So sollen wir zum Kaufen verleitet werden

Wie die Lebensmittelindustrie mit Düften trickst

München - Die Amerikaner haben's mal wieder vorgemacht, jetzt zieht die Lebensmittelindustrie auch hierzulande nach: Wohlriechendes soll zum Kauf verleiten - deswegen werden Verkaufsräume gezielt beduftet.

Frisch Gebackenes riecht ohne Zweifel unwiderstehlich appetitanregend. Dass Wohlriechendes Kunden zum Kauf verleitet, wissen Lebensmittelindustrie und Handel seit Jahren. Was in Amerika schon länger praktiziert wird, macht sich die Lebensmittelindustrie auch bei uns seit einigen Jahren zu Nutze. Sie setzt auf die Beduftung der Verkaufsräume oder einzelner Lebensmittelbereiche.

Wo entsprechende Geräte stehen, wissen nur Eingeweihte. Der angenehme Geruch lockt selbst zögerliche Kunden an und animiert zum Kauf. Eine deutsche Beduftungsfirma schildert beispielsweise einen Fall aus Amerika, wo der Umsatz im Backbereich eines Supermarktes um das Dreifache Anstieg, seit das Aroma von frisch gebackenem Brot versprüht wurde. Heute gibt es Aromaöle für jede Umgebung, für bleibende Eindrücke und unvergessliche Einkaufserlebnisse in Warenhäusern, Lebensmittelgeschäften und Kinos.

Botenstoffe sollen Hunger- und Durstgefühle beeinflussen

Im Lebensmittelhandel können Kunden beispielsweise mit Erdbeer- oder Apfeldüften, Schokolade-, Kaffee- oder Backgerüchen, Räucherfahnen oder dem Duft nach frischer Meeresbrise verwöhnt werden. Botenstoffe sollen Hunger- und Durstgefühle beeinflussen.

Frischer Brötchenduft wirkt allerdings nur kurzfristig. Die Stimulation auf die Magenaktivität soll aber längerfristig ausgelegt werden, schließlich hält sich der Kunde einige Minuten im Geschäft auf. Ausgetüftelt wurde deshalb eine Mischung aus frischen Backaromen und feinen Gewürzen. In Abteilungen, in denen Waren mit eher unangenehmen Ausdünstungen präsentiert werden, etwa Tierfutter oder Fisch, werden Stoffe eingesetzt, die neutralisieren können. Das schafft die Möglichkeit, Kunden in Bereiche mit positiven Botenstoffen zu entführen.

Tatsächlich sind Fertigwaren der Lebensmittelindustrie ohne angenehmen Geruch kaum verkäuflich. Gut, wenn der Duft bereits beim Aufreißen einer Verpackung in die Nase geht. Wissenschaftler sprechen von Geruchskomponenten, die den charakteristischen Geruch eines Lebensmittels ausmachen: Fencheltee soll acht Geruchsstoffe, frische Erdbeeren und Ananassaft je neun, Bier bereits 17 bis 20 und Single Malt Whiskys mehr als 30 Komponenten vorweisen.

Stoffe können durch biologisch veränderte Bakterien hergestellt werden

Die Lebensmittelindustrie spielt seit mehr als 100 Jahren mit den natürlichen Lebensmittelgerüchen und peppt ihre Produkte zusätzlich mit Aromen auf. Dass nur noch wenige tatsächlich aus der Natur kommen, ahnt der Verbraucher bereits. Weniger ist bekannt, dass die Stoffe durch biologisch veränderte Bakterien, Hefen oder Pilze hergestellt werden können. Bei diesem Beispiel übertrumpfen sogenannte Geschmacksingenieure sogar die Natur: Chemisch verändertes Vanillin riecht viermal intensiver als die echte Vanille aus der Natur. Gerade bei Kindern ist zu beobachten, wie sehr labortechnisch hergestellte Aromen das Geschmacksprofil beeinflussen. Kinder, deren Sinne nicht regelmäßig auf den natürlichen Geschmack trainiert werden, lehnen natürliche Lebensmittel und deren unverfälschte Zubereitungen im Laufe der Zeit ab.

Rezept: Quark-Semmeln

Zutaten: 250 Gramm Magerquark, sechs Esslöffel Öl, drei Esslöffel Zucker, eine Prise Salz, 300 Gramm Vollkornmehl, drei Teelöffel Backpulver, drei Esslöffel Wasser, nach Geschmack: Rosinen, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne.

Zubereitung: Quark, Öl, Zucker, Salz und 150 Gramm Mehl verkneten, restliches Mehl mit Backpulver vermengen, mit drei Esslöffeln Wasser und den übrigen Zutaten unterkneten. Acht Semmeln formen, kreuzweise einschneiden, auf ein Blech mit Backpapier legen und 15 Minuten bei 180 Grad auf mittlerer Schiene goldbraun backen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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