Lebensmittel

Jeder fünfte Euro für Regionalprodukte

München – Der Lebensmittel-Einzelhandel in Bayern hat im vergangenen Jahr erneut zugelegt. Er steigerte seinen Umsatz um 2,5 Prozent auf insgesamt 26 Milliarden Euro – das ist der fünfte Zuwachs in Folge.

Dabei gingen die Umsätze von Discountern und kleinen Supermärkten leicht zurück. Große Supermärkte mit Verkaufsflächen zwischen 1200 und 3000 Quadratmetern waren dagegen umso mehr auf der Gewinnerseite, wie Matthias Zwingel, Vizepräsident des Handelsverbands Bayern (HBE) sagt.

Offenbar begünstigt das Bedürfnis der Verbraucher nach zunehmender Vielfalt größere Märkte. Eigenmarken des Handels sind nicht mehr nur im Billig- oder Standard-Segment zu finden. Immer mehr Ketten – und auch Discounter – bieten unter eigenem Etikett inzwischen auch ein ausgedehntes Feinkost-Sortiment zum höheren Preis an. Diese von den Verbrauchern offenbar gewünschte Vielfalt braucht Platz, was den Trend zu größeren Geschäften erklärt. Ebenso der anhaltende Trend zu regionalen Lebensmitteln. Viele Verbraucher suchen gezielt danach. Jeder fünfte Euro wird derzeit schon für Lebensmittel aus der jeweils näheren Umgebung ausgegeben. Parallel steigt auch die Nachfrage nach Bioprodukten. Ihr Anteil liegt gegenwärtig zwischen fünf und sechs Prozent. Weil es zwischen beiden Produktgruppen auch Überschneidungen gibt, beträgt der Umsatzanteil von Regional- und Bioprodukten inzwischen knapp ein Viertel.

Nur auf den ersten Blick wirkt der Umsatzanteil von veganen und vegetarischen Lebensmitteln noch gering: 0,5 Prozent. Doch das trügt. Erfasst werden hier nur Produkte, die als Fleisch- oder Fischersatz dienen. Etwa Veggie-Fischfilets oder die vegane Currywurst. Obst und Gemüse oder beispielsweise Tomatenkonserven, Produkte, die schon von Haus aus vegan sind, werden nicht erfasst. Der Trend in dieser Richtung dürfte anhalten. Von zweistelligen Zuwachsraten spricht HBE-Geschäftsführer Alexander Spickenreuther.

Unklar ist dagegen noch, wann sich ein europaweit schon deutlich spürbarer Trend auch in Deutschland breitmacht: Der Lebensmitteleinkauf online hat in anderen europäischen Ländern bereits einen Umsatzanteil von über fünf Prozent, in Deutschland aber gerade 0,4 Prozent.

Das ist ein verstecktes Lob für die deutschen Händler und ihr vergleichsweise engmaschiges Netz an Lebensmittelgeschäften. Doch es ist kein Grund, sich darauf auszuruhen. Zwingel ist sich sicher, dass Menschen in Zukunft vermehrt ihre Lebensmittel übers Internet bestellen. Die Frage für den Handel sei, wer als erstes ein wettbewerbsfähiges Modell habe. „Alle suchen derzeit nach dem Erfolgsrezept“, sagt er.

Denn leicht zu machen ist das alles nicht. Verpackung und Transport von Frische-Produkten ist teuer. Dagegen kann der Online-Handel beim Personal und den Investitionskosten sparen. Zwingel glaubt auch, dass viele Kunden wegen der gesparten Zeit Preise akzeptieren, die höher liegen als im klassischen Handel.

Mit zehn bis 20 Prozent Online-Anteil, rechnen Experten für 2020. Das wird für die renditeschwächeren der 9000 Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland zur Überlebensfrage. „Es werden immer weniger“, sagt Zwingel. „Der Online-Handel wird diese Entwicklung beschleunigen.“

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa-mzv

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