Lebensversicherer: Garantiezins sinkt - fällt auch die Rendite?

- München - Zurückgeschraubte Renditeerwartungen von Lebensversicherungen irritieren Anleger. Statt 7 % im Jahr sind oft nur noch gut 5 % die Basis der Kalkulation. Gerhard Rupprecht, Chef der Allianz Leben schließt eine weitere Senkung nicht aus, falls die Kapitalmarktzinsen dauerhaft niedrig bleiben. Als sicher gilt in der Branche, dass der Garantiezins fallen wird. Das sagte Maximilian Zimmerer (44), Finanzvorstand der Allianz Leben gegenüber unserer Zeitung. Für Mitte 2004 rechnet Zimmerer mit einer Senkung (nur bei Neuverträgen) auf 2,75 %. Derzeit liegt der Garantiezins bei 3,25 %.

<P>Dabei zieht dies nicht zwingend fallende Renditen nach sich. Versicherungsmathematiker rechnen ganz anders: Es muss immer soviel Geld risikofrei angelegt werden, damit dieses Rendite erwirtschaftet wird. Sinkt das Zinsniveau an den Kapitalmärkten, muss zwangsläufig der Anteil der "sicheren" Anlageformen im Portfolio der Versicherer wachsen. Für riskantere aber chancenreiche Investments bleibt weniger Spielraum. Auch Zimmerer verweist darauf, dass die Gesamtverzinsung auch bei einem sinkenden Garantiezins gleich bleiben kann.</P><P>Gesellschaften mit hohen Bewertungsreserven (Diese ergeben sich, wenn der aktuelle Marktwert von Unternehmensbeteiligungen höher ist als der Buchwert in der Bilanz) können das verkraften. Bei der Allianz Leben betragen diese Reserven 4,6 Milliarden Euro. Gesellschaften mit geringen Reserven geraten leichter unter Druck. selbst in diesem Fall sollen deren Kunden wenigstens das bislang erwirtschaftete Geld plus künftiger Garantieverzinsung wiederbekommen. Dafür soll die Auffanggesellschaft "Protektor" sorgen, die von der Versicherungswirtschaft eingerichtet wird. "Die Idee ist gut", sagt Zimmerer. "Die Verträge bleiben erhalten." </P><P>Allerdings hält er den Ernstfall für unwahrscheinlich: "Es ist noch nie ein Lebensversicherer in Deutschland in Konkurs gegangen".<BR>Je höher die Reserven, desto leichter können Unternehmen Marktchancen nutzen. "Wir sind in der Situation derzeit Aktien kaufen zu können", sagt Zimmerer. Trotz günstiger Einstiegskurse wird die Allianz aber nur sehr selektiv an den Aktienmärkten zukaufen. Etwa von Gesellschaften mit günstiger Bewertung oder Anteile hochprofitabler Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. In der Krise ist der Aktienanteil zurückgefahren worden - von 21,7 auf 12,3 %.</P><P>Der bei weitem größte Teil des verwalteten Vermögens ist ohnehin auf der sicheren Seite: Festverzinsliche Wertpapiere (mit steigendem Anteil an Unternehmensanleihen), Hypothekendarlehen (Die Allianz Leben ist der größte Baufinanzierer Deutschlands) und immer noch Immobilien.</P><P>Für Lebens- oder Rentenversicherungen als Geldanlage - im Aktienboom vielfach als Dinosaurier belächelt - sieht Zimmerer weitere Wachstumschancen. Nur mit ihrer Hilfe können in seinen Augen die demographischen Probleme gelöst werden. So steht bei der betrieblichen Altersvorsorge ein Boom ins Haus. Rahmenverträge für Unternehmen und Branchen müssen nun durch Verträge der Betriebe mit ihren Arbeitnehmern umgesetzt werden. Bei der Riester-Rente ist trotz insgesamt enttäuschender Zahlen die Allianz-Leben der Gewinner. Jeder fünfte Vertrag wurde bei ihr abgeschlossen. Unter anderem dadurch stieg der Anteil am gesamten Neugeschäft von 15,1 auf 18,4 %.</P><P>"Die Riester-Rente war der richtige Schritt, kam aber mindestens 10 Jahre zu spät", so Zimmerer. Gleichwohl tritt er für Veränderungen ein. So soll das bisherige Stufenmodell abgeschafft werden und ein sofortiger Einstieg in die Vollförderung erfolgen. Auch würde er die nötigen Antragsformulare radikal vereinfachen: "Ein Antrag mit der Steuererklärung müsste genügen."</P><P> </P>

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