Lebensversicherung: Ohne Steuer-Zuckerl kaum rentabel

- Der Kapitallebensversicherung geht es an den Kragen. Das Bundeskabinett hat den Steuervorteil der Geldanlage ersatzlos für Neuverträge ab 2005 gestrichen. Der Bundesrat muss dem zwar noch zustimmen. Allerdings rechnet kaum jemand mit einem Rückzieher. Fällt das Privileg, dann ist das wichtigste Verkaufsargument für den Anlage-Renner "tot". Wer als Kunde geworben wird, sollte sich genau überlegen, ob ein Abschluss lohnt.

<P>"Den Versicherern bricht das Kerngeschäft weg", prophezeit Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Lebensversicherung stehe vor einer düsteren Zukunft. Wer derzeit als Neukunde geworben wird, sollte vorsichtig sein. Die Geldanlage lohne nicht mehr, warnen Verbraucherschützer vor vermeintlichen Schnäppchen auf den letzten Drücker.<BR>Keine Auswirkungen hat die rot-grüne Entscheidung für Kunden, die schon eine "Kapitalleben" abgeschlossen haben. Für Alt-Policen mit Laufzeiten von 12 Jahren oder mehr bleibt die Regelung gültig, dass der Gewinn steuerfrei kassiert werden darf.</P><P>Vorausgesetzt, der Versicherte zahlte mindestens fünf Jahre lang ein. Außerdem kann er seine Beiträge nach wie vor als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzen. Wer nach dem 1. Januar 2005 eine Lebensversicherung unterschreibt, soll dagegen bei der Auszahlung seiner Erträge später zur Kasse gebeten werden. Wie bei anderen Anlagen auch, beispielsweise Banksparplänen. Das "Zuckerl" der Abzugsfähigkeit der Beiträge, das vor allem Selbstständigen den Abschluss versüßte, soll es künftig ebenfalls nicht mehr in der bisherigen Form geben.</P><P>"Der Lack ist ab", betont Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Das Produkt sei mit dem gekippten Steuervorteil so gut wie gestorben, ist auch Frank Braun vom Bund der Versicherten (BdV) überzeugt. Der wirtschaftliche Druck auf die Lebensversicherer werde steigen, die betriebliche und private Altersvorsorge an Bedeutung zunehmen. "Wir müssen sehen, wie wir damit fertig werden", kommentiert Hartmut Gramberg, Sprecher der DBV-Winterthur-Versicherungen, die einschneidenden Pläne der Bundesregierung. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft werde alles daransetzen, noch auf Rettungsversuche hinzuarbeiten.</P><P>Der Lack blättert allerdings schon seit längerem vom Geldanlage-Liebling ab. Die Talfahrt des Klassikers in der Altersvorsorge verlief parallel zum Börsendebakel. Glänzende Renditen von sechs oder sieben Prozent können Versicherte schon lange nicht mehr einstreichen. Die wichtigen Überschussbeteiligungen fallen von Jahr zu Jahr dünner aus. Wer mit Hilfe einer Lebensversicherung den Hauskauf finanzierte, steckt inzwischen schmerzlich in der Finanzklemme. Und nun wird auch noch der Garantiezins ab 2004 von bisher 3,25 auf den historisch niedrigen Stand von 2,75 Prozent fallen. Das trifft sämtliche Neukunden.</P><P>Für Bieler ist die weitere Entzauberung der Lebensversicherung absehbar: "Das läuft auf eine Kapitalanlage auf Sparbuchniveau hinaus." Wer sich jetzt noch für eine Police interessiere, solle sich bloß nicht von der "Schlussverkaufsstimmung" der Versicherer beeinflussen lassen, warnt Gottschalk. Sämtliche Experten rechnen damit, dass die Versicherungsbranche bis zum offiziellen Aus für den Steuervorteil 2005 noch kräftig den "Ausverkauf" nutzen wird. Für das Einfangen von Neuabschlüssen kassieren Versicherungsvertreter hohe Provisionen. Und damit dürfte es dann auch vorbei sein. "Die Lebensversicherung ist einfach eine stark mit Kosten belastete Geldanlage. Das wird jetzt überdeutlich", so das Fazit Gottschalks.</P>

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