Wo die Lebensmittel herkommen

Verbraucher, die genauer wissen wollen, wo die Lebensmittel eigentlich herkommen, die sie täglich essen, bekommen nicht immer eine befriedigende Antwort. Einige Siegel oder Aufdrucke liefern jedoch zumindest eine gewisse Transparenz.

Gesetzlich verpflichtend ist die Angabe derzeit bei Frischobst und Frischgemüse, Honig, Olivenöl, Eiern, Rindfleisch und Fisch, Krebs- und Weichtieren. Frisches Obst und Gemüse muss mit dem Ursprungsland gekennzeichnet werden – die Ausnahmen sind u. a. Frühkartoffeln, Oliven, Bananen und Ananas, Obst und Gemüse in Konserven und Tiefkühlware.

Vorbild Hühnerei

Vorbildlich ist die Kennzeichnung der Hühnereier. Jedes Hühnerei, das in den Handel kommt, muss mit einem Erzeuger-Code mit dem Aufdruck der Haltungsform, dem Herkunftsland und der Legebetriebsnummer gestempelt sein. Beispiel: 2–DE-0924041 = 2 steht für Bodenhaltung, die Buchstaben DE für Deutschland, die Nummer ist die des Legebetriebes. Grundsätzlich gilt: 0 steht für Ökohaltung,1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung, 3 für Käfighaltung. Bei verarbeiteten Eiern entfällt eine Angabe.

Vorsicht bei Fleisch

Bei unbehandeltem frischem, gekühltem und gefrorenem Rindfleisch muss das Land der Geburt, der Mast, der Schlachtung und der Zerlegung angegeben sein. Doch Vorsicht! Sobald das Rindfleisch weiter verarbeitet wird, beispielsweise durch die Zugabe von Salz oder das Einlegen in Marinade, entfällt die Etikettierungspflicht. Fische, Krebs- und Weichtiere müssen europaweit mit dem Fanggebiet und der Produktionsmethode ausgewiesen werden. Verarbeitete Ware muss nicht gekennzeichnet werden.

Vages bei Öl & Honig

Natives Olivenöl und natives Olivenöl extra trägt den Namen des Ursprungslandes. Handelt es sich um Mischungen, schreibt das Gesetz die Kennzeichnung „Verschnitt von Olivenölen aus der Gemeinschaft“, „Verschnitt von Olivenölen aus Drittländern“ oder „Verschnitt von Olivenölen aus der Gemeinschaft und aus Drittländern“ vor. Auch bei Honig muss das Herstellungsland deklariert werden. Bei Mischungen genügt die Angabe „aus EG-Ländern“, „aus Nicht-EG-Ländern“ oder „aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern“. Das konkrete Ursprungsland erfährt man also weder bei Oliven- noch bei Honigmischungen. Aber immerhin dienen die Angaben einer groben Orientierung.

Was Label bedeuten

Das Genusstauglichkeitszeichen oder auch Identitätszeichen beweist, dass das Produkt in einem Betrieb verarbeitet wurde, der die hygienischen Anforderungen erfüllt. An diesem Zeichen kann nur erkannt werden, wo das Produkt zuletzt be- oder verarbeitet wurde. Woher die Rohstoffe stammen, erfährt man nicht. Die Bundesländer werden mit ihren Abkürzungen gekennzeichnet. In Bayern, abgekürzt BY, kann man zumindest davon ausgehen, dass die Frischmilch zu ca. 80 Prozent aus Bayern kommt.

Das bayerische Label „Öko-Qualität garantiert in Bayern“ weist auf den hohen Qualitätsstandard und die Regionalität – Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung in Bayern – hin. „Geprüfte Qualität Bayern“ garantiert strenge Auflagen und stetige Kontrollen über die Produktions- und Handelskette. Eingebunden ist der regionale Herkunftsnachweis.

Europäische Labels geben den Herstellern die Möglichkeit, mit der Herkunft und/oder mit definierten Qualitätsstandards zu werben. Hier gibt es zum einen die „Geschützte geographische Angabe“. Die besagt, dass das Produkt in dem betreffenden Gebiet erzeugt und/oder verarbeitet und/oder hergestellt wurde. Zu erkennen ist auf der Verpackung das blau-gelbe Emblem. Beispiele sind Nürnberger Bratwurst, Thüringer Rostbratwurst, Schwarzwälder Schinken, Südtiroler Speck, Nürnberger Lebkuchen oder Dresdner Stollen.

Die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ wird in Zukunft in den Farben Rot-Gelb gekennzeichnet. Hier gelten strengere Anforderungen. Das Produkt muss in einem genau festgelegten Gebiet nach bestimmten Kriterien erzeugt und verarbeitet und hergestellt werden. Hierzu zählen Produkte wie Parmaschinken, Allgäuer Emmentaler, Allgäuer Bergkäse und Feta.

Codes helfen nicht

Viele Verbraucher wollen aus dem EAN-Code, der europäischen Artikelnummer die Herkunft der Lebensmittel erkennen. Das ist nicht möglich, denn die 13-stellige Zahlen des maschinenlesbaren Strichcodes geben keine Auskunft, wo das Produkt tatsächlich hergestellt wurde. Sogenannte Basisnummern können in jedem europäischen Land beantragt werden. Die Länderkennung kann das Land der Herkunft, der Verpackung oder der Verarbeitung sein. Kritischen Verbrauchern bleibt nur ein stetiges Interesse an der Bedeutung der Lebensmittelkennzeichnung. Sie müssen sich selbst informieren, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale oder im Internet unter www.label-online.de.

Von Heidrun Schubert, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern

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