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Frische Lebensmittel aus der Region gelten als umweltfreundlich und ökologisch sinnvoller als importierte Ware.

Lebensmittel: Regional – der Umwelt zuliebe

München - Frische Lebensmittel aus der Region gelten als umweltfreundlich und ökologisch sinnvoller als importierte Ware. Das ist aber nur unter bestimmten Bedingungen so. Der Verbraucher spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Energie sparen, Klima schonen, die Welt retten – zumindest ein bisschen; diese hehren Ziele schweben auch über dem alltäglichen Einkauf. Wer sich bewusst und kenntnisreich mit den richtigen Lebensmitteln eindeckt, kann nicht nur sich, sondern auch der Umwelt etwas Gutes tun und gleichzeitig die regionale Wirtschaft fördern. Das haben die Forscher des Heidelberger Instituts für Energie und Umweltforschung (IFEU) festgestellt.

In ihrer Untersuchung haben sie die Ökobilanz von regionalen und überregionalen Lebensmitteln analysiert und dabei die unterschiedlichen Lebenswege eines Produktes betrachtet. Angefangen bei der Dünge- bzw. Futtermittelproduktion, dem Anbau bzw. der Aufzucht, bis hin zur Weiterverarbeitung, Verpackung, Lagerung, weiter in den Verkauf und auf den Tisch des Verbrauchers – inklusive aller Transportwege.

Äpfel

Für Äpfel gilt: Je weiter der Transportweg, desto schlechter die Umweltbilanz. Selbst wenn regionale Äpfel sechs Monate lang im Kühlhaus lagern, sind sie immer noch besser als die importierten Artgenossen aus Neuseeland, die über 20 000 Kilometer per Schiff und Lkw hinter sich haben, bevor sie im deutschen Supermarkt landen. Laut Studie sind Äpfel von heimischen Streuobstwiesen auf dem Wochenmarkt am klimafreundlichsten.

Kopfsalat

Im Sommer wächst Kopfsalat auch in Deutschland ohne zusätzliche Wärmezufuhr im Freien. Sinken die Temperaturen, muss im beheizten Gewächshaus angebaut werden – und das schadet der Ökobilanz. Die Forscher raten daher im Winter zu Kopfsalat aus Spanien, denn der Energieaufwand des Transportes sei weniger hoch, als die Beheizung hierzulande. Eine umweltfreundliche Alternative wäre aber auch der saisonale Wechsel auf winterharte Salat-Sorten aus der Region.

Brot

Bei Brot allein den Klimaschutz als Maßstab anzusetzen, bringt ein etwas schräges Ergebnis – dann wären die industriell erzeugten Produkte beim Discounter nämlich vorzuziehen. Der Grund: Die Energieeffizienz beim Backprozess ist in den Industriebetrieben besser als in den kleinen Bäckereien. Doch das sind Durchschnittswerte. Es gibt mittlerweile auch eine Vielzahl an Traditions-Bäckern, die ihren Betrieb umgerüstet haben und ökologisch backen. Biobrot übrigens zeigt immer die bessere Bilanz, weil Ökogetreide sowohl weniger Energie benötigt, als auch weniger Klimagase freisetzt als konventionelles Getreide.

Rindfleisch

Eine eindeutige Empfehlung können die Forscher nicht geben. Sowohl regionales, als auch überregionales Rindfleisch habe unter Umweltgesichtspunkten Vor- und Nachteile. Die argentinische Rindfleischproduktion verbraucht beispielsweise gegenüber einer regionalen Produktion in Deutschland zwar deutlich weniger fossile Energie, verursacht dafür aber mehr Treibhausgasemission. Die Herden in Argentien sind größer, geben also mehr Methan ab, brauchen aber im Gegensatz zu deutschen Stalltieren keinen Energieaufwand für die Futtermittelproduktion, da die Tiere auf den Weiden genug zu Fressen finden. Letzteres hebt die negativen Auswirkungen des längeren Transportes wiederum auf.

Milch

Bei Milch hat das regionale Produkt ganz klar den Öko-Vorteil. Allerdings sollten Verbraucher einen genauen Blick auf die Herkunft werfen. Nur weil das Etikett mit Alpenpanorama versehen ist, heißt das nicht, dass die Molkerei auch wirklich von Milchbauern aus der Region beliefert wird.

Einkaufsverhalten beeinflusst Ökobilanz

„Bei gleichen Produktionsbedingungen sind regional produzierte Lebensmittel immer vorteilhaft, da Transporte vermieden werden, die Energie kosten und Treibhausgasemissionen verursachen“, schlussfolgern die Forscher und schicken sofort ein großes ABER hinterher. Denn Einfluss auf die Klimafreundlichkeit haben nicht nur Produzenten und Händler – auch die Verbraucher haben daran einen erheblichen Beitrag. Verhalten sich diese beim Einkauf nicht selbst ökologisch korrekt, macht das jede positive Umwelt-Bilanz zunichte.

Saisonware

Wer sich bewusst Saisonware in den Einkaufskorb legt, kauft ökologisch sinnvoll ein. Gleichzeitig sendet man damit ein Signal an den Handel: Was der Kunde wünscht, bekommt er und was er nicht kauft, verschwindet mit der Zeit aus den Regalen. So haben Verbraucher durch ihre Auswahl durchaus Einfluss auf die Produktpalette.

Verpackung

Folien und Tüten sind den Forschern zufolge einer Styropor-Schalen-Verpackung bei gleichem Materialeinsatz vorzuziehen. Am besten ist unverpackte Ware. Auch Einwegflaschen sind ökologisch wenig sinnvoll.

Organisation

Wer mit dem Auto fünf Kilometer zum nächsten Bauernmarkt fährt, um dort zwei Kilo Äpfel zu kaufen, handelt nicht klimafreundlich und macht aus Öko-Äpfeln, Treibhausgas-Monster. Wenn der Einkauf per Radl oder zu Fuß nicht zu bewältigen ist, dann ist es sinnvoll, Großeinkäufe zu machen und den Stopp am Bio-Markt in die Fahrtstrecke ohne Umwege einzubauen.

Stefanie Backs

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