LBBW weiter an WestLB interessiert

Stuttgart/Düsseldorf - Auch nach dem Kauf der Sachsen LB streckt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit Nachdruck ihre Fühler nach der WestLB aus. Die LBBW sei unverändert für eine Fusion mit der WestLB zum zweitgrößten deutschen Geldhaus offen.

Dies sagte Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) in Stuttgart. Wegen des deutlichen Widerstands des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) rechne er aber nicht mit einer Einigung in absehbarer Zeit. Ein Durchbruch bei der außerordentliche Versammlung des Rheinischen Sparkassenverbandes zur Zukunft der WestLB am Montagnachmittag in Düsseldorf sei daher auch nicht zu erwarten.

Der Finanzminister forderte die Eigentümer der WestLB auf, eine eindeutige Position zu beziehen. "Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände sind sehr interessiert", hob Stratthaus erneut hervor. Sein Düsseldorfer Parteifreund Rüttgers zeige aber derzeit keine Bereitschaft an einem Zusammengehen der beiden Banken.

Der Regierungschef hatte jüngst stattdessen einen eigenen Vorschlag für die Neuordnung der Landesbanken erarbeitet. Danach sollen WestLB, NordLB, HSH Nordbank und die Berliner Bank eine Nordgruppe bilden. Im Süden soll die LBBW nach einem "Focus"-Bericht mit Bayern LB und Helaba fusionieren. Stratthaus lehnte den Plan ab. Er sehe "keinen besonderen Sinn in dieser Konstellation".

Die LBBW hatte erst am Sonntag in einer schnellen Hilfsaktion die Landesbank Sachsen aus einer milliardenschweren Schieflage wegen Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt gerettet. Am Sonntagabend unterzeichneten die Eigentümer der beiden Banken eine Grundlagenvereinbarung über die Übernahme.

Seit Montag haben die Stuttgarter damit das Sagen bei der sächsischen Bank. Sachsen und die Sachsen-Finanzgruppe übertragen ihre Anteile an der Sachsen LB der Stuttgarter Bank und werden dafür an der LBBW beteiligt, teilte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) mit. Der endgültige Kaufpreis werde mit der abschließenden Bewertung zum 31. Dezember 2007 festgestellt, weil die Turbulenzen auf den Finanzmärkten eine faire Bewertung derzeit nicht zuliessen, hieß es.

Als Soforthilfe überweise die LBBW Eigenkapital in Höhe von 250 Millionen Euro nach Sachsen. Die LBBW wachse im nationalen Maßstab und "Sachsen bekommt einen fairen Partner", erklärte Oettinger. Die Sachsen LB wird derzeit mit 300 Millionen Euro bewertet.

Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hatte sich für die über das Wochenende durchgezogene Rettungsaktion auf eine Notlage berufen. Milbradt befand, dass mit der LBBW ein starker Partner gefunden worden sei. "Die Sachsen LB kommt aus stürmischer See in einen sicheren Hafen. Für den sächsischen Haushalt, die Sparkassen und ihre Kunden ist diese Entscheidung die richtige Weichenstellung", sagte der CDU-Politiker.

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