Lebensversicherung: Experten warnen vor Schnellabschlüssen

- Die Kapitallebensversicherung war jahrzehntelang eine Art "Volkspolice" mit Renditen um sechs bis sieben Prozent. Doch diese Zeiten sind erst einmal vorbei: Der Garantiezins soll ab 2004 von bisher 3,25 auf den historisch niedrigen Stand von 2,75 Prozent absinken, die Überschussbeteiligungen plätschern nur noch müde, einige Versicherer sind in Turbulenzen geraten.

<P>Rendite nur noch auf Sparzinsniveau</P><P>Altverträge werfen Jahr für Jahr weniger ab. Für Neukunden sind die Zukunftsaussichten noch viel trüber. "Wir raten von Neuabschlüssen ab, der Gewinn steht in den Sternen", mahnt Wolfgang Scholl vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) zur Zurückhaltung. Womit Verbraucher höchstens noch rechnen sollten, sei die garantierte Verzinsung. Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen spricht von "finanziellen Risiken".<BR><BR>Experten von "Finanztest" halten es für möglich, dass die Kapitalleben langfristig gesehen effektiv "auf Sparzinsniveau" landet. Für Frank Braun vom Bund der Versicherten (BdV) ist die Kombination aus Geldanlage und Versicherung "klar auf dem absteigenden Ast". Falle in nächster Zeit der Steuervorteil weg, "ist das Produkt tot".<BR><BR>Auch Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hält die Kapital bildende Police "nur noch für 10 % bis 20 % der Bevölkerung geeignet". Und selbst da gelte der dringende Rat: Hände weg, wer nicht sicher ist, die Zwölfjahresfrist bis zur Steuerfreiheit der Anlage durchhalten zu können.<BR><BR>Sämtliche Verbraucherschützer rechnen damit, dass die Versicherer die kommenden sechs Monate trotz Branchenkrise dazu nutzen werden, massenhaft Neukunden zu werben. Ihr Hauptverkaufsargument neben zusätzlichen Renditeversprechen: der sinkende Garantiezins. "Es ist paradox, früher wurden die Leute mit der Aussicht auf eine fette Überschussbeteiligung gelockt. Jetzt geht es nicht mehr so sehr um die Schlagsahne obendrauf, sondern um das Absichern des absoluten Minimums", gibt Grieble zu bedenken und warnt Interessenten, sich unter Druck setzen zu lassen. Der Garantiezins legt fest, wie viel die Versicherungen ihren Kunden jedes Jahr mindestens gutschreiben müssen.<BR><BR>Auf stille Reserven des Versicherers achten</P><P>Der Satz von 2,75 % durchbricht erstmals die Drei-Prozent-Marke nach unten und soll ab 1. Januar für alle neu unterzeichneten Policen gelten. Wer dann erst abschließt, büßt gegenüber diesem Jahr also einen kleinen Batzen Sicherheit ein. Altkunden bleiben davon unberührt. Erst 2000 war die Mindestverzinsung von 4,0 auf 3,25 % herabgesetzt worden. <BR><BR>Was für die Kunden von Nachteil ist, soll den Versicherungsunternehmen finanzielle Entlastung verschaffen - und Spielraum für Erholung. Doch von Ausschüttungen um die sieben Prozent, wie sie von den leistungsstärksten Lebensversicherern über Jahre hinweg den Kunden gutgeschrieben wurden, ist die Branche weit entfernt. "Die Firmen können ja auch nur an den schwachen Kapitalmärkten anlegen", warnt "Finanztest" vor überzogenen Erwartungen.<BR><BR>"Bis das Finanzpolster wieder mal aufgefüttert ist und satte Renditen möglich sind, werden Jahrzehnte vergehen", ist Elke Weidenbach überzeugt. Wer unbedingt neu einsteigen wolle, solle ausdrücklich auf noch vorhandene stille Reserven des Versicherers achten, rät Grieble.<BR><BR>Nach einer Allensbach-Studie sparen über 60 % der Bundesbürger in mindestens eine Lebensversicherung. Doch das Vertrauen in die Sicherheit der Geldanlage ist bei der Mehrheit der Deutschen inzwischen schwer erschüttert, wie kürzlich eine Umfrage von "Infratest dimap" ergab. Der Trend könnte sich noch verstärken. "Eine Volkspolice wird da nie mehr draus", meint Elke Weidenbach.<BR><BR></P>

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