Lebensversicherung gekündigt: Wie Kunden zu mehr Geld kommen

- Der Schock nach der Kündigung ist groß: Trotz hoher Einzahlungen in eine Kapitallebensversicherung zahlt diese nur einen Bruchteil der Beiträge zurück. Der Rückkaufswert beträgt gerade in den ersten Jahren oftmals weniger als die Hälfte der Einzahlungen. Die Versicherungen ziehen von den Beiträgen die Kosten für den Versicherungsschutz und Provisionen für den Verkauf der Police ab.

Zu viel, entschied der Bundesgerichtshof. Doch wer Geld zurückhaben will, muss handeln - und wegen Verjährungsfristen schon bald.

Verträge 1994 bis 2001

Betroffen sind nur Verträge, die zwischen Ende Juli 1994 - seitdem sind die Bedingungen von der Aufsichtsbehörde freigegeben worden - und dem Urteil vom 9. Mai 2001 abgeschlossen wurden. In diesem Jahr hatte der Bundesgerichtshof die Versicherungsklauseln moniert. Die Richter bemängelten, dass nicht deutlich genug darauf hingewiesen wurde, dass dem Kunden bei Kündigung erhebliche Nachteile entstehen.

Jetzt legte das oberste Zivilgericht nach: Kunden, die aus solchen Verträgen aussteigen, haben Anspruch auf fast die Hälfte der eingezahlten Beträge. Stornoabzüge seien nicht rechtens, so die Richter (Aktenzeichen: IV ZR 162/03, 177/03, 245/03).

"Niemand kann den Rückkaufswert selber berechnen", sagt Hedwig Telkamp von der Verbraucherzentrale Bayern. Das liegt daran, dass die Versicherer ihren Kunden nicht die Kalkulationsgrundlagen für Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten offen legen.

Nach der Formel, die der Bundesgerichtshof den Versicherungen vorgab, dürfen die Versicherer nicht die gesamten Abschlusskosten von den Beiträgen der ersten Jahre abziehen. "Das ergibt Pi mal Daumen etwa 40 Prozent der Beiträge", erklärt die Versicherungsexpertin Telkamp.

Kompliziert wird die Berechnung auch dadurch, dass Lebensversicherungen oft in Kombination mit zusätzlichen Angeboten wie Unfallschutz, Berufsunfähigkeitsversicherung und so fort verkauft würden.

Verjährung umstritten

Die Verjährungsfrist für die Ansprüche aus den Versicherungsverträgen beträgt fünf Jahre. Wann diese jedoch beginnt, ist umstritten. "Wir gehen davon aus, dass sie frühestens 2001, als der BGH gesagt hat, dass die Vertragsklauseln nicht richtig seien, beginnt", sagt Telkamp.

Die Versicherer behaupten den Beginn der Verjährungsfrist mit der Auszahlung, das bedeutet, dass alle bis 2001 gekündigten und ausgezahlten Verträge bereits in diesem Jahr verjährt sein würden. Es sei zu hoffen, schreibt "Finanztest", dass der Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg, der das Urteil vom Oktober erstritt, noch einmal vor Gericht zieht und durchsetzt, dass die Verjährungsfrist erst mit dem BGH-Urteil vom 12. Oktober 2005 beginnt. Auch eine Beschwerde beim Ombudsmann der Versicherungen (siehe Kasten) hat aufschiebende Wirkung.

Nachforderung

Nachforderungsansprüche haben Versicherungskunden in der Regel nur dann, wenn ihr Vertrag in den ersten beiden Vertragsjahren gekündigt bzw. aufgehoben wurde.

Laut Verbraucherzentrale gilt die Faustformel: Bei Kündigung oder Beitragsfreistellung im ersten Zehntel der Vertragslaufzeit könnten Ansprüche bestehen. Bei längeren Laufzeiten liegt der Rückkaufswert meist höher und es gibt daher keine Ansprüche auf Nachzahlung.

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