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Auch wenn sich Kunden intensiv der Packungs-Lektüre hingeben, wer kein Lebensmittelchemiker ist, kann oft nicht alle Inhaltsstoffe identifizieren. Vieles – zum Beispiel Farb- und Konservierungsstoffe – verbirgt sich hinter E-Nummern.

Lebensmittel: Die Tricks mit den E-Nummern

München - Im Kleingedruckten der Lebensmittelverpackungen tummelt sich so manche Zutat, mit der Verbraucher nichts anfangen können. Etwa Saccharose-acetat-isobutyrat - auch E 444 genannt. Besonders Allergikern schlagen die vielen legalen Zusatzstoffe auf den Magen.

Diesmal steht der Buchstabe E ausnahmsweise nicht für Ethanol, der Bio-Alkohol fürs Benzin, sondern für Europa. Und es dreht sich auch nicht um den Inhalt der Energielieferanten fürs Auto, sondern für den Körper: Nahrungsmittel. In diesen stecken häufig Zusatzstoffe - und ständig werden es mehr. Zur Zeit sind 320 Stoffe in Europa zugelassen - 1993 waren es noch 265 dieser sogenannten E-Nummern, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg. Sie kritisiert, dass vor allem über eventuell gesundheitsschädliche Folgen dieser Stoffe - insbesondere wenn sie kombiniert auftreten - zu wenig bekannt sei.

Wirkung reicht von süß bis sauer

Die Zusatzstoffe sind ihrer Wirkung nach unterteilt:

-Farbstoffe sind ab E 100 gelistet,

-Konservierungsstoffe ab E 200,

-Antioxidations- und Säuerungsmittel, sie behindern zum einen die Reaktion von Sauerstoff mit Lebensmittelbestandteilen und sorgen für eine längere Haltbarkeit, zum anderen bringen sie einen intensiveren sauren Geschmack, ab E 300,

-Verdickungs-, Gelier- und Feuchthaltemittel, sie binden Flüssigkeiten, beeinflussen das Schmelzverhalten bei Speiseeis oder das Kaugefühl bei Süßwaren, ab E 400,

-Säureregulatoren und Rieselhilfen, letzteres sorgt dafür, dass Salz oder Fertigsuppen nicht verklumpen, ab E 500,

-Geschmacksverstärker ab E 600

-Süßstoffe ab E 900 bis E 1520 - allerdings ist nicht jede der 520 Nummern besetzt, insgesamt besteht diese Gruppe aus knapp 60 Stoffen.

Wirklich gebraucht werden diese Zusätze nicht, aber sie erleichtern der Lebensmittelindustrie die Arbeit. Die E-Nummern verpassen dem Produkt mehr Farbe, mehr Geschmack, mehr Volumen - das bringt den Herstellern höhere Absatzmengen, gleichzeitig sparen sie bei den teuren echten Rohstoffen.

Auch Bio-Produkte mit E-Nummern

Nur einige naturbelassene oder wenig verarbeitete Produkte sind laut Verbraucherzentrale besonders geschützt und dürfen keine Zusatzstoffe enthalten. Dazu zählen unter anderem reine Buttermilch, Quark und Joghurt ohne Beimengungen, Haushaltszucker, natürliches Mineralwasser sowie Milch und H-Milch.

Wer glaubt, mit Bio-Produkten den Zusatzstoffen zu entkommen, irrt. Auch hier sind insgesamt 44 E-Nummern zugelassen, teilen die Verbraucherschützer mit. Allerdings handle es sich hier um meist unbedenkliche Stoffe. „In manchen Produkten braucht man einfach Emulgatoren oder Rieselhilfen“, sagt die Hamburger Verbraucherschützerin Silke Schwartau. Allerdings ist unter anderem auch der Konservierungsstoff E 250 (Natriumnitrit/Nitritpökelsalz) für die biologische Fleischerzeugung zu gelassen. Ein „problematischer Stoff“, befinden die Nahrungsexperten und raten vom häufigen Verzehr ab. Demeter und Bioland verzichten auf den Einsatz von E 250.

