Studie zur Lebensqualität

Deutsche fühlen sich nicht richtig wohl

Hamburg - Die Wirtschaft wächst, die Unzufriedenheit auch. In einer Studie haben Markt- und Sozialforscher versucht herauszufinden, was jenseits von Materiellem für die Lebensqualität wichtig ist.

Die Deutschen fühlen sich nicht so richtig wohl in ihrem Land und ihrem Leben. Darauf lassen die Ergebnisse einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos schließen, die am Dienstag in Hamburg vorgestellt wurden. Die meisten wünschen sich ein Leben ohne finanzielle Sorgen und Zukunftsangst, mit einem sicheren Auskommen und guter medizinischer Versorgung. Doch Wünsche und Wirklichkeit klaffen auseinander: Nur für eine Minderheit treffen die Merkmale zu, die von den meisten als wichtig für ihren Wohlstand angesehen werden.

Der Hamburger Forscher Horst W. Opaschowski hat aus den Ipsos-Daten einen „Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland“ entwickelt, der Wohlstand anders misst als das Bruttoinlandsprodukt BIP. Bei der ersten Erhebung erreichte der neue Index den Wert 42,4, bei einem möglichen Höchstwert von 100. „Da gibt es in einem reichen Land wie Deutschland noch viel Luft nach oben“, sagte Hans-Peter Drews von Ipsos. Andererseits lässt der Index wenig Interpretation zu, weil es keine Vergleichsmöglichkeiten mit früheren Erhebungen gibt. Der Index soll nun alle drei Monate fortgeschrieben werden.

"Subjektives Gefühl. dass es (uns) immer schlechter geht"

38 Prozent der Bevölkerung vertreten nach der Studie die Meinung, ihre Lebensqualität habe im Vergleich zu früher abgenommen. „Es wächst das subjektive Gefühl, dass es immer schlechter geht“, sagte Opaschowski. Das Wohlstandverständnis der Deutschen habe sich verändert; es gehe mehr darum, sorgenfrei zu leben als viel zu haben. Nach der Erhebung unterscheidet sich der subjektive Wohlstand nicht zwischen Männern und Frauen, wohl aber zwischen Ost und West: Im Westen liegt der Index mit 44,5 deutlich höher als in Ostdeutschland mit 34,4. Zudem wächst der individuell empfundene Wohlstand mit dem Alter und dem Einkommen.

„Die Wohlstandsgesellschaft gleicht jetzt mehr einer Wohlfühl- und Wohlergehensgesellschaft, die ihren Bürgern soziale Sicherheit und soziale Wärme garantieren soll“, sagte Opaschowski. Die Bürger legten großen Wert auf sozialen Zusammenhalt, intensive Familienbeziehungen und Kontakte zu guten Freunden. „Wohlstandsqualität heißt für die Deutschen auch und gerade Beziehungsqualität“, sagte Opaschowski. „Die Familie bleibt das persönlich wichtigste im Leben.“

Der Forscher will den Index nicht als Alternative zum BIP verstanden wissen, sondern als Ergänzung. Auch eine Enquête-Kommission des Bundestags arbeitet seit längerem an der Entwicklung eines umfassenden und ganzheitlichen Wohlstandsmaßstabs. Konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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