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Der Verkauf von Lebensversicherungen an Abwickler sorgt für Kritik. Foto: Jens Büttner/Illustration

Altpolicen

Lebensversicherungen: Interne Abwicklung oder Verkauf?

Der Verkauf von Lebensversicherungen an Abwickler sorgt für Kritik. Doch eine interne Lösung muss für Kunden nach Einschätzung von Versicherungsmathematikern nicht unbedingt besser sein. Sorgen bereitet den Experten vor allem ein Thema.

Frankfurt/Main (dpa) - Verbraucher müssen sich bei einem Verkauf ihrer Lebensversicherung an Abwicklungsspezialisten nach Einschätzung von Versicherungsmathematikern nicht unbedingt Sorgen machen.

"Eine schlecht gemachte hausinterne Abwicklung der Altbestände kann unter Umständen für Kunden schwieriger sein als ein Verkauf", sagte Guido Bader, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), der Deutschen Presse-Agentur. "Entscheidend ist, dass die Kunden bei einem Verkauf nicht schlechter gestellt werden." An diesem Montag beginnt in Berlin der 31. Internationale Aktuarkongress.

Der Verkauf von Altpolicen an spezialisierte Abwickler hatte zuletzt Kritik von Politikern und Verbraucherschützern ausgelöst. Aktuell sucht Generali Deutschland für rund vier Millionen Altverträge eine Lösung. Lebensversicherern fällt es wegen der Niedrigzinsen zunehmend schwer, an den Kapitalmärkten die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit von bis zu vier Prozent zu erwirtschaften.

Manche Unternehmen haben das Neugeschäft mit kapitalbildenden Lebensversicherungen inzwischen eingestellt, einige wollen die teuren Altpolicen loswerden. Die Erwerber - sogenannte Run-off-Firmen - müssen die bestehenden Verträge bis zum Ablauf weiterführen.

Welche Folgen ein Verkauf hat, hängt Bader zufolge vom Einzelfall ab. "Unter sehr ungünstigen Kapitalmarktbedingungen müssten die Überschüsse für die Versicherten sowohl bei einer internen Abwicklung als auch bei einem Verkauf bis auf ein Minimum reduziert werden", sagte der Aktuar, der Vorstandsmitglied der Stuttgarter Versicherungen ist.

Zugleich appellierte Bader an die Politik, möglichst schnell das Tempo beim Aufbau des zusätzlichen Kapitalpuffers in der Lebensversicherungsbranche zu drosseln. "Wenn es bei dem Tempo und der aktuellen Tiefzinsphase bleibt, wüsste ich nicht, ob jedes Unternehmen die nächsten Jahre handelsrechtlich überlebt", warnte Bader. Um hohe Garantien für Altverträge in der Zinsflaute abzusichern, müssen die Versicherer seit 2011 finanziell Vorsorge treffen. Auch die Finanzaufsicht Bafin hatte sich für einen langsameren Aufbau der sogenannten Zinszusatzreserve ausgesprochen.

"Wir kommen inzwischen in den Bereich, wo es weh tut", sagte Bader. Das ursprüngliche Berechnungsmodell passt nach Einschätzung der Versicherungsmathematiker nicht mehr zur aktuellen Lage mit einem Leitzins von null Prozent im Euroraum. "Die von uns vorgeschlagene Änderung wird nichts an der Leistung gegenüber den Versicherten ändern, sondern lediglich den Aufbau der Zinszusatzreserve verlangsamen. In etwa zehn Jahren treffen sich beide Modelle wieder." Änderungen an dem Modell sollte das Finanzministerium möglichst noch im Juni anstoßen.

Die Unternehmen brauchten aus Planungsgründen ein schnelles Signal aus Berlin, wie es in diesem Jahr weitergehe, mahnte Bader. "Es ist ein Unterschied, ob ich beispielsweise 30 Millionen oder 100 Millionen Euro zusätzlich in die Bilanz einstellen muss." Im Zweifelsfall müssten hochverzinsliche Wertpapiere oder Immobilien verkauft werden. "Das geht nicht von heute auf morgen."

Die Aktuarvereinigung DAV vertritt Versicherungs- und Finanzmathematiker, die unter anderem bei Versicherungen, Ratingagenturen oder der Aufsicht tätig sind.

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