Die Menge macht es problematisch

Unproblematisch sind die E-Nummern für gesunde Menschen, die sich abwechslungsreich ernähren. Bei einseitiger Ernährung aber kann der ADI-Wert („acceptable daily intake“), also die täglich akzeptable Aufnahme-Menge, allerdings überschritten werden, warnen die Verbraucherschützer. So seien etwa Kinder gefährdet, wenn sie große Mengen Limonade mit Süßstoffen trinken. Zum einen, weil sich der Körper an die Süße gewöhnt. Zum anderen steckt in Colagetränken Phosphor- bzw. Orthophosphorsäure (E 338) - ein Säuerungsmittel. Wird das häufig getrunken, kann diese Säure „die Knochenbrüchigkeit bei Jugendlichen begünstigen“, schreiben die Nahrungsexperten. Vom häufigen Verzehr sei deshalb abzuraten.

Aroma-Trick nur im Labor zu enttarnen

In einigen Fällen tauchen Zusatzstoffe in getarnter Form auf - für Verbraucher gar nicht oder nur sehr schwer zu erkennen. Bei Kartoffelbrei-Pulver zum Beispiel müssen Hersteller nicht angeben, wenn die Kartoffeln nach dem Schälen mit einem Mittel gegen Braunwerden behandelt worden sind.

Absolut chancenlos sind Verbraucher beim Aroma-Trick. Hier schreiben die Hersteller in großen Lettern auf die Packung, dass das Produkt keinerlei Konservierungsstoffe enthält. Auch E-Nummern findet man nicht, nur unverdächtig klingende Aromastoffe tauchen auf - und genau das ist der Trick. Denn über die Zusammensetzung dieser Aromastoffe müssen die Hersteller keine Angaben machen, erklärt Silke Schwartau. „Hier gibt es viele versteckte Zusatzstoffe“, ist sich die Verbraucherschützerin sicher. Allerdings lassen sich die bis zu 150 Bestandteile eines einzelnen Aromas nur aufwendig im Labor analysieren.

Ganzer Name statt kurzer E-Nummer

Etwas einfacher ist es hingegen, eine drittes Täuschungsmanöver zu enttarnen. Weil die offiziellen Bezeichnungen der Zusatzstoffe abschreckend wirken - vielen Verbrauchern ist das Pflanzenschutzmittel E 605 noch ein Begriff -, gehen einige Hersteller dazu über, die Stoffe einfach auszuschreiben. Auch das ist rechtlich einwandfrei. Statt E 444 steht dann Saccharose-acetat-isobutyrat (ein Stabilisator und Emulgator in trüben, aromatisierten, nichtalkoholischen Getränken) auf der Packung oder die harmlos klingenden Namen Aspartam (E 951), Lactit (E 966) oder Amaranth (E 123).

Doch die letzten drei stufen Ernährungsexperten als für Kinder bedenkliche Zusatzstoffe ein. Insgesamt listet die Verbraucherzentrale Hamburg 24 dieser Sorte auf. Für Allergiker als bedenklich eingestuft werden an die 50 E-Nummern, die Asthma oder andere Reaktionen hervorrufen können. Bei Menschen mit Übergewicht sind es knapp 30 bedenkliche Zusatzstoffe - vor allem Geschmacksverstärker und Süßstoffe. Dazu kommen noch dutzende durch neuartige technologische Verfahren hergestellte Stoffe, deren Risiko man derzeit noch nicht abschätzen könne, mahnen die Verbraucherschützer. Auch eine gentechnische Herstellung könne man hierbei nicht ausschließen.

Mehr Informationen

gibt es in der Broschüre „Was bedeuten die E-Nummern?“ (66. Auflage, 80 Seiten plus Kurzfassung als herausnehmbare Karte für die Hosentasche, 4,90 Euro, plus zwei Euro Porto und Versand), herausgegeben von der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH). Bestellung im Internet unter www.vzhh.de oder per Telefon: 0 40/24 83 20.

von Stefanie Backs

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