Lebensversicherungen: Gewinnbeteiligung bleibt mager

München - Die Börsen haben sich in den vergangenen Jahren sensationell entwickelt. Die Zinsen steigen deutlich. Doch bei Kunden von Lebensversicherern kommt von der glänzenden Lage an den Kapitalmärkten fast nichts an. Die Überschussbeteiligungen dürften nur wenig steigen - wenn überhaupt.

Lebensversicherungen werden zur Zeit im Durchschnitt mit knapp über 4 Prozent verzinst. Experten machen wenig Hoffnung, dass es zum Jahresende einen kräftigen Renditesprung geben wird. "Einen leichten Anstieg kann man nicht ausschließen", sagt Peter Schwark, Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Ein großer dürfte nicht drin sein."

"Die Spielräume sind nach wie vor begrenzt", erklärt auch Eckhard Marten vom Marktführer Allianz-Leben. Erst gegen Ende des Jahres werde darüber entschieden, ob mehr Geld an die Kunden ausgeschüttet werden könne. "Ich würde mir keine allzu großen Hoffnungen machen, dass es steil nach oben geht", dämpft auch Torsten Rudnik vom Bund der Versicherten die Erwartungen.

"Die Konkurrenz wartet, was der Branchenprimus Allianz macht", meint Andreas Gernt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Zeit sei zwar längst reif für eine bessere Verzinsung. Die Höhe der Überschussbeteiligung sei aber auch immer von der gesamtwirtschaftlichen Lage eines Versicherers abhängig. "Viele sind extrem vorsichtig geworden in ihrer Geldanlagepolitik."

Für die Kundschaft ist das nur ein schwacher Trost. So mancher Versicherte wartet bereits auf eine Nachbesserung bei der Gewinnbeteiligung - also dem Geld, das über eine garantierte Verzinsung hinaus gezahlt wird. Erwirtschaftet werden diese Beträge an den Kapitalmärkten: Die einen Lebensversicherer setzen dabei auf eine bescheidene, risikoarme Aktienquote von etwa fünf Prozent. Andere legen das Drei- bis Vierfache an der Börse an. Gesetzlich erlaubt ist ein Aktienanteil von 35 Prozent, was aber kein Versicherer derzeit ausschöpft.

Der Rest wird hauptsächlich in festverzinsliche Wertpapiere investiert sowie in Immobilien. Was dann - grob gesagt - bei der Geldanlage herausspringt, ist der Überschuss - also der Profit, der die Police erst attraktiv macht. Nach Ansicht einiger Branchenbeobachter sind vor allem Gesellschaften mit hoher Aktienquote in der Pflicht, die Börsengewinne endlich an die Kunden weiterzugeben.

Die Versicherten selbst können nur abwarten und hoffen. Nach dem Börsencrash vor gut sieben Jahren mussten sie miterleben, wie die einst branchenweit hohen Gewinnbeteiligungen von 7 bis 8 Prozent zusammenschmolzen. Ab 2001 schraubte ein Versicherer nach dem anderen seine Überschussbeteiligung Jahr für Jahr weiter nach unten.

Für die Masse der Versicherten sieht es nach wie vor bitter aus: Ihre Police wirft im Alter immer noch Tausende bis Zehntausende Euro weniger ab als einst vorgerechnet. Diese Lücke sei schwer zu schließen, gibt Georg Plötz zu bedenken, Finanzfachmann bei der Verbraucherzentrale Bayern. Sein Tipp: Druck machen und beim Versicherer hartnäckig nachfragen, ob die Gewinnbeteiligung nicht bald deutlich erhöht werde.

Versicherungsexperte Rudnik rät Altkunden dazu, eine Police möglichst nicht vor Ablauf zu kündigen. Wer in der zweiten Hälfte seiner Vertragslaufzeit sei, solle bis zum Ende durchhalten, betont auch Gernt. Denn zum Ende hin wird der Ertrag durch einen Schlussbonus noch einmal aufgepeppt. Der Haken daran: Auch dieser Betrag kann je nach Finanzlage reduziert oder ganz gestrichen werden.

Ein wenig Hoffnung auf eine höhere Rendite macht außerdem eine Neuregelung im Versicherungsvertragsgesetz ab 2008. Zumindest auf den ersten Blick. Danach sollen Kunden bei Vertragsende künftig zu 50 Prozent an den stillen Reserven der Unternehmen beteiligt werden, auch die Altkunden nach einer Übergangsfrist von einem Jahr. Große Summen seien aber nicht zu erwarten, befürchtet Rudnik.

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