichen Lastwagen wächst. Doch der Wettbewerb ist hart, denn Spediteure kalkulieren knallhart. Und sparsamere Motoren kosten in der Entwicklung viel Geld. Geld, das angesichts eines scharfen Preiskampfes zwischen den Herstellern erst verdient werden muss.

Daneben ist der Lkw-Markt sehr anfällig für Konjunkturschwankungen. Schwächelt die Wirtschaft, schrumpfen die Transportausgaben - Neuanschaffungen werden storniert oder neue Fahrzeuge gar nicht erst bestellt. Besonders schmerzhaft war für die Branche die weltweite Finanzkrise vor sechs Jahren. Nach dem Boomjahr 2008 mit überquellenden Auftragsbüchern brach der Markt 2009 beinahe über Nacht zusammen.

Ganz so dramatisch waren die folgenden Jahre zwar nicht, doch die schlechte Wirtschaftslage in vielen Ländern Europas bremste die Branche deutlich. Und so wecken die Erholung in manchen Staaten und der Aufschwung in Deutschland die Hoffnung auf eine deutliche Erholung des Lastwagenmarkts.

dpa

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