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Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind erstmals seit 20 Jahren gesunken.

Lebenshaltung erstmals seit 1987 billiger

Wiesbaden - Sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben das Leben in Deutschland erstmals seit mehr als 20 Jahren billiger gemacht.

Im Juli verbilligten sich die Verbraucherpreise dem Statistischen Bundesamts zufolge um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und damit erstmals seit dem Frühjahr 1987. Auch im Großhandel fallen die Preise im Rekordtempo: Die Statistiker registrierten im Juli ein Minus von 10,6 Prozent. Einen so hohen Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat habe es seit Beginn der Statistik im Jahr 1968 nicht gegeben.

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Ein Sinken der Verbraucherpreise wurde dem Bundesamt zufolge in Deutschland zuletzt im März 1987 mit minus 0,3 Prozent gemessen. Seit der Wiedervereinigung wurde in Gesamtdeutschland eine so niedrige Inflation noch nicht registriert. Die Statistiker korrigierten zugleich ihre Schätzung des Verbraucherpreisindex für Juli leicht nach oben: Sie waren zunächst von einem Rückgang der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr von sogar 0,6 Prozent ausgegangen. Im Vergleich zum Vormonat Juni blieb der Verbraucherpreisindex unverändert. Ohne die Berücksichtigung von Energie und Lebensmitteln hätte die Inflationsrate im Juli bei 1,4 Prozent gelegen.

Minus 11,5 Prozent bei Energie

Haushaltsenergie und Kraftstoffe waren im Juli insgesamt 11,5 Prozent günstiger als im gleichen Monat des Vorjahres. Erhebliche Rückgänge verzeichnete das Bundesamt etwa bei leichtem Heizöl (minus 44,7 Prozent) oder bei Kraftstoffen (minus 20 Prozent). Auch Gas war um 3,3 Prozent günstiger. Anders sieht es beim Strom aus, für den Verbraucher 6,6 Prozent mehr zahlen mussten. Lebensmittel verbilligten sich unterm Strich um 2,4 Prozent. Erheblich Preisrückgänge wurden etwa bei Quark mit einem Minus von 25,6 Prozent, frischer Vollmilch (21 Prozent billiger) und Butter (18,9 Prozent günstiger) registriert.

Auch Gemüse und einige Obstsorten waren günstiger. Tiefer mussten die Kunden allerdings für Fleisch und Fisch in die Tasche greifen (2,5 beziehungsweise 3,5 Prozent teurer). Zwtl: Getreide und Futtermittel 32,1 Prozent billiger Im Großhandel wurden besonders heftige Preisrückgänge bei Erzen, Metallen und Metallhalbzeug festgestellt, wo das Bundesamt ein Minus von 33,8 Prozent registrierte. Die Preise für feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse verringerten sich im Vorjahresvergleich um 26,8 Prozent. In der Landwirtschaft und im Nahrungsmittelsektor stürzten die Preise ebenfalls: Im Vorjahresvergleich wurden Getreide, Saaten und Futtermittel 32,1 Prozent billiger, Obst, Gemüse und Kartoffeln verbilligten sich um 13,9 Prozent.

Deflation wohl nicht zu erwarten

Schon bei Bekanntgabe der vorläufigen Schätzung zu den Verbraucherpreisen hatten Analysten der Commerzbank/Dresdner Kleinwort darauf hingewiesen, dass die Inflation ihrer Einschätzung nach nur vorübergehend negativ verlaufe. Eine Deflation - also dauerhaft fallende Preise auf breiter Front - sei aber nicht zu erwarten. Deflation herrscht nach Definition der Deutschen Bundesbank, wenn es einen anhaltenden Rückgang des allgemeinen Preisniveaus gibt. Somit könne davon nicht gesprochen werden, wenn die gesamtwirtschaftliche Teuerungsrate lediglich vorübergehen unter Null sinkt, zum Beispiel aufgrund einer reichhaltigen Ernte, eines vorübergehenden Rückgangs der Ölpreise oder wegen einer überraschenden Aufwertung der heimischen Währung.

AP

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