Lebensmittel: Preisschraube dreht sich munter weiter

Berlin / Wiesbaden - Was bei Milchprodukten schon geschehen ist bzw. bald geschehen wird, soll nun auch andere Nahrungsmittel treffen. Einkaufen wird immer teurer.

Wer meinte, mit der Preisexplosion bei Milchprodukten sei es getan, der wird enttäuscht. Die Liste von Lebensmitteln, die teurer werden bzw. die nach den Vorstellungen der Erzeuger und deren Verbänden teurer werden müssen, wird immer länger. Da finden sich neben Milch, Butter, Quark und Joghurt auch Brot, Semmeln und Schokolade. Und gestern ergänzte der Präsident des Deutschen Bauernverbands Gerd Sonnleitner die Litanei noch um Fleischprodukte.

"Auch die Preise für Schweine- und Rindfleisch müssen sich dringend erhöhen, damit die Bauern wettbewerbsfähig bleiben", sagte Sonnleitner der "Passauer Neuen Presse". In den letzten Jahrzehnten seien Nahrungsmittel im Verhältnis zu den Löhnen immer billiger geworden, betonte er. Das Einkommen der Bauern sei gesunken, gleichzeitig mussten sie aber immer mehr für Löhne, Energie oder Dünger bezahlen.

Derzeit kostet beispielsweise ein Schweineschnitzel im Handel durchschnittlich 6,34 Euro das Kilo. Vor zehn Jahren waren es noch 7,56 Euro, so die Zahlen der ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtstelle). Auch der Preis für Schweinebraten sank von 6,63 Euro im Jahr 1997 auf aktuell 4,91 Euro. Ein Kilo Rinderhackfleisch dagegen verteuerte sich von 4,64 Euro auf 5,52 Euro.

Doch damit nicht genug, denn auch aus dem Geflügel-Lager droht ein Preissprung. Der Grund: Die Futterkosten für Geflügel, die etwa 60 Prozent der Erzeugungskosten ausmachen, sollen im Vergleich zum Vorjahr um fast 100 Prozent gestiegen sein. Deshalb hat der Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger und der Verband Deutscher Putenerzeuger eine zwingend erforderliche Anhebung der Handels- und Endverbraucherpreise für Geflügelfleisch gefordert. Nur auf diesem Wege sei es möglich, die dramatisch gestiegenen Erzeugungskosten infolge nahezu inflationärer Preiserhöhungen von Futtergetreide aufzufangen.

Immer öfter im Gespräch steht in diesem Zusammenhang der wachsende Wettbewerb um Feldfrüchte durch Bio-Energie. So ist der Anbau von Silomais, der als Rohstoff für Biogasanlagen verwendet wird, in Deutschland derzeit auf seinem bisherigen Höchststand, während die Getreideanbaufläche auf dem niedrigsten Stand seit 1995 ist.

Dreht sich die Preisschraube in dieser Form weiter, kommen auf die deutschen Haushalte jede Menge Mehrbelastungen zu - auch wenn Nahrungsmittel nur einen vergleichsweise geringen Prozentsatz der Gesamtlebenshaltungskosten ausmachen - neun Prozent waren es laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2000.

Durch die angekündigten Preissteigerungen bei Milch und Butter würden die Bundesbürger im Schnitt knapp 50 Euro mehr im Jahr zahlen müssen. Über 20 Euro mehr im Monat müsste dagegen eine vierköpfige Familie für Molkereiprodukte insgesamt bezahlen, geht man von einer 50-Prozent-Steigerung und einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 2000 und 2600 Euro aus. Knapp 250 Euro verbrauchte eine so konstellierte Familie 2003 insgesamt jeden Monat allein für Nahrungsmittel. Dabei entfielen knapp 14 Prozent auf Brot und Getreideerzeugnisse, 18 Prozent auf Fleisch und Fleischwaren und 12 Prozent auf Obst und Gemüse.

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