LBBW prüft mögliche Fusion mit BayernLB

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Stuttgart (dpa) - In die Dauerdebatte um eine Neuordnung der Landesbanken kommt wieder Bewegung: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) will noch in diesem Jahr prüfen, ob eine Fusion mit der BayernLB grundsätzlich möglich ist.

"Bis zum Ende des Jahres werden wir in der Lage sein zu beurteilen, ob ein Zusammenschluss mit der BayernLB trägt", sagte der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schneider, am Dienstag in Stuttgart. Derzeit würden vorbereitende Gespräche geführt, offizielle Fusionsgespräche gebe es aber nicht. Bei der BayernLB hieß es dazu, die Frage eines möglichen Zusammenschlusses sei Sache der Anteilseigner. "Unsere Eigentümer haben schon mehrfach deutlich gemacht, dass mit Blick auf die Zukunft sämtliche Optionen vorurteilsfrei geprüft werden", sagte ein Sprecher. "Vor diesem Hintergrund wurden und werden verschiedene Gespräche geführt."

Für die angeschlagene WestLB ist derweil kein Fusionspartner in Sicht - die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die LBBW winken ab. "Wir können das Problem WestLB nicht lösen. Wir würden uns damit heillos überheben", sagte Schneider, der auch Verwaltungsrats- Vorsitzender der größten deutschen Landesbank LBBW ist. Für die Branche sei es dennoch wichtig, bald eine Konzept zu finden. Eine Möglichkeit sei ein Zusammengehen der WestLB mit der DekaBank und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). "Diese Idee muss man sich anschauen", sagte Schneider.

Die Helaba trat Spekulationen über einen solchen Zusammenschluss entgegen. "Mitunter gibt es auf der nach oben offenen Fantasieskala besonders heftige Ausschläge", sagte der scheidende Helaba- Vorstandsvorsitzende Günther Merl der "Börsen-Zeitung" (Dienstag). Ihm sei kein "Masterplan" zu einem solchen Dreierbündnis bekannt.

Die WestLB war durch Fehlspekulationen und die Finanzmarktkrise in Bedrängnis geraten und war in die roten Zahlen gerutscht. Die Eigentümer stabilisierten die nordrhein-westfälische Landesbank mit milliardenschweren Garantien. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sieht bei der Partnersuche für die WestLB die Sparkassenverbände am Zug. Er gehe davon aus, "dass die Sparkassenverbände als Mehrheitseigentümer zur gegebenen Zeit entsprechende Vorschläge machen", sagte Rüttgers.

Einen Fusion von BayernLB, LBBW und WestLB sieht Schneider eher skeptisch. "Das wäre zu schwierig." Wenn die LBBW gefordert sei, einen weiteren Beitrag zur Konsolidierung der Branche zu leisten, sei aus Sicht der Sparkassen eine Verbindung mit der BayernLB die beste Lösung. "Aber das bedarf großer Sorgfalt." Die Strukturen beider Häuser seien völlig unterschiedlich, aber nicht unvereinbar. "Es ist sehr wert, dass man es sich anschaut." Bei einer möglichen Fusion von LBBW und BayernLB würden sich die beiden größten deutschen Landesbanken zusammenschließen. Die WestLB ist gemessen an der Bilanzsumme Nummer 3.

"Die Konsolidierung der Landesbanken ist dringender denn je. Aber es ist auch schwieriger denn je", sagte Schneider. "Aus Sicht der Sparkassen gibt es nur eine Antwort: Die Reduzierung der Landesbanken auf eine deutlich kleinere Zahl als bisher." Das Geschäftsmodell einer neuen, großen Landesbank müsse ertragsstark sein und die Risiken müssten beherrschbar sein und bleiben, sagte der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbandes. Der Verband ist mit dem Land Baden-Württemberg der Hauptanteilseigner der LBBW. Beide halten jeweils 35,6 Prozent des Stammkapitals an der Landesbank.

Auch Helaba-Chef Merl zeigte sich grundsätzlich offen für neue Strukturen bei den öffentlich-rechtlichen Instituten: "Wir stehen für eine sinnvolle Konsolidierung zur Verfügung. Das haben unsere Träger auch zum Ausdruck gebracht." Die Landesbank Hessen-Thüringen gehört zu 85 Prozent den Sparkassen, den Rest halten die Länder Hessen (10 Prozent) und Thüringen (5 Prozent). Ende Februar hatten die Sparkassen in Hessen und Thüringen der angeschlagenen WestLB einen Korb gegeben und deren Fusionsbegehren ausgeschlagen.

Merl betonte, bei Zusammenschlüssen dürfe es nicht um reine Größe gehen, auch die Zahl der Landesbanken - derzeit gibt es noch sieben selbstständige - dürfe kein allein entscheidendes Kriterium sein. "Entscheidend für den Erfolg und die Zukunftsfähigkeit der Landesbanken sind die Geschäftsmodelle."

Im Zuge der Finanzkrise mussten etliche Landesbanken Milliardenbelastungen verkraften, die Sachsen LB wurde überstürzt an die LBBW verkauft. Schneider sagte, er gehe davon aus, dass Banken auch im zweiten Quartal mit der Finanzmarktkrise zu kämpfen hatten. "Die Belastungen werden nicht weg sein."

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