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Erwartungen werden enttäuscht: Kapitalbildende Lebensversicherungen halten nur die garantierten Leistungen ein. Von den Überschüssen bleibt für die Versicherten oft nur ein Bruchteil der vorhergesagten Summen. 

Erhebung der Stiftung Warentest für „Finanztest“

Lebensversicherungen: Was vom Versprochenen übrigbleibt

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Die Stiftung Warentest hat Fälle gesammelt und bestätigt nun, was Versicherungskunden seit Jahren erleben: Kapitalbildende Lebensversicherungen halten bei weitem nicht mehr, was Verkäufer einst versprachen.

Nur die garantierten Zinsen bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung sind einem Kunden sicher. Die meist deutlich höherere Gesamtleistung inklusive Überschussbeteiligung, die beim Verkauf prognostiziert wurde, schrumpft in vielen Fällen zusammen – manchmal fast auf die Hälfte. Das ergab einer Erhebung der Stiftung Warentest für „Finanztest“ (Februar-Ausgabe), für die 92 Versicherungskunden ihre Daten aus alten Verträgen zur Verfügung stellten.

Ein schlechtes Zeugnis für ein jahrzehntelang höchst erfolgreiches Finanzprodukt. In den besseren Zeiten bekam man meist mehr zurück, als man je mit einem Sparvertrag bei der Bank hätte erzielen können. Was die meisten nicht wussten oder nicht wahrhaben wollten: Die Versicherungen taten mit dem Geld, was jeder langfristig orientierte Anleger tun sollte, die meisten ihrer risikoscheuen Kunden sich aber nicht trauten: Sie investierten in Aktien und Immobilien.

Es ging gut - bis die Technologieblase platzte

So fielen gute Erträge an. Die Versicherer konnten nicht nur die Erwartungen der Kunden erfüllen, sondern über stille Reserven den eigenen Unternehmenswert steigern und auch ihre Anteilseigner mit erfreulichen Ausschüttungen bedienen. Das ging viele Jahrzehnte lang gut, bis kurz nach der Jahrtausendwende die Technologieblase an den Aktienmärkten platzte.

Die Reserven schmolzen dahin wie der Schnee in der Frühjahrssonne und die Versicherer ruderten verzweifelt in Richtung sicherer Hafen. Der hieß festverzinsliche Wertpapiere. Die hohen Aktienquoten der Vergangenheit mieden die Versicherer fortan wie der Teufel das Weihwasser.

Der Nachteil: Mit dem Risiko sank auch die Rendite. Entsprechende Anlageprodukte können Kunden leicht auch direkt bei ihrer Bank ordern. Erschwerend kam die Talfahrt der Zinsen hinzu. Der Kuchen, der zwischen Anteilseignern und Kunden aufgeteilt werden konnte, wurde immer kleiner. Das spüren Versicherungskunden seit Jahren. Nun hat die Stiftung Warentest Beispiele gesammelt, was von früheren Prognosen beim Vertragsabschluss übrigblieb.

Wie aus 384 240 Mark 120 000 Euro wurden

So der Fall von Ernst Link, den Finanztest aufgreift: 384 240 DM, so rechnete die Bayern Versicherung 1989, sollte er im Jahr 2020 erhalten. Das wären rund 196 000 Euro. Doch seit 1994 schrumpfte die Prognose Jahr für Jahr zusammen. 86 000 Euro verschwanden seither aus den jährlichen Hochrechnungen. Link rechnet damit, dass das in den nächsten vier Jahren bis zu Auszahlung so weitergeht.

Rente sank fast auf die Hälfte

So baut sich bei vielen Altkunden im Lauf der Jahre eine erhebliche Versorgungslücke auf. Etwa bei Brigitte Parakenings. Ihre private Rentenversicherung stellte ihr beim Abschluss 1996 insgesamt 1014 DM monatlich in Aussicht, umgerechnet 518 Euro. Mit etwas Glück bekommt sie Ende 2016 gut die Hälfte an Anfangsrente. Auf 266 Euro kommt die jüngste Standmitteilung.

Das sind keine Einzelfälle. Bei den meisten untersuchten Verträgen sank die ursprünglich versprochene Ablaufleistung um 20 bis 30 Prozent.

Aufgeben ist auch keine Lösung

Also alles hinwerfen? Und auf eigene Faust fürs Alter sparen? Bei Verträgen, die schon länger laufen, hält Finanztest das klar für die falsche Wahl. Man kann aber doch einiges für bessere Erträge tun. 

Folgende Tipps sollten Versicherte beachten:

-Jahresbeitrag zahlen: Wer die Beiträge für die Lebensversicherung jeden Monat zahlt, erhält weniger Zinsen. Denn ein Teil der Einzahlungen wird nicht das gesamte Jahr über verzinst. Wenn es finanziell möglich ist, sollten Versicherte besser ihre Beiträge am Jahresanfang zahlen. So profitieren sie von der vollen Verzinsung, was sich positiv auf die Höhe der Auszahlung auswirkt.

- Auszahlungstermin verschieben: Viele Verträge haben eine Aufschuboption. Versicherte können diese nutzen, um Steuern zu sparen. Denn der Steuersatz für Rentner ist meist geringer als für Erwerbstätige. Es kann sich also lohnen, den Termin der Auszahlung in die Rentenphase zu verschieben.

-Kapitalwahlrecht nutzen: Versicherte, die einen Vertrag mit Kapitalwahlrecht haben, können sich kurz vor dem Vertragsende entscheiden: Wollen sie eine monatliche Rente oder lieber eine Kapitalauszahlung? Sind die laufenden, monatlichen Kosten etwa über die gesetzliche Rente oder andere Einnahmen abgedeckt, sollten sie auf die Kapitalauszahlung setzen. So haben sie anders als bei der Rente im Todesfall die Möglichkeit, gegebenenfalls ihren Angehörigen Geld zu vererben und sie so abzusichern.

-Vertrag durchhalten: Wenige Jahre bevor die Lebensversicherung endet, sollten Versicherte ihren Vertrag nicht kündigen. Wer allerdings im Vertrag automatisch steigende Beiträge vereinbart hat, kann dann unter Umständen Kosten sparen. Denn viele Anbieter verlangen für die sogenannte „Dynamik“ jedes Mal neue Abschlussgebühren. Diese müssen Versicherte nicht mehr zahlen, wenn sie einige Jahre vor dem Vertragsende dem Anbieter einen Brief schreiben, in dem sie den Erhöhungen schriftlich widersprechen.

- Vertrag überprüfen: In vielen Fällen wird Geld für Versicherungsleistungen eingesetzt, die nicht sinnvoll sind. Finanztest nennt als Beispiel die Extra-Versicherung des Unfalltods.

Mit Material von dpa

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